wenn ich groß bin, werde ich science fiction autor
Dienstag, 17. August 2010
Moshe Lewin (1921?2010)

Nachruf von Alain Gresh auf der Seite von Le Monde diplomatique: [Moshe Lewin et le « siècle soviétique »]

Kleine Anmerkung. Es heißt dort: »Le Monde diplomatique a publié son dernier ouvrage, écrit directement en français, Le Siècle soviétique (avec les éditions Fayard, 2003).« ? In besagtem Buch steht hingegen, es sei eine Übersetzung aus dem Englischen (übersetzt von Denis Paillard und Florence Prudhomme; « Ouvrage traduit avec le concours du Centre national du livre »); allerdings scheint es die dort angegebene englische Originalausgabe (»Russia?s Twentieth Century. The Collapse of the Soviet System«, Columbia University Press 2003) nie gegeben zu haben. Bei Verso ist aber 2005 eine englische Ausgabe unter dem Titel »The Soviet Century« erschienen.

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Freitag, 6. August 2010
? und ihr Schlachtruf war ?Deine Mutter!?

Radical Hong Kong legislator "Long Hair" Leung Kwok-hung, never one to pass up a protest, was also on the scene, at one point leading demonstrators in an obscene chant that had been the battle cry of a famous Cantonese general in late Ming Dynasty against his Manchu counterpart: "F**k his mother! Hit them hard!" The same chant was heard on Sunday in Guangzhou before police silenced it.

For seven years, until last month, a plaque carrying the battle cry had been placed at the base of a statue honoring the Ming general Yuan Chonghuan (1584-1630), in his native city of Dongguan in Guangdong.

[Kent Ewing, Cantonese cultural warriors fight back, Asia Times, 4. August 2010]

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Montag, 26. Juli 2010
Die Arbeit ist getan
Ich dachte ich hätte jetzt furchtbar viel zu sagen. Stattdessen ein paar Bilder, die ich vor einiger Zeit mit der Kamera meines kleinen Spielzeugs geschossen habe.









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Samstag, 10. April 2010
Antonio Gramsci — Immer für eine Enttäuschung gut

Wie bereits berichtet war Gramsci bisher die größte Enttäuschung für mich. Wie oft habe ich beim Lesen aufgeblickt und mein imaginäres Gegenüber vorwurfsvoll gefragt, was denn das bitte anderes sein soll, als ein bürgerlich-radikales (nationales) Reformprogramm, der Diskurs eines verhinderten aufgeklärt-absolutistischen Staatsbeamten, und was denn das alles bitteschön mit Marxismus zu tun haben soll? Zu meiner Erleichterung durfte ich (spät aber doch) feststellen, dass ich damit nicht (ganz) allein bin. Die erste Arbeit über Gramsci im deutschsprachigen Raum war bereits eine sehr kritische, um nicht zu sagen: ein Abriss, und leider allem Anschein nach nahezu ohne Nachwirkung.

Die »Quaderni del carcere«, das posthum veröffentlichte Hauptwerk des italienischen Kommunisten Antonio Gramsci, galten noch bis Mitte der sechziger Jahre außerhalb Italiens als »Geheimtip« unter all denen, die an eine Richtung im Marxismus anknüpfen wollten, die sich sowohl vom Marxismus der Zweiten Internationale als auch vom Lehrgebäude des Diamat der Stalinzeit abheben sollte. Die »Quaderni del carcere« enthalten eine Fülle fragmentarischer Noten zur Philsophien, Politik, Geschichte und Literatur. Sie sind im Gefängnis unter dem Regime Mussolinis entstanden. Der Verfasser dieser hier vorliegenden Untersuchung war nach seiner anfänglichen Beschäftigung mit den Gefängnisschriften Gramscis geneigt, das noch heute innerhalb und außerhalb Italiens verbreitete Mißverständnis zu teilen, Gramsci als einen zwar »undogmatischen«, aber im Großen und Ganzen bedeutenden Theoretiker der marxistischen Schule anzusehen. Seine Kenntnis der »klassischen« Werke der marxistischen Theorie war zu jener Zeit ebenso unvollständig wie die Kenntnis der gesamten Schriften Gramscis und seiner wirklichen Rolle innerhalb der italienischen Arbeiterbewegung. Nach Italien übergesiedelt, kam der Verfasser im Verlaufe einer mehrjährigen Beschäftigung nicht allein mit Gramscis Gesamtwerk und seinen näheren Lebensumständen, sondern auch mit der Geschichte des modernen Italien und der italienischen Arbeiterbewegung vor ihrer Liquidierung durch den Faschismus sowie den von Gramsci kritisierten marxistischen Theoretikern der Zweiten und frühen Dritten Internationale zu Ergebnissen, die das traditionelle Gramsci-Bild sehr in Frage stellen. Begünstigt wurde dies durch eine Reihe von Umständen. Die Gramsci-Legende der italienischen kommunistischen Partei war bis vor wenigen Jahren mit einer mystifizierten Darstellung der Frühgeschichte dieser Partei selbst eng verbunden. Mit einer an den historischen Quellen orientierten kritischen Neudarstellung dieser Periode, die in den letzten Jahren von verschiedenen Seiten in Italien in Angriff genommen wurde, nahm die Figur Gramscis als Mitglied der Führungsgruppe der KPI zunehmends wirklichkeitsnähere Züge an. Als ebenso wichtig zum Verständnis des Gramscischen Denkens erwies sich die dem Verfasser gebotene Gelegenheit, eine umfangreiche Auswahl der Schriften Gramscis herauszugeben und ins Deutsche zu übertragen. Übersetzung und Herausgabe waren Anlaß zu erneuter kritischer Lektüre. Sie führte dazu, nicht allein von bestimmten, in der Gramsci-Literatur immer wieder zitierten isolierten Passagen her den Zugang zu seinem System zu finden, sondern aus dem Gesamtzusammenhang seiner Schriften, die von den jugendlichen journalistischen Arbeiten bis hin zu den Gefängnisschriften eine ungebrochene Kohärenz des theoretischen Ansatzes aufweisen. Ihn zu entschlüsseln, war nicht möglich anhand eines Vergleiches mit der Marxismusdiskussion, die die Arbeiterbewegung in ihren Kämpfen »begleitete«, sondern im Rückgriff auf die akademische bürgerliche Marxismusdiskussion im Italien der Jahrhundertwende. Als diese Wurzeln des Denkens Gramscis ausgemacht waren, war es weniger wichtig, die bisher noch unveröffentlichten Teile der Gefängnisschriften zu untersuchen, deren Veröffentlichtung in Kürze zu erwarten ist, als vielmehr die im Druck vorliegenden Schriften beim Wort zu nehmen und sie auf ihr Verhältnis zum Marxismus zu untersuchen, dem sie — ob unwissentlich oder wider besseres Wissen — jahrelang fälschlich zugeordnet wurden.

Christian Riechers, »Antonio Gramsci. Marxismus in Italien«
(Aus der Reihe „Arbeiterbewegung — Theorie und Geschichte”, Redaktion: Claudio Pozzoli)
Europäische Verlagsanstalt, Frankfurt am Main 1970

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Ich habe letztens über die „organischen Intellektuellen” der Arbeiterklasse nach Übernahme bzw. Gründung des Staates gemeint »… aber was genau diese Intellektuellen mit „ihrer” Klasse verbunden halten und verhindern soll, dass sie den Staats- und Parteiapparat (den sie ja vollständig kontrollieren) gegen „ihre” Klasse einsetzen, das erklärt er nicht.« Riechers macht (auf Seite 189) in diesem Zusammenhang auf die folgende Stelle aufmerksam (seine Übersetzung):

Die Krise kann »permanent« werden und eine katastrophenhafte Perspektive annehmen, denn sie ist nur durch Zwang zu definieren, durch einen Zwang neuen Typs, weil er von der Elite einer Klasse über die eigene Klasse ausgeübt wird. [Q 22, § 10 (V, 35)]

[La crisi può diventare «permanente», cioè a prospettiva catastrofica, poiché solo la coercizione potrà definirla, una coercizione di nuovo tipo, in quanto esecercitata dalla élite di una classe sulla propria classe, …]

Ich muss mich also korrigieren: Gramsci sieht ausdrücklich die Möglichkeit (und Notwendigkeit) vor, dass die „organischen Intellektuellen” einen allumfassenden Zwangsapparat errichten und gegen die „eigene” Klasse verwenden. Ich glaube es erübrigt sich jeder weitere Kommentar. Außer vielleicht, dass die Stelle im Kontext noch schlimmer ist. Der Eintrag trägt den Titel „‚Animalität’ und Industrialismus”. Gramsci diagnostiziert darin eine „Krise der Sitten”, bezeichnet den Widerstand der (industriellen) Arbeiterklasse gegen die neuen Produktionsmethoden als „animalisch” und wendet sich gegen die „aufklärerische und libertäre Mentalität in der Sphäre der geschlechtlichen Verhältnisse”, die den für die Durchsetzung dieser neuen Produktionsmethoden notwendigen Anpassungen des Sexuallebens des (industriellen) Proletariats entgegensteht: „gegen diese Vorstellung zu kämpfen bedeutet dann eben auch, die Eliten für die historische Aufgabe zu schaffen, oder sie zumindest zu entwickeln, denn ihre Funktion erstreckt sich auf alle Sphären der menschlichen Aktivität.” [Q 22, § 10 (V, 35)]

[»In ogni caso, ciò che si può opporre a questa funzione delle élites è la mentalità illuministica e libertaria nella sfera dei rapporti sessuali; lottare contro questa concezione significa poi appunto creare le élites necessarie al compito storico, o almeno svilupparle perché la loro funzione si estenda a tutte le sfere dell’attività umana.«]

Meine Damen und Herren: der vielgepriesene „schöpferische Marxismus” des Antonio Gramsci. Zum Abschied noch ein fast unübersetzbares Glanzstück:

Autocoscienza critica significa storicamente e politicamente creazione di una élite di intellettuali: una massa umana non si «distingue» e non diventa indipendente «per sé» senza organizzarsi (in senso lato) e non c’è organizazzione senza intellettuali, cioè senza organizzatori e dirigenti, cioè senza che l’aspetto teorico del nesso teoria–pratica si distingua concretamente in uno strato di persone «specializzate» nell’elaborazione concettuale e filosofica. [Q 11, § 12 (XVIII, 16 bis – 17)]

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Freitag, 9. April 2010
Geopolitikfreitag (2010, KW 14)

Zum Umsturz in Kirgistan hat sich der ORF-Korrespondent Georg Dox in der ZiB kein Blatt vor den Mund genommen. Die Vereinigten Staaten, Russland und China hätten Interessen in diesem Land; es sei die Frage, ob der Präsident noch zu halten sei; und da es nicht danach aussehe, müssten diese Länder sich jetzt wohl einen Nachfolger überlegen. [Transkript]

Der ehemalige indische Diplomat M K Bhadrakumar — dessen regelmäßige Artikel für die Asia Times eine der guten Gründe sind, diese Zeitung zu lesen — schreibt dazu:

It is highly unlikely that President Kurmanbek Bakiyev will retain his job. Aside from Washington, no major capital is demanding reconciliation between him and the Kyrgyz revolutionaries.

Evidently, there has been a massive breakdown in US diplomacy in Central Asia. Things were going rather well lately until this setback. For the first time it seemed Washington had succeeded in the Great Game by getting a grip on the Kyrgyz regime, though the achievement involved a cold-blooded jettisoning of all norms of democracy, human rights and rule of law that the US commonly champions. By all accounts, Washington just bought up the Bakiyev family lock stock and barrel, overlooking its controversial record of misuse of office.

According to various estimates, the Bakiyev family became a huge beneficiary of contracts dished out by the Pentagon ostensibly for providing supplies to the US air base in Manas near the Kyrgyz capital, Bishkek.

This is a practice that the US fine-tuned in Afghanistan, originally to patronize and bring on board important political personalities on the fractured Afghan chessboard. In Kyrgyzstan, the game plan was relatively simple, as there were not many people to be patronized. Some estimates put the figure that the Pentagon awarded last year to businesses owned by members of the Bakiyev family as US$80 million.

Just one look at the map of Central Asia shows why the US determined that $80 million annually was a small price to pay to establish its predominance in Kyrgyzstan. The country is one of the most valuable pieces of real estate in the geopolitics of the region.

[M K Bhadrakumar, US reaps bitter harvest from ‘Tulip’ revolution, Asia Times, 10. April 2010]

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Bleiben wir in der Region. Frankreich und Italien planen, eine gemeinsame Gebirgsjägereinheit aufzustellen. In der Meldung heißt es: »Die franko-italienische Brigade solle ‚ab 2013’ einsatzfähig sein und sich dann an Auslandseinsätzen beteiligen, ‚vor allem in Afghanistan’, teilte das französische Präsidialbüro heute mit.« [Frankreich und Italien: Gemeinsame Gebirgsjäger-Einheit] — es scheint also auf absehbare Zeit kein Ende des „Engagements” in Afghanistan geplant zu sein

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Die Verlängerung des russischen Breitspurnetzes nach Westen ist unter Dach und Fach. Die Strecke Uschhorod–Košice soll, wie die Railway Gazette berichtet, ab 2013 über Bratislava nach Wien verlängert werden. Die Eröffnung ist für 2016 geplant. [Wien broad gauge agreement signed, Railway Gazette, 8. April 2010]

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Das bin nicht ich. Das ist Bruno Kreisky. Ich für meinen Teil bin 27 Jahre alt und ein kurzsichtiger, leseschwacher, besserwisserischer, aufmerksamkeitsdefizitärer, ungeschickter, linkshändiger, unausdauernder, übergewichtiger, un-unaufgeregter, unkonzentrierter und unangenehmer Schwätzer ohne Führerschein (sowie ohne Ehrgeiz, Handy, Ziel im Leben, Job, eigene Wohnung, …), dafür mit unregelmäßigem Bartwuchs, schlechter Verdauung und dem Wunsch, dem Kapitalismus ein Ende zu bereiten (der Sonnenkönig hängt dort oben wegen seines Gesichtsausdrucks und weil er mein erster und bisher bester Kanzler war). Mein Lebensmotto ist ‹wenn schon, denn schon›, was angesichts meiner Defizite im menschlichen, zwischenmenschlichen und übermenschlichen Bereich niemanden wundert, der mich kennt. Ich tue was ich hier tue schon 2191 Tage. Das letzte Mal hat es hier am 17.08.2010 um 01:07 irgendetwas neues gegeben.
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Ich möchte mich an dieser Stelle ganz aufrichtig bei allen echten Science Fiction Autoren entschuldigen. Sie wissen schon wofür …