wenn ich groß bin, werde ich science fiction autor
Freitag, 17. September 2004
Foucault, schau owa!
Autos werden aufgebrochen, Geldbörsen entrissen und Bankomat-Codes erschlichen. Fahrräder werden sowieso täglich zu Hunderten geklaut. Trotzdem ist mein subjektives Sicherheitsgefühl in Amsterdam ziemlich hoch. Die jährlich veröffentlichte Untersuchung verrät aber, dass sich Frau Antje, die niederländische Cousine von Herrn und Frau Österreicher, vor allem vor Ladendiebstahl und gemeingefährlichen Jugendgangs fürchtet. Wie also das allgemeine Sicherheitsgefühl steigern? Eine Schule in der tiefen Provinz geht den scheinbar direkten Weg. Sie will aus jugendlichen Straftätern hoffnungsvolle Mitmenschen formen, teils mit ziemlich umstrittenen Methoden.

Die Glen Mills School ist eine Schule in einer ehemaligen Kaserne bei Zwolle am platten Land. Was sie so besonders und so umstritten macht, ist ihre Methode, ihre Schüler, vorher Jugendliche an der Kippe zur Kriminalität, mit militärisch wirkender Atmosphäre und systematisch eingesetztem Gruppenzwang "wieder auf den rechten Pfad zurückzuführen", wie es in der Beschreibung heißt.

Dreh- und Angelpunkt des System Glen Mills ist die starke Hierarchie innerhalb der Schülergruppe. Die Ideologie des nach US-amerikanischen Vorbild entwickelten Programms hält Druck durch Gleichaltrige für die effektivste Methode der Disziplinierung der sogenannten problematischen Jugendlichen. Einfacher ausgedrückt: die Hausregeln machen Gruppenzwang zum System.

[...]

Glen Mills arbeitet mit "Privilegien" für linientreues Verhalten und deren sofortigem Entzug bei Übertretung der straffen Regeln. Je besser ein Schüler sich an die gemeinschaftlichen Pflichten und Regeln hält, desto mehr Privilegien kann er erhalten und desto höher steigt er in der Hierarchie der Schule auf. Einsteiger sind Concerns und Aspiranten, die Ehrgeizigen steigen zum Bull auf, einige Schüler bringen es bis zum Rep und Exec.

[...]

Wer Mitschüler auf ihr Fehlverhalten anspricht, sie also konfrontiert, kann sich Privilegien verdienen. Sieben Stufen der Konfrontation können ausgeschöpft werden, die Spannweite der Maßnahmen reicht vom einfachen Rüffel über Einschüchterung bis hin zur physischen Gewalt. Letztere ist seit einer ernsthaften Verletzung eines Schülers durch die Gruppe dem Aufsichtspersonal vorbehalten.

Der fleißige FM4 Amsterdamkorrespondent Auslandszivildiener Flo berichtet (School for Winners?). Der weitere Kommentar schreibt sich von selbst: Ziel ist die Ausformung von uniformen autoritären Charakteren, die Schaffung von auf Konformität gegründeten Gruppen ... Inklusions- und Exklusionsmechanismen ... offener Übergang von institutioneller zu körperlicher Gewalt ... Brechung des Widerstands durch Unterbindung der Aufrechterhaltung von Beziehungen zum alten Umfeld ... Anreiz zur Konformität ... Panoptikon ... Miteinbindung in die Machtstrukturen durch Auslagerung der Bestrafungsmechanismen, angeregt durch Zugang zu Privilegien und Partizipation in den Entscheidungsstrukturen (Aufstieg in der Hierarchie) ...

Wir brauchen eine Petition! Diesmal soll das Unterrichtsministerium aufgefordert werden, Foucault in den Lehrplan zumindest der Oberstufe, idealerweise aber auch der Pflichtschulen, aufzunehmen und am besten auch gleich ein eigenes Schulbuch dafür in Auftrag zu geben.

Per Zufall erzählt Adam Kotsko gerade von seinen Erlebnissen als Supplierlehrer und wie sinnlos Schule ist (The key word in American education is "bullshit," as a verb (transitive and intransitive).) und schließt folgendermaßen:

Every time I walked into a school, then, I wanted to write on the board, "Michel Foucault, Discipline and Punish," then lecture on the topic -- because if you're going to have to be a substitute teacher anyway, you might as well take some risks. (I'm with Liars)

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Das bin nicht ich. Das ist Bruno Kreisky. Ich für meinen Teil bin 28 Jahre alt und ein kurzsichtiger, wenig- und langsamlesender, aufmerksamkeits- und noch vielgestalt andersgestörter, ungeschickter, linkshändiger, unausdauernder, übergewichtiger, un-unaufgeregter und unkonzentrierter stummer Schwätzer ohne Führerschein (sowie ohne Ehrgeiz, Ziel im Leben, eigene Wohnung, geregeltes oder sonstwie geartetes Geschlechtsleben, usw …), dafür mit unregelmäßigem Bartwuchs und Stoffwechsel sowie dem starken Wunsch, Drängen und Verlangen, der bürgerlichen Gesellschaft doch noch ein Ende zu bereiten (warum dennoch der Sonnenkönig dort oben hängt, darf jeder für sich selbst ausknobeln). In Ermangelung eines besseren ist mein Lebensmotto ‹wenn schon, denn schon›, was angesichts meiner Defizite im menschlichen, zwischenmenschlichen und übermenschlichen Bereich niemanden wundert, der mich kennt. Ich weiß nicht, was ich mit diesem Blog eigentlich will, aber ich schreibe es mit kleineren und größeren Unterbrechungen doch schon seit 2715 Tagen, und so lange es mich noch freut, wird weitergeschrieben. Das letzte Mal hat es hier am 11.12.2011 um 23:33 irgendetwas neues gegeben.
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