wenn ich groß bin, werde ich science fiction autor
Mittwoch, 29. September 2004
Über einen der Vier Adler (welche sind Alfred, Friedrich, Max, Victor)
Im Mai 1917, zwei Monate nach dem Umsturz in Rußland, trat ein vergleichsweise minimales Ereignis ein: ein Ausnahmegericht behandelte den Fall des Attentäters Friedrich Adler und fällte über ihn schließlich ein Todesurteil. Dieser zweitägige Prozeß hat auf Tausende, wenn nicht Zehntausende junger Menschen eine tiefe, dauernde Wirkung ausgeübt. Trotz der Zensur konnte der Zeitungsleser den Prozeß genau verfolgen. Gleich am ersten Tage entdeckten wir alle einen ungewöhnlichen Mann, die Inkarnation all dessen, was für uns beispielhaft sein mußte. Ja, man hatte das Gefühl, daß man selber mutiger und edler wurde, wenn man den ausführlichen Erklärungen zustimmte, die Friedrich Adler - mitten im Kriege! - ungehindert vor dem Gericht, das heißt: vor der Öffentlichkeit abgab. Wir lasen mit tiefer Rührung, wie sich der junge Gelehrte auf die Tat, die ihm wie jede Gewalttat fremd war, vorbereitet und damit alle seine persönlichen Hoffnungen aufgegeben hatte.

Ihm kam es, wie er sagte, nicht auf die Dauer, sondern auf den Inhalt seines Lebens an. Mehr als die marxistische Lehre und mehr als die meisten revolutionären Schriften hat dieser Satz die Entscheidungen, die ich in meiner Jugend treffen sollte, beeinflußt. Hochgemut oder niedergeschlagen, im Scheine von Erfolgen oder im Schatten der Enttäuschungen - immer, fast immer wollte ich wissen: wofür, wozu leben? Welcher Inhalt gibt dem Leben einen Wert, der nicht nur für mich, nicht nur für diesen oder jenen einzelnen gilt? Diese Fragestellung, zuerst unzulänglich formuliert, gewann für mich im März 1917 Bedeutung, als die Revolution in Rußland siegte, und im Mai 1917, als ein einzelner mit klarer, starker Stimme im Angesicht der Machthaber die Verworfenheit und die Sinnlosigkiet des Krieges anprangerte und gleichzeitig das Recht eines jeden auf Freiheit und Wahrheit proklamierte; und weil er sich für dieses Recht mit seinem Leben einsetzte.

Friedrich Adler wurde, wie man weiß, begnadigt, doch brauchte er auch die 18 Jahre schweren Kerkers nicht abzusitzen, denn er wurde, ohne darum ersucht zu haben, am 2. November 1918 von Kaiser Karl I., dem letzten Habsburger, amnestiert. Zwei Jahre vorher, am 21. Oktober 1916, hatte sich der Attentäter damit abgefunden, daß er sein 38. Jahr gewiß nicht mehr erleben würde. Er starb aber erst im Jahre 1960, ein einundachtzigjähriger Mann, der im hohen Alter nicht nur seinem Vater, sondern auch jenem Angeklagten vor dem Ausnahmegericht ähnlich sah, der einer ganzen Generation eine Botschaft gebracht hatte, von der jedes Wort klang, als wäre es genau der Ruf, auf den wir, ohne es zu ahnen, gewartet hatten.

Das letzte Mal sah ich ihn, einige Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg, in einem Wartesaal des Pariser Flugterminals. Er war wie ich gekommen, um Sophie Lazarsfeld, der aus Wien stammenden Individualpsychologin, das Geleit zu geben. Im Verlaufe der Stunde, die wir miteinander verbrachten, dachte ich immer wieder daran, ihm zu sagen, was er einmal für den früh erweckten Buben bedeutet hatte, und daß ich ihn damals während des Prozesses nicht nur grenzenlos bewundert, sondern auch geliebt hatte. Und wie stark all das in den Jahrzehnten, die seither verflossen waren, nachgewirkt hatte. Ich sagte ihm nichts von alledem. Wir drei unterhielten uns sehr gut, und diese Erinnerung hätte nicht im mindesten hineingepaßt. Überdies hätte ich erklären, ja rechtfertigen müssen, warum ich trotz alledem doch nicht seinen Weg eingeschlagen und nicht Sozialdemokrat geworden war.

Manès Sperber, All das Vergangene..., 204f

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Handbuch des politischen Kampfes, Kapitel 7
Diesmal beobachten wird Noam Chomsky in Mother Jones (The Resort to Force) bei der doppelten Verwendung des Wortes revolutionär. Merke: durch die Verwendung eines emotional hoch aufgeladenen positiv besetzten Wortes die Aufmerksamkeit des Publikums auf sich ziehen; es dann ein zweites Mal benutzen, diesmal um klar zu machen, dass die angemessene Verwendung desselben hier nur negativ erfolgen kann; wahlweise auch umgekehrt. [An dieser Stelle möchte und sollte ich mich für all die schlimmen Sachen entschuldigen, die ich, unter dem Einfluss der letzten Überbleibsel der Doktrin des vital center und ohne eine Ahnung zu haben wovon ich rede, über ihn gesagt habe.]

The 2002 National Security Strategy, and its implementation in Iraq, are widely regarded as a watershed in international affairs. "The new approach is revolutionary," Henry Kissinger wrote, approving of the doctrine but with tactical reservations and a crucial qualification: it cannot be "a universal principle available to every nation." The right of aggression is to be reserved for the US and perhaps its chosen clients. We must reject the most elementary of moral truisms, the principle of universality -- a stand usually concealed in professions of virtuous intent and tortured legalisms.

Arthur Schlesinger agreed that the doctrine and implementation were "revolutionary," but from a quite different standpoint. As the first bombs fell on Baghdad, he recalled FDR's words following the bombing of Pearl Harbor, "a date which will live in infamy." Now it is Americans who live in infamy, he wrote, as their government adopts the policies of imperial Japan. He added that George Bush had converted a "global wave of sympathy" for the US into a "global wave of hatred of American arrogance and militarism."

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Das bin nicht ich. Das ist Bruno Kreisky. Ich für meinen Teil bin 28 Jahre alt und ein kurzsichtiger, wenig- und langsamlesender, aufmerksamkeits- und noch vielgestalt andersgestörter, ungeschickter, linkshändiger, unausdauernder, übergewichtiger, un-unaufgeregter und unkonzentrierter stummer Schwätzer ohne Führerschein (sowie ohne Ehrgeiz, Ziel im Leben, eigene Wohnung, geregeltes oder sonstwie geartetes Geschlechtsleben, usw …), dafür mit unregelmäßigem Bartwuchs und Stoffwechsel sowie dem starken Wunsch, Drängen und Verlangen, der bürgerlichen Gesellschaft doch noch ein Ende zu bereiten (warum dennoch der Sonnenkönig dort oben hängt, darf jeder für sich selbst ausknobeln). In Ermangelung eines besseren ist mein Lebensmotto ‹wenn schon, denn schon›, was angesichts meiner Defizite im menschlichen, zwischenmenschlichen und übermenschlichen Bereich niemanden wundert, der mich kennt. Ich weiß nicht, was ich mit diesem Blog eigentlich will, aber ich schreibe es mit kleineren und größeren Unterbrechungen doch schon seit 2715 Tagen, und so lange es mich noch freut, wird weitergeschrieben. Das letzte Mal hat es hier am 11.12.2011 um 23:33 irgendetwas neues gegeben.
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Ich möchte mich an dieser Stelle ganz aufrichtig bei allen echten Science Fiction Autoren entschuldigen. Sie wissen schon wofür …
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