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Freitag, 1. Oktober 2004
Zum Beginn des neuen Semesters
02:51h — ‹philosophie›
from a professor - an expert on 17th and 18th c. French philosophy no less - per my proposed use of Negri, Balibar, and Deleuze for a paper on Spinoza: "Your bibliography is a good beginning, although Deleuze should be used with caution." - à Gauche, Advice
Das könnte einigen bekannt vorkommen, oder? Obwohl das hier das blog eines Philosophiestudenten ist, kommt mein Fachbereich selbst kaum vor. Das liegt daran, dass ich im Prinzip eigentlich wenig Interesse daran habe und mich nicht dazu bringen kann, mich ernsthaft damit auseinanderzusetzen. Im Gegensatz zum Kollegen M (Falls jemand sich fragt) habe ich alles in allem (d.h. auch über das letzte Lesejahr hinaus) keine zehn Bücher gelesen, die meisten davon nicht einmal von vorne bis hinten geschweigedenn gewissenhaft. In diesem Sommer habe ich es überhaupt nur geschafft, allerhöchstens kombinierte dreihundert Seiten Buch zu lesen. Dafür hat sich meine Leseliste an blogs und anderem kontinuierlich ausgedehnt und ich verbringe somit den Großteil des Tages im Internet. Etwas muss sich also ändern. Das dachte ich mir allerdings auch schon vor mehr als zwei Monaten und nächste Woche geht das Semester wieder los und ich habe noch nicht einmal die fünfseitige Arbeit über Descartes' Meditationes geschrieben, nicht für die Prüfung beim Klein gelernt, und die Arbeit für den Böhm werde ich wahrscheinlich gar nicht mehr schreiben - was bedeutet, dass ich mich im Sommersemster 2004 jeden Freitag in der Früh vergebens aus dem Bett gequält habe. Allein das - dass ich bereit bin, es einfach sein zu lassen und auf zwei Semesterwochenstunden zu verzichten - würde schon ausreichen um zu zeigen, dass es mir nicht besonders ernst ist mit meinem Studium und ich lieber die Nachrichten und noises aus dem Internet konsumiere als mit Akademischem zu beschäftigen. Aber es gibt einen Hoffnungsschimmer: all die Dinge, die ich in den Ferien den ganzen Tag gemacht habe, habe ich gemacht, um mich davon abzulenken, dass ich nicht weiß, wie ich meine Zeit sinnvoll verbringen soll; jetzt studiere ich halt wieder und halte das für genauso sinnlos wie alles andere. Die Wahrheit ist, dass ich im Leben nichts werden und nichts machen möchte - gar nichts. Das hoffnungsvolle daran ist, dass ich das Studieren mit genau derselben teilnahmslosen Routine erledigen werde wie die Ferien. Ich werde wieder regelmäßig duschen, mir die Nägel schneiden, vor Sonnenaufgang einschlafen, immer wissen welchen Tag wir haben, auch die Uhrzeit auf die viertel Stunde genau wissen; ebenso werde ich immer wissen, was ich gerade gemacht habe und was als nächstes ansteht. Ich habe wieder bessere Ausreden, falls ich am Wochenende nicht fortgehen will und ich verbringe jeden Tag zwei Stunden in öffentlichen Verkehrsmitteln und habe genau diese zwei Stunden zum Lesen. Ich weiß ich werde Ende Jänner das Semester und nach zweieinhalb Jahren den ersten Abschnitt beenden und plane, den zweiten in der gleichen Zeit zu schaffen. Irgendwann nach dieser Zeit werde ich meine Diplomarbeit schreiben, für die ich mich noch Jahrzehnte schämen werde. Dann bewerbe ich mich bei der EU bewerben und werde in irgendeiner EU-Institution Beamter. Mein schneller Aufstieg dort wird frühzeitig beendet werden und ich verbringe den Rest meines Arbeitslebens in einer Position mit wenig Veranwortung und geregelter 40, vielleicht 45 oder 48 Stundenwoche. Den Zeitpunkt meiner Pensionierung werde ich so lange es geht hinauszuzögern versuchen. Als es dann doch so weit ist, muss ich mich entscheiden, ob ich in Brüssel bleibe oder nach Hause komme. Weil ich es ohne etwas zu tun dort nicht mehr aushalte und mich außerdem um meine Eltern kümmern muss, komme ich zurück. Ich verbringe meine Tage so wie ich sie mein ganzes Leben verbracht habe, wenn ich nichts anderes zu tun hatte: im Internet. Vielleicht schaffe ich es tatsächlich noch, mehr als zehn Bücher zu lesen, oder gar eines zu schreiben. Tatsache ist, dass meine Eltern irgendwann sterben und meine letzten Pflichten auf Erden erfüllt sein werden; meine Brüder werden verheiratet sein (oder nicht mehr, oder schon wieder, wer weiß) und vielleicht Kinder haben, aber das schaffen sie auch alleine und überhaupt ist es besser, wenn sie mich von ihnen fern halten. Wenn also meine Pflichten erloschen sind, werde ich meinem Leben ein Ende bereiten. Ich werde mir eine Flasche Helium kaufen, eine Atemmaske daran schrauben, mir diese aufsetzen und die Flasche aufdrehen. Es wird keine Erstickungsreaktion geben und durch den langsam abnehmenden Sauerstoffgehalt meiner Atemluft werde ich langsam einschlafen. Kurz bevor ich endgültig das Bewusstsein verliere, werde ich es mir anders überlegen, die Maske abnehmen und tief Luft holen, die Flasche wieder zudrehen und nachdenken. Dann schreibe ich einen Abschiedsbrief und bringe mich endlich um.... link (2 comments) ... comment ... older stories
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![]() Das bin nicht ich. Das ist Bruno Kreisky. Ich für meinen Teil bin 27 Jahre alt und ein kurzsichtiger, leseschwacher, besserwisserischer, aufmerksamkeitsdefizitärer, ungeschickter, linkshändiger, unausdauernder, übergewichtiger, un-unaufgeregter, unkonzentrierter und unangenehmer Schwätzer ohne Führerschein (sowie ohne Ehrgeiz, Handy, Ziel im Leben, Job, eigene Wohnung, …), dafür mit unregelmäßigem Bartwuchs, schlechter Verdauung und dem Wunsch, dem Kapitalismus ein Ende zu bereiten (der Sonnenkönig hängt dort oben wegen seines Gesichtsausdrucks und weil er mein erster und bisher bester Kanzler war). Mein Lebensmotto ist ‹wenn schon, denn schon›, was angesichts meiner Defizite im menschlichen, zwischenmenschlichen und übermenschlichen Bereich niemanden wundert, der mich kennt. Ich tue was ich hier tue schon 2196 Tage. Das letzte Mal hat es hier am 17.08.2010 um 01:07 irgendetwas neues gegeben. status
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