wenn ich groß bin, werde ich science fiction autor
Montag, 11. Oktober 2004
Ablenkungsmanöver
Ich sollte eigentlich tausend andere Dinge tun - eigentlich nur zwei, oder drei, höchstens aber fünf - und stattdessen sehe ich mir MegaTokyo von vorne bis hinten an. Zu Beginn der Ferien bin ich innerhalb einer Woche genau bis Nummer 60 gekommen, dann nicht weiter. Jetzt, nachdem es mit meiner freien Zeit endgültig vorbei ist und alle Versäumnisse kommen um mich aufzufressen, kann ich erst recht nichts anderes tun. Jedenfalls geht es heute um den Strip vom 17.01.2001, Nummer 68. Kimiko erzählt, was im letzten Strip passiert ist, dass sie ihre Bahnkarte und Geld vergessen hatte und Piro (den sie zu diesem Zeitpunkt noch nicht kennt) ihr seine gerade mit seinem letzten Geld gekaufte Karte zusteckt. Im letzten Panel erfahren wir, dass sie bei einem Casting ist und der Regisseur glaubt, sie habe ihm etwas vorgespielt und sagt, er wird sie anrufen.

Der Zusammenhang mit irgendetwas anderem ist folgender: Unser BE-Lehrer hat uns einmal einen Kurzfilm gezeigt in dem eine Frau vor der Kamera (wissentlich, im Gegensatz zu Kimiko) ihre Handtasche ausleert und erklärt, welche Bedeutung die Gegenstände darin für sie haben. Sie erzählt, nichts besonderes, der Regisseur ist nicht übermäßig begeistert, sie geht wieder. Die Tasche lässt sie da, er bemerkt das, es stellt sich heraus, dass das gar nicht ihre Tasche war, er läuft ihr hinterher. Aus. Ich habe versucht, mich zu erinnern, wie der Film geheißen hat und alles; ich weiß nur noch, dass es ein französischer Film war. Von Mathieu Kassovitz war er nicht, dafür ein anderer, den wir uns in der selben Stunde angeschaut haben, nämlich Fierrot le pou; dann war da noch einer, über einen Banküberfall. Möglicherweise war das irgendwann rund um den 17.01.2001. Eigentlich habe ich recht gute Erinnerungen an die letzten zwei Jahre auf dem Gymnasium, aber in diesem Fall kann ich mich nicht genau erinnern. Ich habe nach dem Schulball 1999 angefangen, alles aufzuschreiben, relativ unregelmäßig und immer nur in Bezug auf ein bestimmtes Thema - jenes, das den Anstoß für den ersten Eintrag gegeben hat. Im Laufe der Zeit ging es langsam aber sicher um etwas mehr, während des Zivildienstes kam zuerst eine sehr große Pause, dann (nachdem mir mein Vater ein altes Notebook aus der Firma besorgt hatte) schrieb ich jeden Tag über alles, mindestens eine halbe Stunde lang - öfters sogar mehr als eine Stunde lang - vor dem Einschlafen. Und das, obwohl kaum etwas passierte, die Tage einander glichen, ich meine tägliche Routine irgendwann mit ausreichender Genauigkeit beschrieben hatte. Zurück zu Hause wurde alles wieder etwas langsamer, aber ich schaffte es doch noch alle paar Tage, höchstens alle zwei Wochen. Mit den Ferien (den ersten wirklichen Ferien in drei Jahren) hörte wieder alles auf. Zwischendurch habe ich einmal kurz etwas aufgeschrieben, aber der offizielle Aufzeichnungszug stoppt in der ersten oder zweiten Ferienwoche, vor drei Monaten also. Es ist nicht so, als ob meine Ferien aufregend gewesen wären, aber ich bin vergesslich genug, um die Details irgendwo niedergeschrieben zu brauchen. Die Zeitpunkte sind besonders wichtig, alle anderen Dinge kommen dann schon wieder, wenn ich anhand der Daten und der Reihenfolge der Ereignisse alle weitere rekonstruieren kann.

Am Besten ich führe in Zukunft zwei Tagebücher. Eines für die genaue Aufzeichnung der Ereignisse, der Primärdaten, ein Logbuch also; ein zweites für die Verknüpfung mit früheren Situationen, die Auswertung meiner gegenwärtigen Position und die Aussichten auf die Zukunft. Dort würde ich dann auch weiterhin den letzten Satz ohne schließendes Satzzeichen lassen

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Das bin nicht ich. Das ist Bruno Kreisky. Ich für meinen Teil bin 28 Jahre alt und ein kurzsichtiger, wenig- und langsamlesender, aufmerksamkeits- und noch vielgestalt andersgestörter, ungeschickter, linkshändiger, unausdauernder, übergewichtiger, un-unaufgeregter und unkonzentrierter stummer Schwätzer ohne Führerschein (sowie ohne Ehrgeiz, Ziel im Leben, eigene Wohnung, geregeltes oder sonstwie geartetes Geschlechtsleben, usw …), dafür mit unregelmäßigem Bartwuchs und Stoffwechsel sowie dem starken Wunsch, Drängen und Verlangen, der bürgerlichen Gesellschaft doch noch ein Ende zu bereiten (warum dennoch der Sonnenkönig dort oben hängt, darf jeder für sich selbst ausknobeln). In Ermangelung eines besseren ist mein Lebensmotto ‹wenn schon, denn schon›, was angesichts meiner Defizite im menschlichen, zwischenmenschlichen und übermenschlichen Bereich niemanden wundert, der mich kennt. Ich weiß nicht, was ich mit diesem Blog eigentlich will, aber ich schreibe es mit kleineren und größeren Unterbrechungen doch schon seit 2715 Tagen, und so lange es mich noch freut, wird weitergeschrieben. Das letzte Mal hat es hier am 11.12.2011 um 23:33 irgendetwas neues gegeben.
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Ich möchte mich an dieser Stelle ganz aufrichtig bei allen echten Science Fiction Autoren entschuldigen. Sie wissen schon wofür …
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