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Sonntag, 31. Oktober 2004
Orwell, Kafka, Murmeln
02:59h — ‹zimtladenschaufensternasenquetschgeschichten›
Ich hätte mir heute eigentlich im Filmmuseum den Film Klassenverhältnisse, Jean-Marie Straub und Danièle Huillets Verfilmung von Franz Kafkas Romanfragment Amerika (auch bekannt als Der Verschollene), ansehen wollen. Ich hätte aber alleine gehen müssen und sollte ohnehin endlich eine Arbeit fertig schreiben, also ließ ich es bleiben. An der Arbeit habe ich kein Wort weiter geschrieben, zu meinem Kafka bin ich heute aber trotzdem gekommen. In meiner durch das nicht-Schreiben der Arbeit gewonnen Zeit entschloss ich mich aus heiterem Himmel, der University Without Condition endlich einen Besuch abzustatten. Momentan wird dort gerade der Aufsatz The Perverse Perseverance of Sovereignty von Anthony Burke aus der zweiten Ausgabe des "borderlands e-journal" gelesen:This essay thus sets out two critical tasks. First, is a critique of the image of sovereignty's passage presented by both Scholte and Hardt and Negri. It argues that, whatever the loss of economic autonomy experienced under globalisation, sovereignty is not passing away: it forms, instead, a complex and malign articulation of law, power, possibility and force that thwarts a totalising image of decline and irrelevance. Secondly, it is also a critique of the essentialist image of sovereignty at work in The Economist and in writers such as Scholte (1999: 19-20), which closes off an understanding of the ways sovereignty is performed, imagined and conjured via a founding and illegitimate violence. By focusing on an obvious loss of national economic authority the "paradoxical" constitution of sovereignty is assumed, closing out a deeper understanding of the discursive process by which sovereignty - and its exclusionary and subjectifying violence - was brought into being. (Connolly 1995: 137-9; Burke 2002: 1-27) Der vorige Text der bedingungslosen Universität war Franz Kafkas In der Strafkolonie; ein Schelm wer da an Agamben denkt:"Unser Urteil klingt nicht streng. Dem Verurteilten wird das Gebot, das er übertreten hat, mit der Egge auf den Leib geschrieben. Diesem Verurteilten zum Beispiel" – der Offizier zeigte auf den Mann – "wird auf den Leib geschrieben werden: Ehre deinen Vorgesetzten!" Auf der Suche nach Texten stieß ich nicht nur auf die bereits oben verlinkte Seite The Kafka Project, sondern auch auf das blog pan kisses kafka (wwkd?) einer Frau Rebecca Schuman, die von sich selbst sagt, ihre Interessen bestünden in Hunger artistry, penal colonies, trials, castles, metamorphoses, burrowing, stoking things, writing letters to my father, vegetarianism, nudism, late-stage Zionist learnings, hot Brods, wine, giving friends death wishes I know they'll obey.Ich dachte ja eigentlich, ein blog crush würde mir nie passieren, aber schon als phersu ihr/sein (ich glaube es ist ein er) blog "phersupilami" zu nennen begann, war ich mir da nicht mehr so sicher. Und als ich dann die ersten Punkte ihrer Vorsätze für das Jahr 2004 gelesen hatte, wusste ich es: Sie ist eine blasse Schwarzhaarige. Falls ich das noch nicht öffentlich gemacht habe: aus irgendeinem mir unerfindlichen Grund werden mir bei denen die Knie weich - zum Beispiel bei der einen, die ich bei der Spinoza Prüfung kennen gelernt habe und die dann, falls ich das richtig gelesen habe, als ihren Familiennamen Diamant angegeben hat, bevor sie sich korrigierte und etwas anderes hinschrieb (Dora Diamant war Kafkas letzte Gefährtin - vielleicht auch Liebschaft, jedenfalls waren sie zusammen und sie war bei ihm, als er im Sanatorium Dr. Hoffmann in Klosterneuburg-Kierling verstarb - letztens hat eine wahrscheinlich nicht mit ihr verwandte Kathi Diamant darüber ein Buch geschrieben - Max Gross, Writer Discovers Romance in Kafka's Happiest Chapter, The Forward). So viel zu Kafka. Übrigens: ich bin ungefähr so groß wie er. Laut John Banville in The Nation (The Human Stain) war er gute 1,80m, dafür recht dünn. Aber sein Vater, der, an den er den Brief geschrieben hat, war ein recht feister Typ, der Sohn eines Fleischhauers; seine Mutter die Tochter eines Textilhändlers und Bierbrauers. Aber jetzt zu Orwell: Über Brad DeLong ("I'll stop calling this crew "Orwellian" when they stop using 1984 as an operations manual."), der das von Kos hat, kommt folgendes aus den New York Daily News:"We want people to think 'terrorism' for the last four days," said a Bush-Cheney campaign official. "And anything that raises the issue in people's minds is good for us." A senior GOP strategist added, "anything that makes people nervous about their personal safety helps Bush."He called it "a little gift," saying it helps the President but doesn't guarantee his reelection. Es ist auf eine Art schön zu sehen, dass die Bush Administration in der Einschätzung ihrer eigenen Möglichkeit bei "allmächtig" angekommen zu sein scheint und zumindest manchmal die Dinge beim Namen nennt. Sharons Leute sind ihnen da wieder einmal ein paar Schritte voraus, zum Beispiel wenn Dov Weissglas Haaretz ganz offen sagt, dass der Rückzug aus dem Gazastreifen dazu dient, die Siedlungen im Westjordanland abzusichern und einen Frieden mit den Palästinensern zu verhindern - Henry Siegman, Spelling out Sharon's real plan, IHT.Abschließend möchte ich nur eine merkwürdige Mischung aus Impotenz-, Allmachts- und Rachephantasien sprechen lassen. James Wolcott hat das hier gefunden: If Kerry does win, the mainstream media will have gotten him elected with their biased coverage and they will pay for it more than they could imagine. And it will be the blogosphere and you, our own supporters, who will make them pay. Our strength will grow incrementally with a Kerry victory in terms of influence and even economic power. And both will be at the expense of the mainstream media. Yes, we too have 'plans.' ... link (4 comments) ... comment ... older stories
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![]() Das bin nicht ich. Das ist Bruno Kreisky. Ich für meinen Teil bin 28 Jahre alt und ein kurzsichtiger, wenig- und langsamlesender, aufmerksamkeits- und noch vielgestalt andersgestörter, ungeschickter, linkshändiger, unausdauernder, übergewichtiger, un-unaufgeregter und unkonzentrierter stummer Schwätzer ohne Führerschein (sowie ohne Ehrgeiz, Ziel im Leben, eigene Wohnung, geregeltes oder sonstwie geartetes Geschlechtsleben, usw …), dafür mit unregelmäßigem Bartwuchs und Stoffwechsel sowie dem starken Wunsch, Drängen und Verlangen, der bürgerlichen Gesellschaft doch noch ein Ende zu bereiten (warum dennoch der Sonnenkönig dort oben hängt, darf jeder für sich selbst ausknobeln). In Ermangelung eines besseren ist mein Lebensmotto ‹wenn schon, denn schon›, was angesichts meiner Defizite im menschlichen, zwischenmenschlichen und übermenschlichen Bereich niemanden wundert, der mich kennt. Ich weiß nicht, was ich mit diesem Blog eigentlich will, aber ich schreibe es mit kleineren und größeren Unterbrechungen doch schon seit 2711 Tagen, und so lange es mich noch freut, wird weitergeschrieben. Das letzte Mal hat es hier am 11.12.2011 um 23:33 irgendetwas neues gegeben. status
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