wenn ich groß bin, werde ich science fiction autor
Mittwoch, 3. November 2004
Die Geschichte einer Partei
Es war einmal eine Partei; diese Partei stützte sich auf eine Klasse von Sklavenhaltern im Süden eines Landes, das bald im Bürgerkrieg versinken sollte. Der Präsident des Landes, von der anderen Partei, gewann diesen Bürgerkrieg und versprach, den Süden wiederaufzubauen. Daraus wurde nichts und der Süden blieb der Ort des Ressentiments und des Rassismus; unsere Partei hatte nach wie vor die Macht dort. Im Norden allerdings entwickelte sie sich anders. Und irgendwann stieg aus den Reihen der kosmopolitischen Aristokratie des Nordens ein Politiker auf, der Präsident im Lande wurde. Er regierte länger als alle anderen Präsident jemals in diesem Lande regiert hatten und jemals regieren würden (denn nach seinem Tod begrenzte man die Amtszeiten formal auf zwei Perioden - davor war das nur eine Tradition gewesen, die man unter Gentlemen auch eingehalten hatte). Dieser Präsident war ein außergewöhnlicher Politiker und es waren auch außergewöhnliche Zeiten; und so wie der Präsident Gutes für das Land tat, konnte das Land Gutes für die Welt tun. Ungewöhnlich war auch, dass der Präsident ein Sozialist war, denn in diesem sehr aristokratischen Land ziemte es sich für einen Gentleman nicht, solche Ansichten zu pflegen. Aber dieser Gentleman war anders, auch schon ein Verwandter von ihm, der den selben Namen trug wie er, war schon ein ungewöhnlicher Präsident gewesen, allerdings für die andere Partei, die ihn dafür auch angemessen bestraft hatte: Das Resultat dieser Rache war, dass der Kandidat unserer Partei gewonnen hatte, ein in den Wolken schwebender Idealist und Professor der Wissenschaft des Politischen. Zurück aber zu dem außergewöhnlichen Sozialisten: Er führte einen großen und wichtigen Krieg, starb aber vor dessen Beendigung; sein Nachfolger brachte eine furchtbare und seit Menschengedenken noch nie dagewesene Waffe zum Einsatz - zwei mal sogar; sonst aber ging alles sehr gut. Man richtete große Institutionen ein, besetzt mit den besten Köpfen unserer Partei. Die Frau unseres außergewöhnlichen Sozialisten hatte sich sehr für die Rechte des Menschen engagiert und diesem Engagement war es mit zu verdanken, dass eine weitere große Institution aus der Taufe gehoben wurde. Aber es gab auch eine andere Seite, ein anderes Land mit anderen Politikern und anderen Vorstellungen von der Welt. Mit diesem Land sollte es für das nächste halbe Jahrhundert große Konflikte geben, unter denen vor allem Menschen in wieder anderen Ländern zu leiden haben sollten. Das alles ist aber nur als Hintergrund wichtig für die weitere Entwicklung unserer Partei. In der Partei glaubte man, am Ziel zu sein, die Mitglieder der anderen Partei arbeiteten entweder tatkräftig und nach bestem Wissen und Gewissen mit oder waren zu vernächlässigende Ideologen. Die Ideologie aber hielt auch Einzug in unserer Partei; man stilisierte den Konflikt mit dem anderen Land zu einem Großen Krieg hoch, zu so einem wie es der gerade zu Ende gegangene tatsächlich gewesen war. Man denunzierte die Politiker des anderen Landes, manchmal auch die Menschen des anderen Landes selbst, man meinte, sie hätten sich diese Politiker schon verdient; von den Politikern wiederum sagte man, die repräsentierten das Böse, das Unmoralische. Und alle gemeinsam machten sich die Aristokratie und die Schreiber des Landes daran, alle Menschen, die einige oder alle Ideen der Politiker des anderen Landes teilten, zu verstoßen. Die andere Partei tat sich dabei besonders hervor, wie sie es auch schon vor einem drittel Jahrhundert getan hatte, doch auch unsere Partei spielte mit und nahm immer mehr eine Ideologie an, die sie die des lebendigen Zentrums nannte; diese Ideologie kam von einem Theologen und besagte, dass die Herrschaft der Aristokratie gerecht sei und dass alles bekämpft werden solle, was diese Herrschaft gefährden könne; und sie besagte, dass es für einen Gentleman nicht schicklich sei, auch nur in den Verdacht zu kommen, Ideen zu haben, die denen der Politiker des anderen Landes ähnelten. Diese Ideologie besagte weiters, dass das Land alles in seiner Macht stehende tun solle, die Ausbreitung der Macht und der Ideen der Poltiker des anderen Landes zu unterbinden und möglichst auch rückgängig zu machen. Das führte zu großen Schwierigkeiten und viele Menschen starben. Es gab Proteste und man gab den Politikern unserer Partei die Schuld an allem. Die andere Partei nützte ihre Chance; obwohl sie genau das gleiche tat wie unsere Partei, beschwerte man sich über sie nicht, denn sie verstand es besser, mit dem Glauben, der Wut und den Hoffnungen der Menschen des Landes zu spielen. Die Politiker dieser Partei ließen sich als große Menschen des Landes feiern, obwohl sie doch eigentlich Gentlemen waren. Dazu, Mensch des Landes zu sein, gehörte ihnen zu Folge, an große Ideen von Gott, Freiheit, Vaterland zu glauben und alles andere zu hassen. Das alles kam gut an und unsere Partei zog daraus den Schluss, dass sie das gleiche tun sollte, um wieder erfolgreich zu werden, damit einer von ihr Präsident werden könnte. Tatsächlich war es nach dem Ende der Schwierigkeiten mit dem anderen Land wieder so weit; die Menschen des Landes hatten vorerst genug von großen Ideen und Großen Kriegen und wollten stattdessen ein gutes Leben führen. Das kam unserer Partei entgegen und da die Gentlemen noch verwirrt und ohne neue große Ideen für die Menschen des Landes waren, kam es, dass einer aus unserer Partei Präsident wurde - sogar für zwei Perioden. Er hatte allerdings nicht die Ideen des außergewöhnlichen Sozialisten - denn waren inzwischen schon längst aus der Partei getilgt worden - und so tat er zwar auch Gutes für die Menschen des Landes und es tat auch das Land Gutes für die Welt, aber es war nicht mehr dasselbe wie früher. Viele Leute litten sehr (noch immer, um genau zu sein) und wollten wissen, ob es nicht endlich etwas besseres gäbe, ob nicht auch sie eine frohe Zukunft haben könnten, besonders jetzt nach dem Ende des Großen Krieges. Aber es war in dem Land niemand da, um ihnen das zu beantworten; auch die Menschen der Welt wollten Antworten, bekamen aber von den Politikern des Landes nur die alten Antworten, die sie schon kannten. Das hat sie sehr enttäuscht und sie haben sich abgewendet. Auch in dem Land haben viele die Hoffnung verloren und so konnte der Präsident sein Amt nicht an einen weiteren Politiker unserer Partei weitergeben. Der neue Präsident aber, diesmal von der anderen Partei, machte alles nur noch schlimmer. Die Menschen des Landes und der Welt mussten leiden, viele starben. Aber unsere Partei hatte nichts gelernt und brachte abermals die selben Politiker mit den selben Ideen hervor - auch wenn diese Politiker zweifellos gute Gentlemen und auch gute Menschen waren. Die Aristokratie hatte wieder große Ideen und durch die Geschicktheit der anderen Partei und die Ungeschicktheit unserer Partei glaubten die Menschen des Landes wieder an große Ideen und den großen Krieg. Es gelang unserer Partei nicht, den Präsidenten nach der ersten Amtszeit abzulösen. Ob die Partei diesmal etwas lernen wird und wieviele Menschen deswegen leiden müssen oder sterben, ist noch nicht sicher. Die Politiker der anderen Partei fühlen sich in ihren Ideen bestärkt und haben weniger denn je die Bereitschaft, sie abzuschwächen und auf die anderen zu hören. Und wahrscheinlich arbeiten sie daran, sicherzustellen, dass außer ihren eigenen nie wieder andere Politiker etwas zu sagen haben werden. Die Partei müsste etwas dagegen tun, aber viele fragen sich, ob sie dazu in der Lage ist.

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Das bin nicht ich. Das ist Bruno Kreisky. Ich für meinen Teil bin 28 Jahre alt und ein kurzsichtiger, wenig- und langsamlesender, aufmerksamkeits- und noch vielgestalt andersgestörter, ungeschickter, linkshändiger, unausdauernder, übergewichtiger, un-unaufgeregter und unkonzentrierter stummer Schwätzer ohne Führerschein (sowie ohne Ehrgeiz, Ziel im Leben, eigene Wohnung, geregeltes oder sonstwie geartetes Geschlechtsleben, usw …), dafür mit unregelmäßigem Bartwuchs und Stoffwechsel sowie dem starken Wunsch, Drängen und Verlangen, der bürgerlichen Gesellschaft doch noch ein Ende zu bereiten (warum dennoch der Sonnenkönig dort oben hängt, darf jeder für sich selbst ausknobeln). In Ermangelung eines besseren ist mein Lebensmotto ‹wenn schon, denn schon›, was angesichts meiner Defizite im menschlichen, zwischenmenschlichen und übermenschlichen Bereich niemanden wundert, der mich kennt. Ich weiß nicht, was ich mit diesem Blog eigentlich will, aber ich schreibe es mit kleineren und größeren Unterbrechungen doch schon seit 2715 Tagen, und so lange es mich noch freut, wird weitergeschrieben. Das letzte Mal hat es hier am 11.12.2011 um 23:33 irgendetwas neues gegeben.
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