wenn ich groß bin, werde ich science fiction autor
Donnerstag, 6. Jänner 2005
Re-reading the New Year's Re-solutions: An Exercise in 'Sobriety'
Zu Neujahr haben sich (bevor zu viele Leute zu betrunken und zu viele Leute zu nüchtern waren und die Party damit so gut wie zu Ende) eine Freundin, die ich schon lange nicht mehr gesehen hatte, und ich über unsere jeweiligen Studien unterhalten und damit sie nicht allein mit den Klagen über ihr Studium dastand, fing ich an zu erzählen, was mir bei dem meinigen nicht passt. Zum Glück haben wir uns dann noch über nettere Dinge unterhalten. Als ich dann verfrüht auf dem Weg nach Hause war, dachte ich noch einmal über alles nach und kam zu dem Schluss, dass ich eben schlicht und ergreifend endlich anfangen musste, die Sache selbst in die Hand zu nehmen und mir zu überlegen, was mich interessierte, und das zu bis zum bitteren Ende zu verfolgen. Normalerweise komme ich an dieser Stelle immer zu der (eigentlich richtigen) Schlussfolgerung, dass mich nichts wirklich interessiert, aber diesmal kam ich doch so weit, zu beschließen, mich ab jetzt ernsthaft für Politische Philosophie zu interessieren; und ein wenig Interesse hatte ich ja dafür, aber eben auch für alles andere auf der Welt; und sobald ich (so wie auch bei meiner viel zu großen sowohl online-, als auch offline-Leseliste) mich dazu bringen konnte, loszulassen, wurde die Sache plötzlich besser. Wie die Sache jetzt konkret weiter geht, weiß ich noch nicht, denn - so viel ist mir bis jetzt immerhin klar geworden - wenn man sich ernsthaft für Politische Philosophie interessiert, sitzt man mit unserem Institut eher auf dem Trockenen, es sei denn, man begnügt sich mich feminist readings und katholischer Soziallehre. Jedenfalls dachte ich mir eigentlich, dass ich halbwegs chronologisch vorgehe, aber nach dem, was Jon Mandle geschrieben und Amartya Sen gesagt haben, werde ich mich zuerst an Rawls' A Theory of Justice heranwagen, wenn es sein muss - und das wird es - allein.

Wie aber soll ich das zu Stande bringen? Die Theory of Justice ist in der englischen Ausgabe so gegen 550 Seiten stark, die deutsche bei Suhrkamp 674, zusätzlich ist sie als zäh verschrien. Brian Leiter schreibt kurz zur Vorstellung seines Gastbloggers Ende Dezember letzten Jahres (A few introductory remarks on Posner's Jurisprudence): A bit of armchair sociology suggests he [Judge Richard Posner] may well be [right about his scepticism about the possibilities of academic moral theory to influence people's decisions in and thinking about the real world, and more generally scepticism about the practical value of moral theory]. We do know, for example, that academic moral theory is little read, even within the academy.  (Rawls's A Theory of Justice [1971] may be the exception, though as Posner has pointed out to me, it is far from clear whether this distinguished work is widely read or just widely referred to for a few pithy, memorable, metaphoric ideas--the difference principle, the veil of ignorance, the original position, overlapping consensus, and so forth--rather than the elaborate argumentative apparatus which purportedly generates these ideas.)  We know that academic moral theory bores many people, including students.  We know that most people and most politicans are not especially smart or acute, and have trouble following a complex argument.  (The entire blogosphere is evidence for that!  Recall this stunning example from many months ago of a PhD economist who can't even follow a simple argument.)

Und ich würde sagen, dass das auch auf die Politische Philosophie zutrifft. Also: wenn selbst im angloamerikanischen Raum nicht allzuviele Leute den Wälzer tatsächlich gelesen haben (und zwar nicht nur die ersten hundert Seiten, wie Ludwig Nagl - wahrscheinlich eh der einzige auf unserem Institut, der Rawls wirklich kennt - immer an den Kritikern Rawls' bemängelt), um wievieles kleiner muss die Zahl der Eingeweihten in unseren Breiten sein! Hier sind riesige Möglichkeiten der Profilierung verborgen. Man stelle sich vor, die/der-jenige zu sein, der/die [den Leviathan, Augustinus, die Dialektik der Aufklärung, Arendt, ...] tatsächlich gelesen und ihre/seine Meinungen darüber nicht aus zweiter und dritter Hand hat, oder sie von seinen/ihren politischen Ansichten ableitet. Das wäre so wie in der Schule die Leute, die wirklich Hausübungen machen und mitlernen und alles; die, deren Eltern bei der Maturafeier von den Lehrern belagert werden, um zu hören zu bekommen, welch strahlende Zukunft sie vor sich haben. Was für eine ausgezeichnete Gelegenheit, zurück zu nie gepflegten Gewohnheiten zu finden!

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Das bin nicht ich. Das ist Bruno Kreisky. Ich für meinen Teil bin 28 Jahre alt und ein kurzsichtiger, wenig- und langsamlesender, aufmerksamkeits- und noch vielgestalt andersgestörter, ungeschickter, linkshändiger, unausdauernder, übergewichtiger, un-unaufgeregter und unkonzentrierter stummer Schwätzer ohne Führerschein (sowie ohne Ehrgeiz, Ziel im Leben, eigene Wohnung, geregeltes oder sonstwie geartetes Geschlechtsleben, usw …), dafür mit unregelmäßigem Bartwuchs und Stoffwechsel sowie dem starken Wunsch, Drängen und Verlangen, der bürgerlichen Gesellschaft doch noch ein Ende zu bereiten (warum dennoch der Sonnenkönig dort oben hängt, darf jeder für sich selbst ausknobeln). In Ermangelung eines besseren ist mein Lebensmotto ‹wenn schon, denn schon›, was angesichts meiner Defizite im menschlichen, zwischenmenschlichen und übermenschlichen Bereich niemanden wundert, der mich kennt. Ich weiß nicht, was ich mit diesem Blog eigentlich will, aber ich schreibe es mit kleineren und größeren Unterbrechungen doch schon seit 2715 Tagen, und so lange es mich noch freut, wird weitergeschrieben. Das letzte Mal hat es hier am 11.12.2011 um 23:33 irgendetwas neues gegeben.
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