wenn ich groß bin, werde ich science fiction autor
Dienstag, 4. März 2008
Devo sind übrigens aus Akron, Ohio (einer der vielen Städte des rust belt, in denen es seit den 60ern mit der Einwohnerzahl nur noch bergab geht)

Nafta, die nordamerikanische Freihandelszone, ist das Reizwort für Ohios Arbeiterschaft, der wichtigsten Wählerschicht für die Demokraten. Und Clinton hat hier zuletzt an Boden verloren, denn das Obama-Lager wird nicht müde, bei jeder Gelegenheit zu erklären, dass Bill Clinton sich seinerseits für Nafta stark gemacht habe und auch Hillary dafür gewesen sei.

Die Senatorin konterte mit Plänen gegen Kinderarmut und der Ansage, sie werde "alles tun, was für die amerikanischen Arbeiter gut ist". Gerade das allerdings müsste sie erst recht für Nafta und den Freihandel eintreten lassen. Nach einer Studie der Bank of America hat sich die Exportquote Ohios ins vielkritisierte China seit dem Jahr 2000 vervierfacht, der Bundesstaat gehört zu den Top-10-Exporteuren unter den US-Staaten.

[Ohio: Das Reizwort ist Nafta, Der Standard, 4. März 2008]

Schwachsinn, Augenauswischerei, bösartiger Unfug; gleichen höhere Exporte nach China die nachteiligen Effekte des nordamerikanischen Freihandelsabkommens aus?

Es ist überhaupt nicht ausgemacht, dass höhere Exportquoten automatisch gut für die ArbeiterInnen sind - besonders dann, wenn die Zahl der Industriearbeitsplätze seit Mitte der 90er um ein Viertel zurückgegangen ist, während gleichzeitig die Industrieproduktion nur unwesentlich gesteigert wurde. Höhere Exporte sind hier also kein Anzeichen für eine bessere Wirtschaftslage, sondern für eine fundamentale Veränderung der Wirtschaftsstruktur, die erwiesenermaßen zu Lasten der ArbeiterInnen geht.

Und das nur nebenbei: Im Jahr 2006 gingen satte 3,4% der Exporte Ohios nach China, das waren 1,3 Mrd $; Hauptexportmarkt sind (wie für fast alle anderen amerikanischen Bundesstaaten auch) Kanada mit 48% und dahinter Mexiko mit 7%; weiters ist das Exportwachstum Ohios niedriger als das der USA insgesamt.

Außerdem ist der Standard eine miese Zeitung, geschrieben von dummen Leuten, die den Kapitalismus für das Größte überhaupt halten, und die glauben, dass sie schlau sind, wenn sie zusammenhanglos irgendwelche Zahlen in ihre lächerlichen Artikelchen streuen, und die nicht einmal in der Lage sind zu erkennen, wenn ihre Gesinnungsgenossen auf der anderen Seite des Atlantiks aus Gründen des Wahlkampfes ein paar deftige Sprüche klopfen. Denn Tatsache ist, dass die amerikanische Arbeiterklasse in einem schlechten Zustand ist, und dass keine(r) der Präsidentschaftskandidaten daran etwas ändern wird, oder ändern will. Selbst wenn ihre unterschiedlichen Ansichten mehr als nur Theater wären, so sind dennoch Hillary Clinton und Barack Obama (als amerikanische Politiker) beide von der unüberbietbaren Großartigkeit des Kapitalismus überzeugt; alle eventuell noch vorhanden gewesenen (aber ohnehin geringen) Tendenzen in Richtung einer wieder etwas stärkeren Regulierung der Wirtschaft wurden unter Bill Clinton (unter dem die NAFTA in Kraft gesetzt wurde) endgültig aus der Demokratischen Partei entfernt. Jedes Anbiedern der Kandidaten an die Arbeiterklasse und die Gewerkschaften, jedes Erinnern an die guten alten Zeiten (die nie auch nur annähernd gut waren) hat nichts mit dem zu tun, was diese Leute im Weißen Haus tun würden und werden.

Soll heißen: nein, Kapitalismus ist nicht toll, nein, Freihandel ist nicht gut für die ArbeiterInnen, und nein, dass es doch so wäre, lässt sich nicht dadurch beweisen, dass man irgendwelche höheren Exporte in irgendein Land anführt - und wozu braucht man dazu eine Studie? Das geht aus offiziellen Statistiken genauso hervor - und noch dazu, wenn dieses als Beweis angeführte Land ein eher nicht so wichtiger Exportmarkt ist und außerdem außerhalb des Freihandelsabkommens liegt, um das es eigentlich geht.

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Das bin nicht ich. Das ist Bruno Kreisky. Ich für meinen Teil bin 28 Jahre alt und ein kurzsichtiger, wenig- und langsamlesender, aufmerksamkeits- und noch vielgestalt andersgestörter, ungeschickter, linkshändiger, unausdauernder, übergewichtiger, un-unaufgeregter und unkonzentrierter stummer Schwätzer ohne Führerschein (sowie ohne Ehrgeiz, Ziel im Leben, eigene Wohnung, geregeltes oder sonstwie geartetes Geschlechtsleben, usw …), dafür mit unregelmäßigem Bartwuchs und Stoffwechsel sowie dem starken Wunsch, Drängen und Verlangen, der bürgerlichen Gesellschaft doch noch ein Ende zu bereiten (warum dennoch der Sonnenkönig dort oben hängt, darf jeder für sich selbst ausknobeln). In Ermangelung eines besseren ist mein Lebensmotto ‹wenn schon, denn schon›, was angesichts meiner Defizite im menschlichen, zwischenmenschlichen und übermenschlichen Bereich niemanden wundert, der mich kennt. Ich weiß nicht, was ich mit diesem Blog eigentlich will, aber ich schreibe es mit kleineren und größeren Unterbrechungen doch schon seit 2715 Tagen, und so lange es mich noch freut, wird weitergeschrieben. Das letzte Mal hat es hier am 11.12.2011 um 23:33 irgendetwas neues gegeben.
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