wenn ich groß bin, werde ich science fiction autor
Donnerstag, 11. September 2008
"Wie man zu Russland heute steht, ist eine Art intellektueller Lackmustest." // Bürgerliche Diskurse (IV)

Österreich ist ein ziemlich letztklassiges Land, weshalb wir uns auch mit ziemlich letztklassigen Intellektuellen bescheiden müssen. Heute schreibt im Standard irgendsoein dahergelaufener Vollidiot einen Schwachsinn zusammen, dass man sich fast wünschen könnte, Österreich hätte international mehr Bedeutung und würde daher mit besserer Propaganda bedacht werden - [Eric Frey, Perspektiven: Putin-Test für politische Denker, Der Standard, 10. September 2008]

Da heißt es zum Beispiel:

Wie zuletzt in der Frühzeit des Kalten Krieges kann man Politiker dabei beobachten, wie sie entscheiden müssen, ob sie ihre Politik nach Interessen ausrichten, wie es die Realisten fordern, oder nach Prinzipien, dem Gebot der Idealisten.

Das ist ganz und gar absurd. Gibt es etwa Interessen ohne Prinzipien, oder Prinzipien ohne Interessen? //soll heißen: wenn Politik nicht gemäß irgendwelchen (erklärten und/oder verborgenen) Prinzipien vorgehen würde, wie könnten die Beteiligten dann wissen, worin ihre Interessen liegen? bzw umgekehrt: wenn Politik klar erklärten Prinzipien folgt, heißt das dann, dass sich aus diesen Prinzipien keine Interessen ableiten, die verfolgt werden, oder heißt es etwa, dass diese Prinzipien einfach so vom Himmel fallen? (und sich nicht etwa ihrerseits aus Interessen ableiten)//

Politik mit dem Begriffspaar idealistisch/realistisch fassen zu wollen, ist bestenfalls dumm, meistens aber selbst Teil einer politischen Strategie. Wer Politik mit diesen Begriffen erklärt, macht sich selbst zum Werkzeug der Propaganda (und lächerlich obendrein; als ob Politiker irgendetwas geben würden auf die Zurufe irgendwelcher selbsternannter Politikversteher, die das ganze aus wissenschaftlicher Sicht so spannend finden).

Glücklicherweise müssen wir uns aber mit solch grundlegenden Fragen nicht auseinandersetzen, denn was hier die Prinzipien sind, und was die Interessen, bzw was nicht, wird klar fomuliert:

Der Westen hat, abgesehen von einer Pipeline, kaum Interessen im Kaukasus. Aber eine zynische Politik, die den russischen Bären in seinem Hinterhof gewähren lässt, hätte keine demokratische Legitimität und würde langfristig politischen Schaden anrichten. Schließlich sind die USA viele Jahrzehnte mit ihrer idealistischen Demokratiepolitik gut gefahren, ebenso wie die EU mit ihrer Erweiterungsstrategie.

Wie gesagt, ziemlich letztklassig. Eigentlich nicht einmal mehr traurig. Es klingt fast so, als müsste man die westlichen Staaten (weil sie angeblich, abgesehen von einer Pipeline, kaum Interessen im Kaukasus haben) geradezu dazu zwingen, es den Russen wegen Georgien heimzuzahlen; für die Prinzipien und die demokratische Legitimität und so; und weil es die moralische Pflicht ist, Georgien zu schützen; und das deshalb, weil es doch so klein und so demokratisch ist (und nicht etwa deswegen, weil es pro-westlich, ergo anti-russisch ist). //Anmerkung: in bürgerlichen Diskursen sind "demokratisch" und "pro-westlich" synonym, und das Recht, zu bestimmen, welche Staaten als demokratisch bezeichnet werden, und welche nicht, liegt beim Westen; und Staaten, die nicht pro-westlich sind, sind nicht demokratisch; grundsätzlich und immer; auf die Frage, ob denn irgendein Staat zugleich demokratisch und anti-westlich sein kann, wird ein Bürgerlicher stets etwas verwirrt über diese seltsame Fragestellung die Stirn runzeln, und dann emphatisch den Kopf schütteln; ausgenommen davon ist eine bestimmte Art von Konservativen, die aber hierzulande so gut wie nicht existiert//

Und wer glaubt, die USA hätten viele Jahrzehnte auch nur annähernd etwas in der Art einer idealistischen Demokratiepolitik verfolgt, und wären damit auch noch gut gefahren (nach welchen Maßstäben überhaupt? Idealistischen oder realistischen? //Vorsicht: Fangfrage!//), hat sich seinen Doktor der Politikwissenschaft redlich verdient und sollte schnellstmöglich einen wichtigen Job bei einer bürgerlichen Zeitung bekommen und ein Schwarzbuch USA schreiben.

[Bei dem dahergelaufenen Idioten handelt es sich um den Chef vom Dienst des Standard, der sich nebenher vielseitig journalistisch betätigt und tatsächlich ein Doktor der Politikwissenschaft ist, und auch ein Schwarzbuch USA geschrieben hat]

[Superextranullchecker-kann-man-wirklich-so-blöd-sein-und-trotzdem-mit-messer-und-gabel-essen-bonus: Was will Putin wirklich? Diese Frage blieb auch in Potsdam unbeantwortet. Wie es sich für einen Ex-Geheimagenten gehört, lässt der russische Premier die Welt gerne darüber rätseln.]

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Das bin nicht ich. Das ist Bruno Kreisky. Ich für meinen Teil bin 28 Jahre alt und ein kurzsichtiger, wenig- und langsamlesender, aufmerksamkeits- und noch vielgestalt andersgestörter, ungeschickter, linkshändiger, unausdauernder, übergewichtiger, un-unaufgeregter und unkonzentrierter stummer Schwätzer ohne Führerschein (sowie ohne Ehrgeiz, Ziel im Leben, eigene Wohnung, geregeltes oder sonstwie geartetes Geschlechtsleben, usw …), dafür mit unregelmäßigem Bartwuchs und Stoffwechsel sowie dem starken Wunsch, Drängen und Verlangen, der bürgerlichen Gesellschaft doch noch ein Ende zu bereiten (warum dennoch der Sonnenkönig dort oben hängt, darf jeder für sich selbst ausknobeln). In Ermangelung eines besseren ist mein Lebensmotto ‹wenn schon, denn schon›, was angesichts meiner Defizite im menschlichen, zwischenmenschlichen und übermenschlichen Bereich niemanden wundert, der mich kennt. Ich weiß nicht, was ich mit diesem Blog eigentlich will, aber ich schreibe es mit kleineren und größeren Unterbrechungen doch schon seit 2711 Tagen, und so lange es mich noch freut, wird weitergeschrieben. Das letzte Mal hat es hier am 11.12.2011 um 23:33 irgendetwas neues gegeben.
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Ich möchte mich an dieser Stelle ganz aufrichtig bei allen echten Science Fiction Autoren entschuldigen. Sie wissen schon wofür …
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