wenn ich groß bin, werde ich science fiction autor
Dienstag, 24. März 2009
G - G'

Eine einfache und nur ein wenig unfaire Methode, die „Wirtschaftskompetenz” von jemandem oder etwas zu testen, ist, zu schauen, ob dieser jemand oder dieses etwas einen Sinn für Größenordnungen hat und/oder Rechnen kann. Negativbeispiel Der Standard:

Aus dem sogenannten Troubled Asset Relief Program (Tarp), eben jenem 700-Milliarden-Dollar-Pakets der Vorgängerregierung, sollen 75 bis 100 Millionen Dollar genommen werden, um den Aufkauf der Papiere zu initiieren. Mit Privatkapital könnten 500 Milliarden Dollar bewegt werden, bei einem Erfolg wären bis zu einer Milliarde Dollar möglich, schreibt das US-Finanzministerium in einer Zusammenfassung am Montag. Das entspricht ungefähr dem zweieinhalbfachen der österreichischen Wirtschaftsleistung.

[„Bis zu 1000 Milliarden Dollar für faule Kredite”, Der Standard, 24. März 2009]

1-2-3! In einem Absatz zwei Mal um drei Größenordnungen daneben! Dem Redaktionskürzel kann man entnehmen, dass Leo Szemeliker dafür verantwortlich zeichnet, und aus seinem Kommentar in der selben Ausgabe [„Die Bad Bank, die gut sein will”] geht hervor, dass der diesen Eine-Billion-Dollar Plan auch gar nicht verstanden hat.

Die Essenz des Ganzen ist, dass der amerikanische Staat privaten Investoren eine knappe Billion Dollar in die Hand drückt, um damit den Banken unverkäufliche Papiere abzukaufen. Stellt sich heraus, dass ein Papier mehr wert ist als der Preis, den es dabei erzielt hat, streichen die Investoren den Großteil des Gewinnes ein - stellt sich der tatsächliche Wert als niedriger heraus, verliert der Investor das wenige Geld, das er selbst aufgewendet hat und der Steuerzahler bleibt auf dem Rest sitzen, so oder so ist die Bank ihr Papier zu einem guten Preis losgeworden. Um den Schein aufrechtzuerhalten, dass dem nicht so ist, wurde rundherum eine elaborierte Fassade errichtet, der Herr Szemeliker prompt bescheingt, »marktwirtschaftlich« zu sein, und sieht es auch nicht als Widerspruch an, später noch hinzuzufügen, dass »ein künstlich geschaffener Markt besser als gar kein Markt ist«. Der Staat schafft also unter Aufbringung eigener Geldmittel Märkte (die eigentlich keine Märkte sind, denn da die Investoren kaum eigenes Geld zu verlieren und viel Steuerzahlergeld zu gewinnen haben, haben sie jeden Anreiz, den Preis in die Höhe zu treiben) zu dem ausschließlichen Zweck, zu verschleiern, dass er eigentlich insolventen Banken ihre wertlosen Papiere in gutes Geld tauscht, und in Not geratenen Kapitalisten ihre verlorengegangenen Profite ersetzt - Prädikat: „marktwirtschaftlich”

[Herr Szemeliker hat natürlich ganz Recht. Die Sache ist „marktwirtschaftlich”. Genau so funktioniert die Heilige Marktwirtschaft. Lediglich die Summen werden immer größer, die handelnden Personen unverschämter, die wahren Gläubigen rarer, und die Verteidiger wie Herr Szemeliker verzweifelter]

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Das bin nicht ich. Das ist Bruno Kreisky. Ich für meinen Teil bin 28 Jahre alt und ein kurzsichtiger, wenig- und langsamlesender, aufmerksamkeits- und noch vielgestalt andersgestörter, ungeschickter, linkshändiger, unausdauernder, übergewichtiger, un-unaufgeregter und unkonzentrierter stummer Schwätzer ohne Führerschein (sowie ohne Ehrgeiz, Ziel im Leben, eigene Wohnung, geregeltes oder sonstwie geartetes Geschlechtsleben, usw …), dafür mit unregelmäßigem Bartwuchs und Stoffwechsel sowie dem starken Wunsch, Drängen und Verlangen, der bürgerlichen Gesellschaft doch noch ein Ende zu bereiten (warum dennoch der Sonnenkönig dort oben hängt, darf jeder für sich selbst ausknobeln). In Ermangelung eines besseren ist mein Lebensmotto ‹wenn schon, denn schon›, was angesichts meiner Defizite im menschlichen, zwischenmenschlichen und übermenschlichen Bereich niemanden wundert, der mich kennt. Ich weiß nicht, was ich mit diesem Blog eigentlich will, aber ich schreibe es mit kleineren und größeren Unterbrechungen doch schon seit 2715 Tagen, und so lange es mich noch freut, wird weitergeschrieben. Das letzte Mal hat es hier am 11.12.2011 um 23:33 irgendetwas neues gegeben.
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