wenn ich groß bin, werde ich science fiction autor
Donnerstag, 26. März 2009
Raymond Chandler (23. Juli 1888 - 26. März 1959)

Der beste Marlowe
Als Chandler Hollywood ein für allemal den Rücken kehrt, hat er genug Geld und auch seine Romane verkaufen sich gut. Aber er ist jetzt Anfang 60 und er weiß, dass ihm nicht mehr viel Zeit bleiben wird, um endlich jenes große Buch zu schreiben, das ihm schon so lange vorschwebt, jenen Roman, der ihn endgültig zum seriösen Schriftsteller werden lässt. Doch die Umstände machen es ihm wahrlich nicht leicht. Cissy ist ständig krank und Chandlers Sorge um sie macht das Arbeiten fast unmöglich.

Ich hoffe, ich bringe 1952 wieder ein Buch zustande, ich hoffe es sehr. Aber hol's der Henker, ich komme einfach nicht weiter. Die alte Begeisterung ist nicht da. Ich bin ganz kaputt von der Sorge um meine Frau.

Als "Der lange Abschied" 1953 dann allen Widerständen zum Trotz erscheint, stimmen die Rezensenten überein, das beste Werk von Raymond Chandler gelesen zu haben. Obwohl in die Form eines Kriminalromans gegossen, geht es in dem Text um das Wesen der Freundschaft.

Eines Abends gabelt Marlowe den schwer betrunkenen Terry Lennox auf und von da an versucht er, diesem Mann zu helfen. Lennox verschwindet und obwohl nichts dafür spricht, heftet sich Marlowe auf seine Spuren. Marlowe klärt Morde auf, findet Lennox zum Schluss sogar, aber seine Enttäuschung stellt alles in den Schatten. Am Ende steht ein einsamer, desillusionierter Detektiv.

[„Ein Kriminalroman muss ehrlich sein” , oe1.ORF.at]

Der lange Abschied (The Long Goodbye) wurde 1973 von Robert Altman verfilmt, mit Elliott Gould als Philip Marlowe, und dem jetzigen Gouverneur von Kalifornien in einer kleinen Rolle ohne Text. //Der deutschsprachige Wikipedia-Artikel zu dem Film (Der Tod kennt keine Wiederkehr) ist sehr lesenswert und ausführlicher als der englischsprachige, aber Vorsicht! - Spoiler//

Goulds recht kaputter Marlowe ist meilenweit von dem „klassischen” Marlowe Bogarts entfernt, und das Drehbuch weicht in entscheidenden Punkten (vorallem dem zum Schreien großartigen Schluss) von der Vorlage ab. Altman hat in so ziemlich jeder Hinsicht die Regeln des Noir gebrochen, um das Genre in die Gegenwart zu bringen. Ich bin der Meinung, dass ihm das gelungen ist, dass Elliott Gould die ideale Besetzung dafür ist, und dass auch der Schluss einfach passt. Anschauen!

Abschließend sei noch sein Aufsatz „The Simple Art of Murder” zu empfehlen, den man hier im Volltext lesen kann. //Ein Zitat daraus werde ich an den Anfang meiner Diplomarbeit stellen//

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Das bin nicht ich. Das ist Bruno Kreisky. Ich für meinen Teil bin 28 Jahre alt und ein kurzsichtiger, wenig- und langsamlesender, aufmerksamkeits- und noch vielgestalt andersgestörter, ungeschickter, linkshändiger, unausdauernder, übergewichtiger, un-unaufgeregter und unkonzentrierter stummer Schwätzer ohne Führerschein (sowie ohne Ehrgeiz, Ziel im Leben, eigene Wohnung, geregeltes oder sonstwie geartetes Geschlechtsleben, usw …), dafür mit unregelmäßigem Bartwuchs und Stoffwechsel sowie dem starken Wunsch, Drängen und Verlangen, der bürgerlichen Gesellschaft doch noch ein Ende zu bereiten (warum dennoch der Sonnenkönig dort oben hängt, darf jeder für sich selbst ausknobeln). In Ermangelung eines besseren ist mein Lebensmotto ‹wenn schon, denn schon›, was angesichts meiner Defizite im menschlichen, zwischenmenschlichen und übermenschlichen Bereich niemanden wundert, der mich kennt. Ich weiß nicht, was ich mit diesem Blog eigentlich will, aber ich schreibe es mit kleineren und größeren Unterbrechungen doch schon seit 2715 Tagen, und so lange es mich noch freut, wird weitergeschrieben. Das letzte Mal hat es hier am 11.12.2011 um 23:33 irgendetwas neues gegeben.
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