wenn ich groß bin, werde ich science fiction autor
Montag, 20. April 2009
J. G. Ballard ist tot

Ein paar Absätze aus Günter Hacks Nachruf auf der Futurezone:

Ballards prägende Erfahrung ist die des Lebens im Lager, einer umgrenzten kontrollierten Umgebung, deren soziale Normen sich aus der Enge ergeben. 1930 kommt er als Sohn einer britischen Textilunternehmerfamilie in Schanghai auf die Welt und lebt zunächst im internationalen Viertel, einer abgeschotteten Luxuswelt für Europäer.

1937 greifen die Japaner China an und nehmen Schanghai in Besitz. Ballard beschreibt, wie die Invasoren 1943 das internationale Viertel zum Internierungszentrum machten. Plötzlich war der Raum der Freiheit und des Luxus ein Gefängnis. Abgeschottet hatten ihn seine Bewohner ja schon vorher. Ballard beschrieb das Leben dort in seinem wohl bekanntesten Buch "Empire of the Sun" (1984), das von Steven Spielberg 1987 verfilmt wurde.

1946 zieht die Familie zurück nach Großbritannien. Für den jungen Ballard, der in einem ultramodernen Haushalt mit zehn chinesischen Dienern aufgewachsen war, sieht sein zerstörtes Heimatland, das er nur aus Zeitschriften und Büchern kannte, nicht wie eine Nation der Sieger aus. Aus Nachkriegsgrau und Internatsödnis flüchtet Ballard ins Kino. Ein Studium der Medizin und Psychologie in Cambridge bricht er schnell ab, die Bilder der Leichen auf den Seziertischen verschmelzen in seiner Wahrnehmung mit den Erinnerungen an die Toten aus den Kämpfen um Schanghai.

1953 schreibt sich Ballard bei der Royal Air Force ein und wird zum Flugtraining nach Kanada abkommandiert. Die militärische Langeweile bekämpft er, indem er Science-Fiction-Magazine verschlingt. Schnell stellt er fest, dass ihn die damals üblichen "Space Operas" nicht interessieren. "Als Vorläufer von 'Star Trek' beschreiben sie ein US-amerikanisches Imperium, das sich anschickt, das ganze Universum zu kolonisieren und es in eine fröhlich-optimistische Hölle zu verwandeln, eine Vorstadt der 1950er Jahre, voll guter Absichten und bevölkert von lächelnden Hausfrauen in Raumanzügen. Eine Vision, die sich als merkwürdig korrekt herausstellen könnte", schreibt Ballard.

[Günter Hack, J. G. Ballard: Ein Leben im Lager]

Ich habe Ballard zuerst auf Deutsch (7 Bücher aus der Phantastischen Bibliothek im Schuber) gelesen, und obwohl ein paar Motive hängen geblieben sind, war es kein allzu einschneidendes Erlebnis. Das änderte sich am Freitag, 14. Jänner 2005, als plötzlich beim Kuppitsch im Jonasreindl drei Bücher lagen [Liste der am Freitag, 14. Jänner 2005, angeschafften Bücher] - ein höchst ungewöhnliches Sortiment zu höchst ungewöhnlichen Preisen, das damals wie heute paranoide Vorstellungen in mir nährt, jemand wolle gewisse Ideen in mich pflanzen //Wäre das nicht eine hervorragende Idee? Gezielt auf dem Lebensweg eines Menschen Bücher platzieren?//

Jedenfalls konnte ich mich von »the four-dimensional nightmare« (wie gesagt, höchst ungewöhnlich: ein englisches Buch, aus den 60ern, um einen halben Euro, ... - nicht das, was sonst so beim Kuppitsch liegt) den ganzen restlichen Tag nicht mehr losreißen. Dann konnte ich mich doch losreißen und habe den Rest in öffentlichen Verkehrsmitteln in Transdanubien unter einem eisigen blauen Himmel gelesen. Andererseits erinnere ich mich an eine heiße und stickige Straßenbahnfahrt mit dem 5er, dann mit der U1, Einkaufen im Donauzentrum, dann mit dem 25er nach Leopoldau und dort dann am provisorischen Bahnsteig stehen, und kurz danach Sommerferien.

Nachrufe und Sonstiges auf ballardian

Goodbye, Jim

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Das bin nicht ich. Das ist Bruno Kreisky. Ich für meinen Teil bin 28 Jahre alt und ein kurzsichtiger, wenig- und langsamlesender, aufmerksamkeits- und noch vielgestalt andersgestörter, ungeschickter, linkshändiger, unausdauernder, übergewichtiger, un-unaufgeregter und unkonzentrierter stummer Schwätzer ohne Führerschein (sowie ohne Ehrgeiz, Ziel im Leben, eigene Wohnung, geregeltes oder sonstwie geartetes Geschlechtsleben, usw …), dafür mit unregelmäßigem Bartwuchs und Stoffwechsel sowie dem starken Wunsch, Drängen und Verlangen, der bürgerlichen Gesellschaft doch noch ein Ende zu bereiten (warum dennoch der Sonnenkönig dort oben hängt, darf jeder für sich selbst ausknobeln). In Ermangelung eines besseren ist mein Lebensmotto ‹wenn schon, denn schon›, was angesichts meiner Defizite im menschlichen, zwischenmenschlichen und übermenschlichen Bereich niemanden wundert, der mich kennt. Ich weiß nicht, was ich mit diesem Blog eigentlich will, aber ich schreibe es mit kleineren und größeren Unterbrechungen doch schon seit 2715 Tagen, und so lange es mich noch freut, wird weitergeschrieben. Das letzte Mal hat es hier am 11.12.2011 um 23:33 irgendetwas neues gegeben.
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