wenn ich groß bin, werde ich science fiction autor
Freitag, 4. September 2009
Aus aktuellem Anlass: Franz Olahs „Österreichischer Wander-, Sport- und Geselligkeitsverein” (ÖWSGV) [Stichwort: „Gladio”]

Ein Bericht aus dem Spiegel aus dem Jahr 1969:

Vor fünf Jahren war Franz Olah Österreichs Innenminister. Jetzt ist er Österreichs prominentester Angeklagter.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem gelernten Klaviermacher und früheren Präsidenten des Österreichischen Gewerkschaftsbundes (ÖGB) vor, er habe fast drei Millionen Mark aus der OGB-Kasse für private politische Aktionen verwirtschaftet. Olah hingegen beteuerte: "Was ich getan habe, habe ich im Interesse des Staates und der Arbeiterbewegung getan."

Der sozialistische Exminister versuchte seine Staatsgesinnung zu belegen, indem er ein Staatsgeheimnis preisgab: Bis vor wenigen Jahren habe er in Österreich eine für Mitteleuropa einzigartige Untergrundarmee zur Niederschlagung kommunistischer Putschversuche geleitet.

[ÖWSGV]

Nähere Informationen dazu gibt es auch in Daniele Gansers Buch »NATO Geheimarmeen in Europa. Inszenierter Terror und verdeckte Kriegsführung« (Orell Füssli, Zürich 2008) und als Kurzfassung in seinem im Volltext zugänglichen Artikel „Terrorism in Western Europe. An Approach to NATO’s Secret Stay-Behind Armies”. (Ein kleiner Fehler darin: Theodor Körner war Bundespräsident, nicht Bundeskanzler)

[Nachtrag]

Günter Traxler (heute in seiner Funktion als Schreiber des „Blattsalats” und einer separaten Kolumne einer der wenigen Gründe, den Standard zu lesen) und Barbara Coudenhove-Kalergi (heute ebenfalls mit Kolumne beim Standard) haben damals für die Arbeiter-Zeitung berichtet.

Erst als Olah auf den Aufbau einer antikommunistischen Tarnorganisation zu sprechen kommt, holt er sich den dicken Ordner, vollgestopft mit Papieren, und läßt ihn für längere Zeit nicht mehr aus den Händen - ohne allerdings daraus mehr als ein oder zwei wenig aufregende Schriftsätze vorzulesen.

Daß amerikanische Stellen nach 1950 8 bis 10 Millionen Schilling für den Aufbau von Sendern und Empfangsstationen zur Verfügung gestellt hätte, erzählt er; daß er die Berechtigung hatte, im Ernstfall den Sender Rot-Weiß-Rot im amerikanischen Sektor zu benutzen, und daß man auch Tarnfirmen gegründet habe, um Fahrzeuge und Geräte lagern zu können. Hier half auch der Botengänger Daurer mit: Er betreute ebenfalls ganz allgemein das „Sonderprojekt” und dazu noch eine Judo- und Segelfliegergruppe.

[Günter Traxler, „Als er von Macht sprach, kamen ihm die Tränen”, Arbeiter-Zeitung, 1. Feber 1969, Seite 3]

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Wieder einmal eindringlich nach anderen Personen befragt, die noch vom Sonderprojekt wissen könnten, nannte Olah Donnerstag erstmals noch Lebende, nachdem er bisher stets nur Schärf, Helmer und Böhm angeführt hatte. Böck, Flöttl und Horr sollen noch davon gewußt haben, sagte er, und enthüllt auch die Funktionen Daurers, Jeschkos und Las’. Jeschko soll im Rahmen des Sonderprojekts vor allem die Funk-, Daurer die Waffenausbildung überwacht haben, Las beides.

[Günter Traxler, „Kredite für Olah-Firmen - andere bürgten”, Arbeiter-Zeitung, 7. Feber 1969, Seite 3]

[Kleiner Hinweis: Beim erwähnten Flöttl handelt es sich um den Großvater, Karl Flöttl.]

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Vorher gab es noch ein staatspolitisches Intermezzo. Sektionschef Peterlunger, Chef der Staatspolizei und seit 1945 leitender Polizist, sollte über Olahs Rolle als Leiter des „Sonderprojekts” aussagen. Aber: Fehlanzeige: Nach Peterlunger hat die Staatspolizeit nichts davon bemerkt, daß ihr zeitweiliger Ressortminister mehr als zehn Jahre lang eine von fremden Mächten finanzierte Untergrundorganisation betrieben hat. Nur einmal wurde Peterlunger, der Olah seit den Ereignissen des Oktober 1950 kannte, in Sachen „Sonderprojekt” aktiv: als er 1953, also noch unter den schwierigen Bedingungen der Besatzungszeit, durch den damaligen Innenminister Helmer davon informiert wurde, daß im steirischen Trofaiach Sendeanlagen sichergestellt worden waren und der Verdacht auf ein Vergehen gegen das Staatsschutzgesetz bestand. Die Geräte gehörten der Bau- und Holzarbeitergewerkschaft, wie aus einem Briefkopf hervorging. „Eine dumme Sache, die ich in Ordnung bringen sollte”, meinte Peterlunger. Obwohl der Bundespolizeidirektion in Wien zugeteilt, verständigte er den steirischen Sicherheitsdirektor. Man kam bald darauf zu dem Schluß, daß kein Grund zum Einschreiten bestand.

Auf mehrere Fragen der Anwälte, ob denn diese Vorgangsweise üblich gewesen sei, schaltet sich plötzlich Olah selbst ein. „Sie waren doch bei mir”, sagt er dem Polizeichef, „und haben gefragt: Ist das Ihre Sache?” und als Olah bejahte, hätte Peterlunger nur gefragt: Was soll geschehen? und darauf die Antwort bekommen: Die Leute freilassen und uns die Geräte zurückgeben. Der Zeuge meint, er hätte die Sache nur an die zuständigen Stellen weitergegeben.

Keine Gelder vom CIA?
ÖGB-Anwalt Rosenzweig erinnert den Staatspolizeichef daran, daß 1967 die Finanzierung verschiedener europäischer Organisationen durch den amerikanischen Geheimdienst CIA bekanntgeworden sei. Olah habe in den fraglichen Jahren mindestens zehn bis zwölf Millionen von unbekannten exterritorialen Geldgebern zu politischen Zwecken bekommen. Ob Österreichs Spionagespezialist über die Art der Abrechung von CIA-Geldern etwas sagen könne? Aber Peterlunger kann das nicht. „Ich habe keine solchen Gelder bekommen”, sagte er nur.

[Barbara Coudenhove-Kalergi, „Falks Aussage wird erschüttert”, Arbeiter-Zeitung, 26. Feber 1969, Seite 4]

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Werdek, ein schmächtiger junger Mann, einst Jugendsekretär in der Bau- und Holzarbeitergewerkschaft, jetzt selbständiger Kaufmann, war von Olah nach 1950 zunächst in die Firma Atlanta, dann in die Omnia gesetzt worden, um von diesen Posten aus für das Sonderprojekt zu arbeiten. Olah war der maßgebliche Mann, sagt er. Aber er habe sich gedacht, daß da andere Leute dahintersteckten.

Jeschko zahlte Geld aus
Werdek besorgte über Mittelsmänner Waffen und Gerät aus deutschen Wehrmachtsbeständen, die von Studenten der Technik instandgesetzt wurden: Schnellfeuerwaffen, Faustfeuerwaffen, Karabiner, Funkgeräte und anderes. Mit einem firmeneigenen Auto wurden die Sachen in verschiedene Depots in Wien und den Bundesländern geschafft. Das Geld dafür bezahlt Jeschko aus. Werdek: „Es ging um Riesenbeträge.”

Ein „großes Netz” von Vertrauensleuten in den Bundesländern sorgte für die Lagerung der Ausrüstung und für die Ausbildung der Rekruten. Für Niederösterreich sol, so behauptete der Zeuge, der Abgeordnete Franz Horr zuständig gewesen sein. Im allgemeinen scheint alles gut gegangen zu sein.

Als einmal in Trofaiach Funkgeräte von der Polizei beschlagnahmt worden waren, hatte man sich an Olah gewandt, der „über Dr. Peterlunger von der Staatspolizei die Freigabe erreichte”. Werdek: „Die Sache wurde blitzartig erledigt.” Laut Werdek erreichte die Aktivität beim Sonderprojekt 1951 ihren Höhepunkt und flaute später ab. Mit der Liquidierung der Bestände hatte er noch bis 1965 zu tun „und die Funkgeräte stehen heute noch bei mir”.

[Barbara Coudenhove-Kalergie, „Olah-Prozeß: Die letzten Zeugen”, Arbeiter-Zeitung, 4. März 1969, Seite 4]

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Das bin nicht ich. Das ist Bruno Kreisky. Ich für meinen Teil bin 28 Jahre alt und ein kurzsichtiger, wenig- und langsamlesender, aufmerksamkeits- und noch vielgestalt andersgestörter, ungeschickter, linkshändiger, unausdauernder, übergewichtiger, un-unaufgeregter und unkonzentrierter stummer Schwätzer ohne Führerschein (sowie ohne Ehrgeiz, Ziel im Leben, eigene Wohnung, geregeltes oder sonstwie geartetes Geschlechtsleben, usw …), dafür mit unregelmäßigem Bartwuchs und Stoffwechsel sowie dem starken Wunsch, Drängen und Verlangen, der bürgerlichen Gesellschaft doch noch ein Ende zu bereiten (warum dennoch der Sonnenkönig dort oben hängt, darf jeder für sich selbst ausknobeln). In Ermangelung eines besseren ist mein Lebensmotto ‹wenn schon, denn schon›, was angesichts meiner Defizite im menschlichen, zwischenmenschlichen und übermenschlichen Bereich niemanden wundert, der mich kennt. Ich weiß nicht, was ich mit diesem Blog eigentlich will, aber ich schreibe es mit kleineren und größeren Unterbrechungen doch schon seit 2715 Tagen, und so lange es mich noch freut, wird weitergeschrieben. Das letzte Mal hat es hier am 11.12.2011 um 23:33 irgendetwas neues gegeben.
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