wenn ich groß bin, werde ich science fiction autor
Freitag, 11. September 2009
Habe ich es gesagt oder habe ich es gesagt?

STANDARD: In einem neuen Uno-Bericht warnen Sie davor, dass die Krise nicht überwunden ist. Was die Märkte nach oben treibt, sei allein Spekulation. Woran sehen Sie das?

Flassbeck: Wir haben uns verschiedene Rohstoffmärkte angesehen und jene Währungsmärkte beobachtet, die unter spekulativem Druck standen: also etwa den Handel von ungarischen Forint mit Schweizer Franken oder japanische Yen mit brasilianischem Real. Unsere Erkenntnis war, dass sich die Preisbewegungen nur durch Spekulationen erklären lassen. Wir erleben hier das, was man als Bären-Rallye bezeichnet: In der Krise versuchen die Spekulanten, die Preise hochzutreiben, um an dieser Blase Geld zu verdienen.

[...]

STANDARD: Warum ist dann immer wieder die Rede davon, dass die Talsohle in der Krise erreicht ist?

Flassbeck: Die Talsohle mag erreicht sein, aber das bedeutet nicht, dass es wieder bergauf geht. Der Aufschwung kommt entweder von Investitionen oder von Konsum, es gibt keine andere Quelle. Der Konsum wird in den nächsten Monaten und Jahren aber sehr schwach bleiben, weil es einen unglaublichen Druck auf die Löhne gibt und die Arbeitslosigkeit weiter steigen wird. Und bei den Investitionen frage ich mich, wo diese herkommen sollen: Wenn Unternehmer, bei einer Kapazitätsauslastung von 75 Prozent, also weit unter normalen Bedingungen, zusätzlich investieren würden, hielte ich das für ein Wunder.

[András Szigetvari, „Der Höhenflug wird böse enden”, Der Standard, 9. September 2009]

[Wie letztens bemerkt, ist mit freiem Auge zu sehen, dass sich sehr unterschiedliche Märkte nahezu im Gleichtakt bewegen, was eigentlich nur bedeuten kann, dass einige Leute immer noch (oder dank der Rettungspakete schon wieder) zu viel Geld haben und sich hier eine Blase aufbaut]

Hinzuzufügen wäre, dass Konsum und Investitionen zusätzlich noch von der hohen Verschuldung gebremst werden. Das ist besonders (und anders als während der Großen Depression) in den USA der Fall, egal wieviel Geld die amerikanische Regierung der Finanzwelt in die Hand drückt. Wenn die Konsumausgaben in den USA weiterhin fallen, wird sich früher oder später auch zeigen, wie sehr China tatsächlich von Krise betroffen ist, und ob es der Führung gelungen ist, die (vorallem auf den Export in die USA ausgerichtete) Wirtschaft umzustellen. Ich glaube, dass ihnen das bisher nicht gelungen ist, und auch nicht gelingen wird. Wenn dem so ist, fallen die zwei großen sogenannten Wachstumsmotoren der Weltwirtschaft, deren schnelle Erholung allerorten herbeigeredet wird, aus, und eine tatsächliche weltweite Erholung rückt in weite Ferne, denn auch die zu erwartende (und teilweise bereits eingetretene) Erhöhung der Profitabilität durch Liquidierung weniger produktiver Betriebe und höhere Arbeitsproduktivität (soll heißen: reale Lohnkürzungen und Erhöhung des Arbeitsdrucks) wird ohne Erholung des Konsums nicht ausreichen, die bereits Jahre andauernde Überproduktion zu beseitigen, die durch die massiv gestiegene Verschuldung bisher mehr schlecht als recht ausgeglichen wurde - sofern nicht im großen Stil Kapital vernichtet wird; das hieße aber unter den gegenwärtigen Bedingungen vorallem: das Abschreiben nicht nur von Investitionen, sondern vorallem von Schulden, und das hieße: der freiwillige Verzicht auf durch die Rechtsordnung garantierte zukünftige Einnahmen (Schulden sind schließlich Schulden und wer nicht zahlen kann, wird gepfändet; und wieso sollten die Gläubiger auch nur auf einen Cent von dem verzichten, was ihnen rechtsgültig zusteht?)

Jedenfalls: langsam beginnt man ernsthaft von echten Alternativen zu sprechen:

STANDARD: Sehen Sie in den Aufräumarbeiten nach dem Crash einen grundlegenden Wandel der wirtschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen?

Onaran: Derzeit regiert die Devise "save the day", die Rückkehr zu Business as usual ist unübersehbar. Die Instabilitäten bleiben somit bestehen. Makroökonomisch, politisch und ökologisch. Die mächtigen Eliten und ihre Vertreter wollen diese Bereiche nicht grundlegend reformieren.

STANDARD: Warum?

Onaran: Weil sich dann an den hohen Profiten der Konzerne bei gleichzeitig ungerechter Verteilung der Einkommen etwas ändern würde.

STANDARD: Profite sind allerdings auch Anreize für Unternehmen, zu investieren und damit Beschäftigung zu sichern.

Onaran: Das ist ein Mythos. Wir verzeichnen in den letzten Jahrzehnten einen deutlichen Anstieg der Unternehmensgewinne und einen Abfall der Lohneinkommen. Das war aber nicht mit mehr Investitionen und mehr Jobs verbunden. Das hat sich nicht einmal in der letzten Boomphase vor der jetzigen Krise geändert. Diese Mythen werden vom Mainstream bewusst genährt.

STANDARD: Sinkende Lohnquoten heißen aber nicht, dass Realeinkommen zurückfallen, sie steigen nur langsamer als die Gewinne.

Onaran: Das stimmt nicht ganz. Die Medianeinkommen stagnieren in vielen Ländern, in Deutschland sind sie in den letzten zehn Jahren sogar gesunken. Auch in Österreich gibt es diese Tendenz in manchen Bereichen.

STANDARD: Wie sollte man das Ihrer Meinung nach ändern?

Onaran: Wir sind an einem wichtigen Wendepunkt angelangt, an dem wir öffentliche, kollektive Investitionen diskutieren müssen. Wichtige langfristige Investitionen können nicht aus privaten Profiten bestritten und anarchisch entschieden werden. Das trifft vor allem bei ökologischen Vorhaben zu, ohne die ein nachhaltiges Wachstum nicht möglich ist. Das muss eine kollektive Entscheidung sein, keine persönliche im Sinne der Profitmaximierung. Das umfasst aber auch den Bereich Wohnbau, den man nicht dem spekulativen Lebensgeist überlassen darf. Auch Finanz, Bildung, Gesundheit und Pensionen zählen zu diesen zentralen Bereichen. Dabei ist eine intensive Mitentscheidung von Konsumenten, Arbeitnehmern, regionalen und nationalen Einrichtungen notwendig.

STANDARD: Derartige Systeme haben nicht gerade die besten Ergebnisse gebracht - etwa in Hinblick auf Effizienz.

Onaran: Das basiert auf einzelnen negativen Erfahrungen. Echte partizipative Modelle unter voller Einbindung der Betroffenen haben wir nicht praktiziert. Probleme wie Bürokratie oder Korruption sind keine Gegenargumente - von partizipativer Planung war da nichts zu sehen. Das hat auch nichts mit dem Sowjetsystem zu tun.

[Andreas Schnauder, „Soziale Unruhen sind die logische Folge”, Der Standard, 29./30. August 2009]

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Das bin nicht ich. Das ist Bruno Kreisky. Ich für meinen Teil bin 28 Jahre alt und ein kurzsichtiger, wenig- und langsamlesender, aufmerksamkeits- und noch vielgestalt andersgestörter, ungeschickter, linkshändiger, unausdauernder, übergewichtiger, un-unaufgeregter und unkonzentrierter stummer Schwätzer ohne Führerschein (sowie ohne Ehrgeiz, Ziel im Leben, eigene Wohnung, geregeltes oder sonstwie geartetes Geschlechtsleben, usw …), dafür mit unregelmäßigem Bartwuchs und Stoffwechsel sowie dem starken Wunsch, Drängen und Verlangen, der bürgerlichen Gesellschaft doch noch ein Ende zu bereiten (warum dennoch der Sonnenkönig dort oben hängt, darf jeder für sich selbst ausknobeln). In Ermangelung eines besseren ist mein Lebensmotto ‹wenn schon, denn schon›, was angesichts meiner Defizite im menschlichen, zwischenmenschlichen und übermenschlichen Bereich niemanden wundert, der mich kennt. Ich weiß nicht, was ich mit diesem Blog eigentlich will, aber ich schreibe es mit kleineren und größeren Unterbrechungen doch schon seit 2711 Tagen, und so lange es mich noch freut, wird weitergeschrieben. Das letzte Mal hat es hier am 11.12.2011 um 23:33 irgendetwas neues gegeben.
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