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Freitag, 9. Oktober 2009
Ich muss mich korrigieren: sollte die Linkspartei dort weitermachen, wo die SPD damals aufgehört hat, wäre das sogar mehr als man erwarten kann
21:29h — ‹politique mon amour›
Wenn es nämlich nach gewissen Teilen der Partei geht, wäre selbst das noch zu radikal:
[Eine der lahmsten „linken” Begründungen für die absolute Großartigkeit Barack Obamas war, dass er (angeblich) genau diese (angebliche) „gebrochene Identität” widerspiegelt; warum - falls überhaupt irgendetwas davon wahr wäre - das so wichtig und so großartig sein sollte (und nicht etwa nur ein Ausdruck der weltverlorenen Selbstverliebtheit derer, die das behaupten) wurde dabei aber nicht wirklich deutlich] Den Schlachtruf „Die Linke ist zu wenig hedonistisch!” kenne ich gut. Ein Typ, der sich selbst einen Kommunisten nannte (und das vielleicht immer noch tut), hat mir das immer vorgehalten. Er hat mir auch immer Länge mal Breite aufgelistet, was man alles nicht wissen kann: nämlich im Endeffekt so ziemlich genau alles das, was man für politisches Handeln brauchen würde. Die Begründungen dafür waren dementsprechend dünn. Und dementsprechend ungehalten war er, wenn ihm bewiesen wurde, dass man die Wirklichkeit verstehen (und - oh Schreck! - mit diesem Verständnis möglicherweise sogar verändern) kann. Auch anderswoher ist mir diese ganze Einstellung gut bekannt. Auf der Uni gibt es nicht wenige Lehrende, die einem lang und breit erklären, wie schlimm es mit der Gesellschaft und den Herrschaftsapparaten ist, und dann jede noch so unsinnige neue Vorschrift - Es geht halt nicht anders, was soll man machen ... - auf Punkt und Beistrich umsetzen, sodass man das Gefühl bekommt, dass diese ganze Kritik, die sie da wälzen, nur dazu dient, ihnen die Argumente für ihr Mitmachen zu liefern. Und auch zum Stichwort „den Geschichtsbegriff, die geschichtliche Anschauung und Erkenntnis zu entleeren und abzusetzen, zu zerstören und aufzulösen” würde mir einiges einfallen, wenn es mir nicht schon reichen würde. Ich gehe lieber wieder zurück an meine Diplomarbeit, auf dass ich dieser elenden Anstalt endlich entfliehen kann - und zwar mit einem Stück Papier, das mich als Besserangepassten ausweist, mir (zumindest potenziell) Zugang zu einem privilegierten Arbeitsmarkt verschafft, mir vielleicht doch noch einen Platz im kaum geboren schon verrrotteten Neuen Bürgertum sichert, und mir das über alles wertvolle Gefühl vermittelt, ein guter, anständiger und wertvoller Mensch zu sein im Gegensatz zu den blöden stinkenden, Unterschichtsmedien konsumierenden, rechte Parteien wählenden primitiven Wilden, die in den Unterwelten unserer schönen lichten, aufgeklärten, individualistischen, leistungsbereiten postmodernen kapitalistischen totalitären Konsumgesellschaft dahinvegetieren. [Und daran sieht man auch das Problem der Linken momentan. Ich kann unmöglich der einzige Mensch weit und breit sein, der so empfindet; und selbst die Leute, die tatsächlich mitmachen und die sich wirklich den „Unterschichten” gegenüber als bessere Menschen fühlen, können das doch nicht vollständig ohne einen Rest Selbstekel tun. Und doch wird landauf landab immer noch die gleiche Selbstverklärung betrieben. Die linken Intellektuellen erzählen die selben Märchen über sich selbst und ihren Platz in der Gesellschaft wie sonst auch; und obwohl die offizielle und halboffizielle Linke voll ist von Leuten, denen es in ihren postmodernen Verhältnissen so gut geht, dass sie den Schmerz und die Wut noch nicht einmal vortäuschen können - und das, wenn doch, dann ausschließlich zum Zwecke der Besserung ihrer eigenen Lebensumstände tun -, gibt es keinen Aufstand und keinen Umsturz in den alternativen Elfenbeintürmen. Alles geht weiter seinen gewohnten Gang, alle machen das, was sie immer machen und hoffen, dass das Schlimmste bald vorbei ist, mahnen zu Vernunft und Besonnenheit, schleudern weiter ihren Jargon durch die Gegend, freuen sich auf jeden Tag ein Stück mehr Selbstverwirklichung in sich so aufregend jeden Tag aufs neue verändernden Verhältnissen] ... link (0 comments) ... comment ... older stories
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![]() Das bin nicht ich. Das ist Bruno Kreisky. Ich für meinen Teil bin 28 Jahre alt und ein kurzsichtiger, wenig- und langsamlesender, aufmerksamkeits- und noch vielgestalt andersgestörter, ungeschickter, linkshändiger, unausdauernder, übergewichtiger, un-unaufgeregter und unkonzentrierter stummer Schwätzer ohne Führerschein (sowie ohne Ehrgeiz, Ziel im Leben, eigene Wohnung, geregeltes oder sonstwie geartetes Geschlechtsleben, usw …), dafür mit unregelmäßigem Bartwuchs und Stoffwechsel sowie dem starken Wunsch, Drängen und Verlangen, der bürgerlichen Gesellschaft doch noch ein Ende zu bereiten (warum dennoch der Sonnenkönig dort oben hängt, darf jeder für sich selbst ausknobeln). In Ermangelung eines besseren ist mein Lebensmotto ‹wenn schon, denn schon›, was angesichts meiner Defizite im menschlichen, zwischenmenschlichen und übermenschlichen Bereich niemanden wundert, der mich kennt. Ich weiß nicht, was ich mit diesem Blog eigentlich will, aber ich schreibe es mit kleineren und größeren Unterbrechungen doch schon seit 2715 Tagen, und so lange es mich noch freut, wird weitergeschrieben. Das letzte Mal hat es hier am 11.12.2011 um 23:33 irgendetwas neues gegeben. status
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