wenn ich groß bin, werde ich science fiction autor
Dienstag, 2. März 2010
Niccolò Machiavelli - Republikaner und Florentinischer Patriot

Mit einiger Verspätung. Kurz und grob Principe, Kapitel IX:

Denn in jeder Stadt finden sich diese zwei unterschiedlichen Gesinnungen, was daher rührt, daß sich das Volk von den Großen weder beherrschen noch unterdrücken lassen will, die Großen aber das Volk beherrschen und unterdrücken wollen; aus diesen beiden Bedürfnissen entsteht in den Städten jeweils eine von drei möglichen Wirkungen: entweder die Fürstenherrschaft oder die Freiheit oder die Anarchie.

[Perché in ogni città si truovono questi dua umori diversi: e nasce, da questo, che il populo desidera non essere comandato né oppresso da’ grandi ed e’ grandi desiderano comandare e opprimere el populo; e da questi dua appetiti diversi nasce nelle città uno de’ tre effetti, o principato o libertà o licenzia.]

Man beachte, dass Machiavelli (ganz entsprechend der klassischen politischen Philosophie) nicht von „Staat” oder „Nation” spricht, sondern von „Stadt”. Er schreibt zwar (an verschiedenen Stellen seiner Geschichte der Stadt Florenz) von einer französischen, einer deutschen, einer spanischen, einer englischen, sowie einer römischen und einer griechischen Nation, dann aber auch von einer ghibellinischen, einer sanesischen [sic] (d. i. Siena), einer venezianischen und einer florentinischen Nation. Italien ist für Machiavelli keine Nation, sondern eine „Provinz”.

Weiters: die Form, die das städtische Gemeinwesen annimmt, ist ein Ergebnis der Kämpfe des Volkes mit den Mächtigen; (»Che la disunione della Plebe e del Senato romano fece libera e potente quella republica«, Discorsi, Buch I, Kapitel 4) und in diesen gibt Machiavelli eindeutig dem Volk den Vorrang. Das Interesse des Volkes ist zugleich das Gesamtinteresse der Stadt — nämlich die Freiheit, d. i.: die Republik. Das Volk regiert demnach auch besser als jeder Herrscher es könnte: La moltitudine è piú savia e piú costante che uno principe. (Discorsi, Buch I, Kapitel 58)

[Man müsste noch hinzufügen, dass nicht jedes Volk für eine Republik geeignet ist. Das liegt aber nicht daran, dass es erst noch „zur Freiheit erzogen” werden müsste, sondern an mangelnder Gleichheit („wo es Gleichheit gibt, lässt sich keine Fürstenherrschaft machen; und wo es sie nicht gibt, lässt sich keine Republik machen” — »dove è equalità, non si può fare principato; e dove la non è, non si può fare republica«, Discorsi, Buch I, Kapitel 55), die (im Falle des Falles) auch gewalttätig herzustellen ist: „Ich zog aus dieser Erörterung also den folgenden Schluss: dass, wer eine Republik einrichten will, wo es viele Adelige gibt, das nicht machen kann, wenn er sie nicht vorher alle auslöscht.” (»Trassi adunque di questo discorso questa conclusione: che colui che vuole fare dove sono assai gentiluomini una republica, non la può fare se prima non gli spegne tutti;«)]

[„Und um diesen Begriff ‚Adelige’ zu klären, sage ich, dass ‚Adelige’ diejenigen genannt werden, die in Muße und Überfluss von den Erträgen ihrer Besitzungen leben, ohne etwas mit deren Bewirtschaftung oder mit anderen lebensnotwendigen Tätigkeiten zu tun zu haben.” (»E per chiarire questo nome di gentiluomini quale e’ sia, dico che gentiluomini sono chiamati quelli che oziosi vivono delle rendite delle loro possessioni abbondantemente, sanza avere cura alcuna o di coltivazione o di altra necessaria fatica a vivere.«)]

Soviel also zu Machiavelli dem angeblichen Vordenker des Absolutismus und der nationalen Einigung Italiens

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Das bin nicht ich. Das ist Bruno Kreisky. Ich für meinen Teil bin 28 Jahre alt und ein kurzsichtiger, wenig- und langsamlesender, aufmerksamkeits- und noch vielgestalt andersgestörter, ungeschickter, linkshändiger, unausdauernder, übergewichtiger, un-unaufgeregter und unkonzentrierter stummer Schwätzer ohne Führerschein (sowie ohne Ehrgeiz, Ziel im Leben, eigene Wohnung, geregeltes oder sonstwie geartetes Geschlechtsleben, usw …), dafür mit unregelmäßigem Bartwuchs und Stoffwechsel sowie dem starken Wunsch, Drängen und Verlangen, der bürgerlichen Gesellschaft doch noch ein Ende zu bereiten (warum dennoch der Sonnenkönig dort oben hängt, darf jeder für sich selbst ausknobeln). In Ermangelung eines besseren ist mein Lebensmotto ‹wenn schon, denn schon›, was angesichts meiner Defizite im menschlichen, zwischenmenschlichen und übermenschlichen Bereich niemanden wundert, der mich kennt. Ich weiß nicht, was ich mit diesem Blog eigentlich will, aber ich schreibe es mit kleineren und größeren Unterbrechungen doch schon seit 2715 Tagen, und so lange es mich noch freut, wird weitergeschrieben. Das letzte Mal hat es hier am 11.12.2011 um 23:33 irgendetwas neues gegeben.
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