wenn ich groß bin, werde ich science fiction autor
Montag, 29. November 2004
Schluss mit der vorweihnachtlichen Stille!
Zum ersten Mal seit Tagen habe ich mir wieder etwas Zeit genommen - ich höre den Sumpf" und schreibe in den Musikpausen, kann also nicht vernünftigerweise gleichzeitig Herrn Fichtes Ideen zum Eigentum beackern - Referat ist am Dienstag. Freitag habe ich - mehr schlecht als recht - eine Arbeit über Foucaults Wille zum Wissen (alias Sexualität und Wahrheit 1) abgeschlossen und abgegeben und für Freitag, 10. Dezember steht ein weiteres Referat an, für das ich das schlimmste fürchte. Aber das ist jetzt nicht so wichtig, wichtiger ist: Ich bin seit geraumer Zeit der Meinung, dass mein Radiokonsum zu wünschen übrig lässt und FM4 nicht nur verhältnismäßig sondern auch für sich genommen sehr gutes Programm macht (und auch eine gute website hat, mit live-streams für die Diaspora). Den luna park habe ich früher kein einziges Mal verpasst, irgendwann später hat sich das alles verloren und im Sommer habe ich versucht, mir damit zu behelfen, ihn jedes Mal auf dem Computer aufzuzeichnen. Dann ist mir mein Computer eingegangen und auf meinem iBook habe ich keinen Audioeingang.

Jedenfalls habe ich jetzt wieder einmal den Vorsatz gefasst, mehr Radio zu hören, und auf den Sumpf speziell bin ich gekommen, weil der, den ich in meinem Protokoll mit [1] bezeichnet habe, einen Vortrags-, speziell aber Vorlese-, stil pflegte, der sehr an denjenigen der Herren Ostermaier/Edlinger erinnert (ich habe noch ein recht langes Exzerpt aus dem Heart of Darkness, das ich vielleicht endlich einmal lesen sollte; mit Geschichten aus dem Kolonialismus kann man halt noch schocken und sich die Leute vom Hals halten, mit meinen KZ-Geschichten funktioniert das ja eher nicht so gut). Das ganze hat sich letzten Donnerstag im Nietzsche Proseminar zugetragen und die volle Geschichte lautet: der Lehrveranstaltungsleiter wollte entweder ein Referat mit fünf Seiten Ausarbeitung und einmal zwei bis drei Seiten "Ergebnisprotokoll" (dh Stundenprotokoll) haben, oder zweimal Ergebnisprotokoll, oder eine Proseminararbeit zu einem angesprochenen Thema im Umfang von cirka zehn Seiten. Ich wollte in der zweiten Unterrichtseinheit fragen, wie das genau geschehen soll mit der Proseminararbeit, wurde aber (weil ich nicht so richtig nein sagen kann) zum Referat folgende Woche eingeteilt. Die Koordination mit dem Referatspartner verlief nicht so gut (er hatte mir eine alte, nicht mehr funktionale e-Mail Adresse gegeben), der Druck zu Hause streikte und ich musste zu meinem Vater ins Büro, um das Thesenpapier auszudrucken, das Referat selbst brachte ich dann in meinem mir eigenen Stil des improvisierten Gestammels hinter mich. Am Ende der Stunde war der Lehrveranstaltungsleiter wieder einmal auf der Suche nach Referenten für die kommende Woche und kündigte an, für alle, die ein Referat halten würden, das erforderliche eine Ergebnisprotokoll fallen zu lassen - ich war am Boden zerstört. Ich musste es also schreiben, während alle danach das nicht mussten. Ich hatte mir schon die ganze Zeit Gedanken gemacht, denn ich wusste nicht, wie ich zwei bis drei Seiten füllen sollte. Dafür bot sich dann eben das erwähnte Referat letzten Donnerstag an. Ich schrieb also mit, bis sich gegen Ende der Stunde die Diskussion im Sand verlief. Nachher ging ich zum Lehrveranstaltungsleiter und fragte ihn, wie so ein Ergebnisprotokoll denn genau aussehen sollte; er teilte mir mit, dass selbstverständlich die Aufhebung des Erfordernisses des einen Protokolls für alle Referate, dh rückwirkend, gelte. Wieder war ich am Boden zerstört. Zusätzlich kam ich eine halbe Stunde später nach Hause, fragte Herrn [1] nicht, ob er ein Stammhörer des Sumpfes war, und hatte am nächsten Tag ein furchtbares Erlebnis (wovon später mehr).

Also: Im Sumpf
Weltgunst, Thomas Kapielskis neuestes Buch, erschienen bei Merve, dann Interview mit ihm. Sie lassen ihn von Blixa Bargeld erzählen, fragen ihn so merkwürdig (aber [irgendwas] ist nicht so ihr Ding, nä?), kitzeln aus ihm heraus, dass das beiläufige bei ihm im Zentrum steht - ob der Mann ein weblog hat? Er sagt komische Sachen, sie lesen dann eine Rezension vor, die ihm deswegen politisch die Leviten liest, er beantwortet das irgendwie nicht sonderlich. Sie dann am Schluss: trotz allem empfehlenswert. Und wo sie politischen stehen, sagen sie gleich danach: Das bessere Amerika, das wir immer noch lieben ...

Und jetzt noch der Freitag. Ich musste die Arbeit, die ich an dem Tag endlich abgeben wollte, noch ausdrucken, was abermals bei meinem Vater im Büro passieren musste. Aus welchem Grund auch immer wurden die Seiten einzeln mit einem Intervall von jeweils dreißig Sekunden gedruckt. Mein Vater sah sich also genötigt, ein Gespräch mit mir zu beginnen, konnte es aber schnell wieder beenden, um mich ob der Formatierung meiner Arbeit zu rügen. Die letzten paar Meter zur Schnellbahn stadteinwärts musste ich laufen, was selbstverständlich nicht notwendig gewesen wäre, weil diese noch weitere zwei Minuten in der Station hielt. Auf dem Institut machte ich mich auf den direkten Weg auf die Toilette und entleerte meine Blase; die letzten zwei Tropfen machten eine merkwürdige Tonfolge und ich dachte mir בַּבַּיִת. Was danach kam, erzähle ich später, denn dazu gehört eine schon lange verschleppte Vorgeschichte und um nicht an meinem Referat arbeiten zu müssen, schaue ich mir jetzt die Dokumentation Land ohne Eigenschaften an. Vorsatz für das nächste Jahr: in meine Rubrik gleichen Namens mehr hineinschreiben.

Ende der Durchsage.

[Nachtrag: Peter Turrini steht auf einem Hügel vor Retz: Eigentlich hat die Trapp-Familie ja gewonnen ... Österreich als das Hawaii Europas - das ist der Endsieg. oder so ähnlich]

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Das bin nicht ich. Das ist Bruno Kreisky. Ich für meinen Teil bin 28 Jahre alt und ein kurzsichtiger, wenig- und langsamlesender, aufmerksamkeits- und noch vielgestalt andersgestörter, ungeschickter, linkshändiger, unausdauernder, übergewichtiger, un-unaufgeregter und unkonzentrierter stummer Schwätzer ohne Führerschein (sowie ohne Ehrgeiz, Ziel im Leben, eigene Wohnung, geregeltes oder sonstwie geartetes Geschlechtsleben, usw …), dafür mit unregelmäßigem Bartwuchs und Stoffwechsel sowie dem starken Wunsch, Drängen und Verlangen, der bürgerlichen Gesellschaft doch noch ein Ende zu bereiten (warum dennoch der Sonnenkönig dort oben hängt, darf jeder für sich selbst ausknobeln). In Ermangelung eines besseren ist mein Lebensmotto ‹wenn schon, denn schon›, was angesichts meiner Defizite im menschlichen, zwischenmenschlichen und übermenschlichen Bereich niemanden wundert, der mich kennt. Ich weiß nicht, was ich mit diesem Blog eigentlich will, aber ich schreibe es mit kleineren und größeren Unterbrechungen doch schon seit 2818 Tagen, und so lange es mich noch freut, wird weitergeschrieben. Das letzte Mal hat es hier am 26.04.2012 um 05:27 irgendetwas neues gegeben.
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Ich möchte mich an dieser Stelle ganz aufrichtig bei allen echten Science Fiction Autoren entschuldigen. Sie wissen schon wofür …
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