wenn ich groß bin, werde ich science fiction autor
Mittwoch, 17. Oktober 2007
Was einem so einfällt, wenn die Seminare gar zu ermüdend sind // Ich würde in 100 Jahren nicht das Wort "heteronorm" benutzen // Und ich würde auch nie versuchen, mehr als 10 Seiten Aristoteles in einem einzelnen Referat vollständig wiederzugeben

Zur Definition guter philosophischer Literatur habe ich folgenden Vorschlag: Sie muss Science Fiction anregen oder (noch besser) vorausahnen können. Wie z.B. Aristoteles, wenn er vor fast zweieinhalb Jahrtausenden von der Möglichkeit spricht, dass automatische Maschinen alle anfallende Arbeit erledigen könnten; oder wenn Thomas von Aquin über die Existenz außerirdischen Lebens spekuliert; oder ähnliches.

Analoges sollte dann auch für politische Literatur gelten; so zum Beispiel Lenin, wenn er in Was tun? die mangelnde Professionalisierung der revolutionären Bewegung in Russland bemängelt, und ausführt, was für Vorteile doch die Arbeitsteilung für eine (wie sie bei ihm heißt) Organisation von Revolutionären hat:

Je kleiner die einzelnen "Operationen" der gemeinsamen Arbeit sind, umso eher kann man Leute finden, die fähig sind, solche Operationen auszuführen (und die meist absolut unfähig sind, Berufsrevolutionäre zu werden), und um so schwieriger wird es für die Polizei, alle diese "Teilarbeiter" zu "schnappen", um so schwieriger wird es für sie sein, aus der Verhaftung eines einzelnen Menschen auf Grund irgendeiner Kleinigkeit ein "Verfahren" zu inszenieren, das die Ausgaben der Staatskasse für "Sicherheit" aufwiegt. [Seite 148f in der voltmedia Ausgabe]

Viele Szenarien bieten sich hier an. Beispielsweise könnte man Kafkas Prozeß dahingehend erweitern, dass Joseph K in die Mühlen eines geheimen (revolutionären) Parallelstaates geraten wäre, den er nicht verstehen und dem er auch nicht angehören kann, von dem er aber auch nicht mehr los und zurück zum Normalstaat kann; oder dass die marodierenden Beamten aus William S. Burroughs The Soft Machine Teil eines Staatsapparates sind, der sich mit dem offiziellen Staat einen Guerillakrieg liefert. Oder irgendsoetwas dergleichen. Aber ich bin sicher, dass das schon mindestens einmal jemandem eingefallen ist, der oder die daraus irgendwas brauchbares gemacht hat.

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Das bin nicht ich. Das ist Bruno Kreisky. Ich für meinen Teil bin 28 Jahre alt und ein kurzsichtiger, wenig- und langsamlesender, aufmerksamkeits- und noch vielgestalt andersgestörter, ungeschickter, linkshändiger, unausdauernder, übergewichtiger, un-unaufgeregter und unkonzentrierter stummer Schwätzer ohne Führerschein (sowie ohne Ehrgeiz, Ziel im Leben, eigene Wohnung, geregeltes oder sonstwie geartetes Geschlechtsleben, usw …), dafür mit unregelmäßigem Bartwuchs und Stoffwechsel sowie dem starken Wunsch, Drängen und Verlangen, der bürgerlichen Gesellschaft doch noch ein Ende zu bereiten (warum dennoch der Sonnenkönig dort oben hängt, darf jeder für sich selbst ausknobeln). In Ermangelung eines besseren ist mein Lebensmotto ‹wenn schon, denn schon›, was angesichts meiner Defizite im menschlichen, zwischenmenschlichen und übermenschlichen Bereich niemanden wundert, der mich kennt. Ich weiß nicht, was ich mit diesem Blog eigentlich will, aber ich schreibe es mit kleineren und größeren Unterbrechungen doch schon seit 2715 Tagen, und so lange es mich noch freut, wird weitergeschrieben. Das letzte Mal hat es hier am 11.12.2011 um 23:33 irgendetwas neues gegeben.
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Ich möchte mich an dieser Stelle ganz aufrichtig bei allen echten Science Fiction Autoren entschuldigen. Sie wissen schon wofür …
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