wenn ich groß bin, werde ich science fiction autor
Dienstag, 30. Oktober 2007
Das Patriarchat, lebendig und wohl auf im Philosophie Seminar

"Es kann sich ja aus einem Samen eine Pflanze oder auch ein Tier entwickeln" - die in diesem Satz ausgedrückte und aus der Philosophiegeschichte bekannte Ansicht (dass nämlich der sogenannte Samen des Mannes tatsächlich ein Samen ist somit der Mann das Leben hervorbringt und die Frau es lediglich austrägt - und dabei womöglich noch beschädigt und beschmutzt) ist, außer von den zwei Feministinnen hinten links, vom gesamten Seminar geräuschlos akzeptiert worden.

[Nachtrag 02. November, damit niemand glaubt, dass ich mir das aus der Nase gezogen habe]

Wenn nun die Liebe immer diese ist, sagte sie, auf welche Art und in welcher Handlungsweise gehen im nun diejenigen nach, deren Betrieb und Anstrengung man eigentlich Liebe zu nennen pflegt? Weißt du wohl zu sagen, was für ein Werk dieses ist? - Dann würde ich ja, sprach ich, dich, o Diotime, nicht so bewundern deiner Weisheit wegen und zu dir gehen, um eben dieses zu lernen. - So will ich es dir sagen, sprach sie. Es ist nämlich eine Geburt in dem Schönen, sowohl dem Leibe als der Seele nach. - Man muß weissagen können, sprach ich, um zu wissen, was du wohl meinst, und ich verstehe es nicht. -

So will ich es dir denn deutlicher sagen. Alle Menschen nämlich, o Sokrates, sprach sie, sind fruchtbar sowohl dem Leibe als der Seele nach, und wenn sie zu einem gewissen Alter gelangt sind, so strebt unsere Natur zu erzeugen. Erzeugen aber kann sie in dem Häßlichen nicht, sondern nur in dem Schönen. Es ist aber dies eine göttliche Sache und in dem sterblichen Lebenden etwas Unsterbliches, die Empfängnis und die Erzeugung. In dem Unangemessenen aber kann dieses unmöglich erfolgen; und unangemessen ist das Häßliche dem Göttlichen, das Schöne aber angemessen. Eine einführende und geburtshelfende Göttin also ist die Schönheit für die Erzeugung. Deshalb, wenn das Zeugungslustige dem Schönen naht, wird es beruhigt und von Freude durchströmt und erzeugt und befruchtet; wenn aber Häßlichem, so zieht es sich finster und traurig in sich zusammen und wendet sich ab und schrumpft ein erzeugt nicht, sondern trägt mit Beschwerde seine Bürde weiter. Darum beeifert sich, wer von Zeugungsstoff und Lust erfüllt ist, so sehr um das Schöne, weil es ihn großer Wehen entledigt.

[...]

Die nun, fuhr sie fort, dem Leibe nach zeugungslustig sind, wenden sich mehr zu den Weibern und sind auf diese Art verliebt, indem sie durch Kindererzeugen, Unsterblichkeit und Nachgedenken und Glückseligkeit, wie sie meinen, für alle künftige Zeit sich verschaffen. Die aber der Seele nach, denn es gibt solche, sagte sie, die auch in der Seele Zeugungskraft haben, viel mehr als im Leibe, für das nämlich, was der Seele ziemt zu erzeugen und erzeugen wollen. Und was ziemt ihr denn? Weisheit und jede andere Tugend, deren Erzeuger auch alle Dichter sind und alle Künstler, denen man zuschreibt erfinderisch zu sein. [208e-209a]

[Platon, Symposion, ungefähr 206b-206e und 208e-209a, Übersetzung Schleiermacher]

[Schleiermacher übersetzt εγκυμων mit "zeugungslustig" und das Verb κυεω mit "fruchtbar sein", wörtlich heißt ersteres "schwanger" und zweiteres "schwanger sein", und genau das ist auch gemeint. Ein Mensch (wie sich herausstellt: ein Mann) ist schwanger im Geist oder im Körper; wenn er schwanger ist, will er schöpferisch tätig sein, und zwar im Schönen (andere Übersetzungen ergänzen hier: "in einem schönen Medium"); was das Schöne ist, kommt auf seine Tätigkeit an; will er Gesetze geben, braucht er dazu das richtige Volk, will er Bildung zukommen lassen, braucht er dazu den richtigen Schüler, will er eine Skulptur oder ähnliches schaffen, braucht er das richtige Material, und will er sich fortpflanzen, braucht er dazu die richtige Frau - die dann bloß das Trägermedium seiner Schöpfung ist; ergo: der Mann ist der Urheber von allem, was Gut und Schön ist auf der Welt.]

[Und um zurück zum Anfang zu kommen: wenn man sich die ganze Sache so vorstellt, ist es auch nicht weit hergeholt, sich vorzustellen, dass ein Pflanzensamen dasselbe ist wie tierisches Sperma, und dass aus dem einen wie dem anderen in der entsprechenden "Erde" wieder eine Pflanze oder ein Tier wird.]

... comment



Das bin nicht ich. Das ist Bruno Kreisky. Ich für meinen Teil bin 28 Jahre alt und ein kurzsichtiger, wenig- und langsamlesender, aufmerksamkeits- und noch vielgestalt andersgestörter, ungeschickter, linkshändiger, unausdauernder, übergewichtiger, un-unaufgeregter und unkonzentrierter stummer Schwätzer ohne Führerschein (sowie ohne Ehrgeiz, Ziel im Leben, eigene Wohnung, geregeltes oder sonstwie geartetes Geschlechtsleben, usw …), dafür mit unregelmäßigem Bartwuchs und Stoffwechsel sowie dem starken Wunsch, Drängen und Verlangen, der bürgerlichen Gesellschaft doch noch ein Ende zu bereiten (warum dennoch der Sonnenkönig dort oben hängt, darf jeder für sich selbst ausknobeln). In Ermangelung eines besseren ist mein Lebensmotto ‹wenn schon, denn schon›, was angesichts meiner Defizite im menschlichen, zwischenmenschlichen und übermenschlichen Bereich niemanden wundert, der mich kennt. Ich weiß nicht, was ich mit diesem Blog eigentlich will, aber ich schreibe es mit kleineren und größeren Unterbrechungen doch schon seit 2715 Tagen, und so lange es mich noch freut, wird weitergeschrieben. Das letzte Mal hat es hier am 11.12.2011 um 23:33 irgendetwas neues gegeben.
status
You're not logged in ... login
menu
search
 
calendar
Oktober 2007
Mo
Di
Mi
Do
Fr
Sa
So
 1 
 2 
 3 
 5 
 6 
 7 
 9 
10
11
14
15
19
20
22
23
24
25
26
27
28
29
31
 
 
 
 
 
recent updates
Zusammenfassung der bisherigen...
Ich bin also fertig (und damit Magister der Philosophie)...
by flowo (2011.12.11, 23:33)
Watch This Space
by flowo (2011.12.08, 00:53)
Damit dürfte die...
Oh ja, ich bin ein Gewinner! Teilweise war es nicht...
by flowo (2010.10.21, 02:21)
Jetzt wird es ernst
Sehr ernstIch meine richtig ernstAber ich bin bereit
by flowo (2010.10.20, 00:18)
E. P. Thompson über...
Gestern war in der Jungen Welt ein Artikel über...
by flowo (2010.09.22, 22:37)
nettes
empfohlene schriftarten
etc.
xml version of this page

made with antville

Ich möchte mich an dieser Stelle ganz aufrichtig bei allen echten Science Fiction Autoren entschuldigen. Sie wissen schon wofür …
#1057;