wenn ich groß bin, werde ich science fiction autor
Dienstag, 3. Juni 2008
Und der größte Schmäh daran ist, dass es unser Staatsfunk ist, der das schreibt

Die Lustigkeit der Wurschtigkeit
Für österreichische Künstler ist es recht leicht, im Inland Anerkennung zu finden. Sie müssen dafür nur sterben oder - wie zuletzt etwa Regisseur Stefan Ruzowitky mit seinem Oscargewinn - durch Erfolg im Ausland den Nationalstolzreflex in Betrieb setzen.

Beim Wiener Comic-Zeichner Nicolas Mahler will das nicht funktionieren. Für ersteres ist er - obwohl nach außen hin beeindruckend lethargisch - eindeutig zu lebendig. Die "Oscars" seiner Branche nimmt er dafür mit heim wie andere Leute Frühstückssemmeln.

Außen hui, innen pfui
Dass Mahler in Frankreich geradezu Starstatus genießt und zuletzt etwa eine Ausstellung im Pariser Museum der Dekorativen Künste hatte, Italiens "La Repubblica" genau von ihm Comic-Strips haben will, und sich Schweizer Unis um Gastprofessuren anstellen, fällt da auch nicht mehr ins Gewicht.

Gerade in Deutschland wird Mahlers Humor zudem gern als "typisch österreichisch" eingestuft. Er meinte dazu zuletzt in Erlangen, er würde das gern verneinen, "aber es stimmt nicht". Tatsächlich schöpfen seine Comics aus den vollen Untiefen der österreichischen Seele.

Wie lustig Stillstand sein kann
Seine Figuren bejammern gerne, wie übel ihnen das Leben mitspielt; meistens ist ihnen aber auch das - wie sonst auch fast alles - relativ "wurscht", weil es ja so wichtig nun auch wieder nicht ist. Sehr wichtig dafür: Schnell geht gar nichts, alles braucht seine Zeit.

Manchmal scheint es, als spiele Mahler mit sich das Spiel, wie viel Stillstand ein Comic-Strip vertragen und trotzdem noch lustig sein kann. "Flaschko", der Held seiner gerade prämierten Stripserie, verbringt sein Leben etwa in einer Heizdecke vor dem Fernsehgerät.

Nur ein "Witzezeichner"
Kritiker greifen bei der Beschreibung seiner Arbeit oft zu literarischen Vergleichen. Von Helmut Qualtinger, Thomas Bernhard und Franz Kafka ist da die Rede. Ob ihm das schmeichelt, weiß man nicht: Er selbst gibt als Beruf demonstrativ unkünstlerisch "Witzezeichner" an.

Ein Vergleich mit Karl Kraus drängt sich dennoch auf. Der stellte seinen "Letzten Tagen der Menschheit" die Worte voran: "Die unwahrscheinlichsten Taten, die hier gemeldet werden, sind wirklich geschehen; ich habe gemalt, was sie nur taten."

Das "wirkliche Leben" als Farce
Auch Mahler läuft regelmäßig zu Höchstform auf, wenn er das "wirkliche Leben" als Farce wiedergibt - seien es im Vorübergehen gehörte Konversationsfetzen ("Walk On By") und das eigene Leben ("Kunsttheorie vs. Frau Goldgruber", "die zumutungen der moderne").

Wenn von seinen Wiener Zeichnerkollegen zu hörende Gerüchte stimmen, könnte Mahler demnächst Stoff für eine weitere autobiographische Pointe bekommen. Angeblich soll er demnächst die erste Anerkennung in Österreich bekommen - einen Preis zur Förderung unbekannter Talente.

Links:

  • Nicolas Mahler
  • Nicolas Mahler (Wikipedia)
  • ''Flaschko'' (Bulls Syndication)
  • [Der unbekannteste Star des Landes, ORF.at]

    [Im Interview enthüllt ein Vertreter des Staatsfunks, dass Herr Mahler gelegentlich als Berufsbezeichnung "Science-Fiction-Autor" angibt; und damit ist es einer mehr, der sich von mir als "Kollege" beschimpfen lassen muss]

    ... comment



    Das bin nicht ich. Das ist Bruno Kreisky. Ich für meinen Teil bin 28 Jahre alt und ein kurzsichtiger, wenig- und langsamlesender, aufmerksamkeits- und noch vielgestalt andersgestörter, ungeschickter, linkshändiger, unausdauernder, übergewichtiger, un-unaufgeregter und unkonzentrierter stummer Schwätzer ohne Führerschein (sowie ohne Ehrgeiz, Ziel im Leben, eigene Wohnung, geregeltes oder sonstwie geartetes Geschlechtsleben, usw …), dafür mit unregelmäßigem Bartwuchs und Stoffwechsel sowie dem starken Wunsch, Drängen und Verlangen, der bürgerlichen Gesellschaft doch noch ein Ende zu bereiten (warum dennoch der Sonnenkönig dort oben hängt, darf jeder für sich selbst ausknobeln). In Ermangelung eines besseren ist mein Lebensmotto ‹wenn schon, denn schon›, was angesichts meiner Defizite im menschlichen, zwischenmenschlichen und übermenschlichen Bereich niemanden wundert, der mich kennt. Ich weiß nicht, was ich mit diesem Blog eigentlich will, aber ich schreibe es mit kleineren und größeren Unterbrechungen doch schon seit 2716 Tagen, und so lange es mich noch freut, wird weitergeschrieben. Das letzte Mal hat es hier am 11.12.2011 um 23:33 irgendetwas neues gegeben.
    status
    You're not logged in ... login
    menu
    search
     
    calendar
    Juni 2008
    Mo
    Di
    Mi
    Do
    Fr
    Sa
    So
     
     
     
     
     
     
     2 
     4 
     5 
     6 
     7 
     8 
    10
    11
    12
    13
    15
    16
    18
    19
    20
    21
    23
    25
    26
    27
    28
    29
    30
     
     
     
     
     
     
     
    recent updates
    Zusammenfassung der bisherigen...
    Ich bin also fertig (und damit Magister der Philosophie)...
    by flowo (2011.12.11, 23:33)
    Watch This Space
    by flowo (2011.12.08, 00:53)
    Damit dürfte die...
    Oh ja, ich bin ein Gewinner! Teilweise war es nicht...
    by flowo (2010.10.21, 02:21)
    Jetzt wird es ernst
    Sehr ernstIch meine richtig ernstAber ich bin bereit
    by flowo (2010.10.20, 00:18)
    E. P. Thompson über...
    Gestern war in der Jungen Welt ein Artikel über...
    by flowo (2010.09.22, 22:37)
    nettes
    empfohlene schriftarten
    etc.
    xml version of this page

    made with antville

    Ich möchte mich an dieser Stelle ganz aufrichtig bei allen echten Science Fiction Autoren entschuldigen. Sie wissen schon wofür …
    #1057;