| wenn ich groß bin, werde ich science fiction autor |
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Montag, 29. September 2008
Einige Anmerkungen zur Nachwahl-Elephantenrunde
03:40h — ‹politique mon amour›
[Der Wahlabend zum Nachschauen] Van der Bellen hat die ganze Zeit ausgesehen, als wollte er nur noch ins Bett und dann möglichst schnell in die Pension, hat dann gegen Schluss hin nur noch etwas gesagt, wenn er ausdrücklich gefragt wurde. In seinen Aussagen kam auch die allgemeine Einstellung seiner Partei zum Vorschein: "Wir sind zu gut für dieses Land!" Variationen davon konnte man in der ORF Berichterstattung den ganzen Abend über hören: "Wir sind zu ehrlich", "Wir sind zu g'scheit", "Wir guten, schönen und anständigen Menschen sind halt nur zehn Prozent" Haider hat immer noch einen ziemlichen Hass auf die SPÖ, die er beharrlich "die Sozialisten" nennt, und ganz allgemein auf die 2. Republik, will immer noch unbedingt die 3. (auch wenn er das heutzutage nicht mehr so offen ausspricht), soll heißen: SPÖ, ÖVP, Gewerkschaften, Sozialpartnerschaft weg, und einen starken Mann an die Spitze; er nennt das "modern" bzw "modernes neues Regieren" und sieht die Kategorien links und rechts als veraltet Strache sieht sich selbst in der Mitte, hat trotzdem nicht auf seine seltsamen Wahrheiten vergessen ("30% der Gemeindewohnungen jedes Jahr an nicht-Staatsbürger vergeben"), hält SPÖ und ÖVP für arrogant und präpotent, teilt Lektionen in Demokratie aus, und hätte gerne, dass die SPÖ ihn nicht mehr ausgrenzt Molterer steht immer noch zu seinen Fehlern, wollte noch nicht viel sagen, hat sich zu Anfang noch staatsmännisch gegeben ("mit dem morgigen Tag sind die Probleme nicht einfacher geworden"), war zeitweise schon fast bemitleidenswert niedergeschlagen und wurde gegen Ende recht still Faymann wollte nur "das Streiten" abgewählt sehen, sprach ständig davon, Vertrauen zurückzugewinnen, will nach der Wahl dasselbe zu sagen wie davor, die Leute davon zu überzeugen, dass die SPÖ verstanden hat, und dass mit ihm jetzt alles anders ist (ohne genau zu sagen, was sich eigentlich geändert hat durch ihn) Einige recht bemerkenswerte Aussagen über die Gründe ihres Erfolges sind von Haider und Strache gekommen; verstehen tun sie sie zwar nur ihm Rahmen ihrer beschränkten Weltanschauung, aber sie verstehen sie genau so viel, wie sie sie verstehen müssen, um Wahlen zu gewinnen; wohingegen Faymann manchmal den Eindruck macht, sie zwar verstanden, aber schon wieder halb vergessen zu haben; van der Bellen den, froh zu sein, sie nicht verstehen zu müssen; und Molterer den, es einfach nicht zu kapieren und hysterisch zu werden, wenn er doch einmal mit ihnen konfrontiert wird Auf das unerträgliche Selbstlob van der Bellens und das Lob der jungen Grünwähler, die so unfassbar toll und weltaufgeschlossen sind, im Gegensatz zu den ungebildeten ignoranten Volltrotteln, die zu dämlich sind, ihn zu verstehen, und stattdessen auf Strache hereinfallen, meinte Haider:
Haider (und Strache hat ihm da selbstverständlich herzlichst zugestimmt) biegt das ganze natürlich auf seine Lieblingsthemen Heimat, Kultur, Identität, nationale Interessen runter und sieht die Lösung in der wehrhafteren Vertretung österreichischer Interessen in Brüssel und der standhafteren Verteidigung des christlichen Abendlandes und der Reinhaltung der Rasse, aber das grundlegende Problem haben er und Strache auf ihre Art erkannt: die Ohnmacht gegenüber den großen Entwicklungen, das Aufgeben politischer Handlungsspielräume, dem Molterer und van der Bellen auch noch das Wort reden - beispielsweise als Faymann die Frage gestellt hat, welches Europa man denn haben will, und Molterer schon die Frage an sich als absurd und sinnlos hingestellt hat (an späterer Stelle: "Das ist ihr Verständnis von Europa? Enttäuschend"); auch van der Bellen redet der Ohnmacht gegenüber dem System das Wort, wenn er indirekt sagt, dass wenn die weniger Gebildeten benachteiligt sind, sie doch einfach nur mehr Bildung brauchen, und in typisch bürgerlicher Manier nicht versteht, dass das System gerade darauf beruht, dass es immer die mit Mehr und die mit Weniger gibt, und dass sich die Spirale einfach nur immer höher dreht, und man dann halt nicht mehr mit der Matura zu den Privilegierten mit den guten Jobs gehört, sondern erst mit einem Universitätsabschluss, und wenn dann alle einen haben, dass sich diese Grenze nach oben verschiebt, und man dann eben zwei Abschlüsse braucht, um die guten Jobs zu kriegen, und dass die mit nur einem Abschluss dann die Jobs machen, die man vorher mit Matura gemacht hat - gar nicht zu reden von denen, die auch dann nur Pflichtschulabschluss haben Haider ist nicht wirklich gegen diese Entwicklung - wenn er das Sagen hätte, würde er sie sogar noch fördern - denn er merkt wohl den Verlust des Politischen, aber die Ursache dafür kann er als (trotz allem) Bürgerlicher nicht im Kapitalismus sehen, sondern muss sie in der Kultur suchen; Strache unterscheidet sich da von ihm nur wenig Molterer und van der Bellen reden dieser Verkümmerung des Politischen, das Wort. Sie spielen vor der Öffentlichkeit die Oberlehrer, die die harten Lektionen austeilen, die unbequemen Wahrheiten verkünden, und immer sehr enttäuscht sind von den dummen Leuten, die die Sachzwänge nicht verstehen und sich nicht ihrem Schicksal fügen wollen - und Faymann weiß nicht so recht, was er machen soll Die Linke in ihrer gegenwärtigen Form ist vollkommen unfähig, dem Verlust des Politischen entwas entgegenzusetzen, da sie zu einem guten Teil sogar froh darüber ist, sich damit über die Hintertür der problematischeren Aspekte ihrer Vergangenheit entledigen zu können, und sehr zufrieden damit ist, sich in die allgemeine Rollenverteilung einzufügen, alle Perspektiven auf eine grundlegende Veränderung hinter sich zu lassen, und durch das Heften an die Marginalisierten den Traum von einer besseren Welt ohne die Gefahr der Verwirklichung träumen zu können ... comment |
![]() Das bin nicht ich. Das ist Bruno Kreisky. Ich für meinen Teil bin 27 Jahre alt und ein kurzsichtiger, leseschwacher, besserwisserischer, aufmerksamkeitsdefizitärer, ungeschickter, linkshändiger, unausdauernder, übergewichtiger, un-unaufgeregter, unkonzentrierter und unangenehmer Schwätzer ohne Führerschein (sowie ohne Ehrgeiz, Handy, Ziel im Leben, Job, eigene Wohnung, …), dafür mit unregelmäßigem Bartwuchs, schlechter Verdauung und dem Wunsch, dem Kapitalismus ein Ende zu bereiten (der Sonnenkönig hängt dort oben wegen seines Gesichtsausdrucks und weil er mein erster und bisher bester Kanzler war). Mein Lebensmotto ist ‹wenn schon, denn schon›, was angesichts meiner Defizite im menschlichen, zwischenmenschlichen und übermenschlichen Bereich niemanden wundert, der mich kennt. Ich tue was ich hier tue schon 2196 Tage. Das letzte Mal hat es hier am 17.08.2010 um 01:07 irgendetwas neues gegeben. status
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