| wenn ich groß bin, werde ich science fiction autor |
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Donnerstag, 9. April 2009
NEW //Hoffentlich fällt ihnen rechtzeitig auf, dass man mit so einem Wirtschaftsprogramm Wahlen gewinnt//
03:27h — ‹wenn das marxismus ist ...›
Teile der SPÖ erinnern sich mal wieder, was es mit dem ersten Buchstaben des Parteinamens auf sich hat, und schon glauben alle, dass da wieder wer mit dem Klassenkampf anfangen will und der Kommunismus vor der Haustür steht. Die üblichen Verdächtigen eilen also sofort zur Verteidigung der Ihren, und ein bekannter Zeitungsschreiber wirft sich ins Zeug für seine Leserschaft, also die, die halt etwas mehr verdienen, als man für ein Haus, ein oder zwei Autos, den einen oder anderen Großbildfernseher, das eine oder andere größere Haustier, und noch die eine oder andere unbedingte Lebensnotwendigkeit braucht; die sich halt ein bisschen etwas erspart haben, ein paar Hunderttausend Euro nur, nichts großes halt; eben die Leistungsträger, für die man die guten Zeitungen druckt; also nicht die parasitäre knappe Hälfte der Bevölkerung, die keine Einkommenssteuer zahlt; die Schnorrer und Wettbewerbsuntauglichen, die den unschicklichen Geschmack haben, und die unschicklichen Parteien wählen. Nein, die nicht. Die werden ja von den feigen Politikern umschmeichelt, was für eine Frechheit das ist! Deshalb muss sich also der bekannte Zeitungsschreiber für die einsetzen, für die sonst niemand ein Herz hat, nämlich die allseits ungeliebten Vermögenden. Es ist eine grausame und unverständliche Welt, in der der bekannte Zeitungsschreiber für Anstand und Vernunft eintritt. Er hat natürlich keine Ahnung, und in seiner vehementen Verteidigung der Begüterten gegen die (wollen wir es hoffen) wiedererwachende Sozialdemokratie leugnet er eine Eigenschaft, die dem Kapitalismus innewohnt und deren Auswirkungen wir jetzt gerade nach langer Abwesenheit mal wieder zu spüren bekommen. Ganz wichtig im Voraus zu sagen: Was hier mit Vermögen gemeint ist, was dieser Freund der Vermögenden für so wichtig und schützenswert erachtet, ist eine Form von Kapital, deren Erträge mehrheitlich weder in Konsum noch in Investitionen fließen, sondern zur Vermehrung derselben Art von Kapital dienen - Vermögen dient ja schließlich der weiteren Vermögensbildung, und wenn man glaubt, dass Vermögensbildung über die Bildung von Vermögen geht (und nicht etwa über produktive Investitionen in die sogenannte Realwirtschaft), dass also Geld nicht nur bildlich gesprochen sondern tatsächlich einfach so immer mehr Geld gebiert, dann gibt es ein Problem. Denn um Vermögen aufzubauen, muss zuallererst Einkommen abgezweigt werden, das sonst ausgegeben (d.h. verkonsumiert) oder investiert werden würde, was schon einmal die Nachfrage schwächt - das ist auch der Grund, warum es nicht nur gerecht, sondern auch vernünftig ist, hohe Einkommen hoch zu besteuern, und Leute mit wenig oder gar keinem Einkommen finanziell zu unterstützen. Wenn Vermögen aber erst einmal aufgebaut ist, beginnt es sich sehr schnell zu vermehren; wenn jedes Jahr die gleiche Summe für Vermögensbildung zur Verfügung steht, wächst das Vermögen (sofern nichts entnommen wird) um diesen Betrag plus die Erträge, die das bereits vorhandene Vermögen (auf mysteriösen Wegen) erwirtschaftet hat, und wenn besagte Vermögen mitsamt besagten Erträgen schneller wachsen als die Gesamtwirtschaft (was in den letzten Jahrzehnten die meiste Zeit der Fall war), muss auf verschiedenen Wegen immer mehr Einkommen zur Erhaltung und Mehrung dieser Vermögen abgezweigt werden, was die Nachfrage immer weiter schwächt. //Die vielen Wege, das Einkommen abzuzweigen, können hier nicht alle aufgezählt werden, aber im Großen und Ganzen läuft es auf immer höhere Verschuldung hinaus// Ein möglicher Weg, die Vermögen überdurchschnittlich wachsen zu lassen, ohne dass die Nachfrage wegbricht, ist der vermehrte Export. Das Problem dabei ist offensichtlich: wenn die Zielländer dieselbe Wirtschaftsstruktur haben, werden auch diese Länder auf den Export setzen; es gibt also einerseits ein Exportwettrennen, das die „wettbewerbsfähigsten” Länder gewinnen, und das bedeutet in erster Linie: niedrige Löhne, was die Inlandsnachfrage erst Recht nach unten treibt; andererseits gibt es einen großen Druck, neue Märkte zu öffnen, was durchaus auch mit Gewalt durchgesetzt werden kann (auch, aber nicht ausschließlich, mit militärischer Gewalt); eine weitere gute Möglichkeit, die Nachfrage aufrechtzuerhalten, ist die oben erwähnte immer höhere Verschuldung Irgendwann ist aber auch das ausgereizt, und da die Vermögen (und mit ihnen die Verschuldung) weiter steigen, kommt es irgendwann dazu, dass ein einzelnes Vermögen eine solche Größe erreicht hat, dass es aus den laufenden Einkommen nicht mehr bedient werden kann - welche Grenze hier genau erreicht wird, kommt ganz auf die Situation an; im konkreten Fall haben die Hauspreise in den USA eine solche Höhe erreicht, dass die zur Aufrechterhaltung dieses speziellen Vermögens erforderlichen Wachstumraten selbst mit aller Gewalt (d.h. mit allem Kreditbetrug) nicht mehr gehalten werden konnten (warum und inwiefern in den USA Einfamilienhäuser Vermögen sind, ist eine etwas längere Geschichte); es kommt dann im schlimmsten Fall (den wir gerade erleben) zu einer Kettenreaktion, da das Vermögen, das in den Einfamilienhäusern steckt, Einkommen generiert (nämlich Zinszahlungen), aus dem sich andere Vermögen speisen, die wiederum das Einkommen für andere Vermögen aufbringen, die wiederum usw. usw. Bricht also der unterste Einkommensstrom zusammen, d.h. werden die Hypotheken auf die Häuser in ausreichendem Maß nicht mehr bedient, werden Wertpapiere, die auf diesen Zinszahlungen basieren, praktisch wertlos, was wiederum Papiere wertlos macht, die auf diesne Papieren basieren, usw. usw. Sind diese Vermögen schließlich irgendwann alle in ausreichendem Maße vernichtet worden, und sind weiterhin die (gigantischen) Schulden, über die diese Vermögen im Endeffekt gespeist wurden, abgetragen, kann die sogenannte Realwirtschaft (die, wie wir sehen können, von dieser Vermögensvernichtung nicht unbeeindruckt geblieben ist) wieder wachsen, die ganze Sache geht wieder von vorne los und die Vermögensbildung kann munter weiter gehen - wenn nicht die anstehende Explosion des Ölpreises die ganze Sache durcheinanderbringen würde (und da nicht noch ein paar andere dem Kapitalismus innewohnende Entwicklungen wären, die alles noch weiter verkomplizieren) Kurz gesagt: eine vernünftige Wirtschaftspolitik verhindert so gut es geht das Wachstum von Vermögen, bekämpft die Armut, indem sie Einkommen umverteilt, steuert den Großteil der Investitionstätigkeit, und macht noch ein paar andere Dinge im Interesse der Allgemeinheit Und eine vernünftige linke Bewegung arbeitet weiterhin dafür, den Kapitalismus, der nur mit einem solchen Maß staatlicher Kontrolle vor sich selbst gerettet werden kann, und dann immer noch die Gesellschaft mehr und mehr auseinanderreißt, endlich zu überwinden ... comment |
![]() Das bin nicht ich. Das ist Bruno Kreisky. Ich für meinen Teil bin 28 Jahre alt und ein kurzsichtiger, wenig- und langsamlesender, aufmerksamkeits- und noch vielgestalt andersgestörter, ungeschickter, linkshändiger, unausdauernder, übergewichtiger, un-unaufgeregter und unkonzentrierter stummer Schwätzer ohne Führerschein (sowie ohne Ehrgeiz, Ziel im Leben, eigene Wohnung, geregeltes oder sonstwie geartetes Geschlechtsleben, usw …), dafür mit unregelmäßigem Bartwuchs und Stoffwechsel sowie dem starken Wunsch, Drängen und Verlangen, der bürgerlichen Gesellschaft doch noch ein Ende zu bereiten (warum dennoch der Sonnenkönig dort oben hängt, darf jeder für sich selbst ausknobeln). In Ermangelung eines besseren ist mein Lebensmotto ‹wenn schon, denn schon›, was angesichts meiner Defizite im menschlichen, zwischenmenschlichen und übermenschlichen Bereich niemanden wundert, der mich kennt. Ich weiß nicht, was ich mit diesem Blog eigentlich will, aber ich schreibe es mit kleineren und größeren Unterbrechungen doch schon seit 2716 Tagen, und so lange es mich noch freut, wird weitergeschrieben. Das letzte Mal hat es hier am 11.12.2011 um 23:33 irgendetwas neues gegeben. status
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