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Niederschlagende Wochenendlektüre
Mit ernsten Mienen sitzen die Experten um den runden Tisch und beratschlagen, was am besten für eine sei. Der Fitnesstrainer ist entsetzt: schrecklich außer Form, also ausdauernd laufen, viel Workout. Der Schönheitschirurg überlegt: Erst ein kleiner Schnitt in die Brust, ein Implantatchen, straffen, dann Fettabsaugen an Bauch und Po, ebenfalls straffen, und später noch die Oberschenkel in Form bringen. Die Psychologin wägt ab: Selbstbewusstsein im Keller, Komplexe über Komplexe, daher intensives Motivationscoaching, zur Entspannung Qigong. Der Zahnarzt lächelt: erstens Zähne regulieren, zweitens Zahnfleischerneuerung, drittens bleichen. Die Ernährungsberaterin entscheidet: Diät, Schonkost, überdies Schluss mit dem Rauchen. Die Experten haben gesprochen. Sie sind sich einig, wie aus einem hässlichen und niedergeschlagenen Entlein ein prächtiger Schwan werden kann. Damit es niemand vergisst, wird das So-nicht-Bild der Umzumodelnden auf den Bildschirm projiziert. Die Problemzonen sind rot eingekreist, daneben werden stichwortartig die Behandlungsmethoden aufgelistet. Wer sich einmal in der Vormittagswelt der deutschen Privatsender verfängt, wird in dieser Form der Blendung und wechselseitigen Verblendung etwas anderes finden: ein Zurichtungsfernsehen, das direkt aufs Leben zielt, ein im Wortsinne perverses Bildungsfernsehen. Pervers heißt ja nichts anderes, als sich zum Mittel eines heterogenen Zwecks zu machen. Dieser Zweck ist die kapitalistische Verwertung, die Aneignung fremder Arbeitskraft und -zeit, von Wissen und, wie man heute sagt, sozialer wie emotionaler Intelligenz. Unter dem Bildungsauftrag, den die privaten von den staatlichen Sendern übernommen und in einen streng ökonomischen verwandelt haben, heißt das: Einschulung via Telekommunikation ins Mittelwerden, Installierung von Selbstkontrolle, Einübung in den Konformismus. Dieser Bildung geht es um das genaue Gegenteil von Entfaltung, Kontakt zu sich oder zweckfreiem Aneignen von Kultur und Wissen, um sich von heterogenen Zwängen zu emanzipieren. [...] Die problematischen Kandidatinnen von The Swan kommen seit Jahren in ein Camp, in dem es bis auf weiteres nur blinde Spiegel gibt. Sie sollen vergessen, wie sie einmal ausgesehen haben. Der Plan ist ins Werk gesetzt, auf geht es zu den ersten Operationen, zum Workout, zum mentalen Training. Der Diskurs der Experten weist den Weg: Wo Problemzone war, soll Reibungslosigkeit werden. Die Umzumodelnde soll für die Anforderungen des verschärften Wettbewerbs fit gemacht werden, um nicht auf der Strecke zu bleiben und zur Belastung des Sozial- und Gesundheitswesens zu werden. Das ganzheitliche Programm zielt auf körperliche Normalisierung, wobei die Norm dem gekreuzten Blick von Schönheits- und Gesundheitsökonomie geschuldet ist sowie auf psychische Belastbarkeit. Das Ich soll Mittel zum Zweck der Ökonomie werden, einsetzbar, wo immer es im stotternden Produktionsprozess gerade gebraucht wird. Die Qualen und die konsequente Arbeit auf dem Weg zum rundum erneuerten und höher notierten Ich sollen als unausweichliche und von nun an dauerhafte Anstrengung verinnerlicht werden. Dabei wird die Kandidatin nicht für "den Mann" umgewandelt; die meisten Kandidatinnen haben Familie. Sie wird fürs Bewerbungsgespräch ausgebildet. Da geht es um Selbstpräsentation, um gewinnendes Auftreten - da kommt die vermaledeite Psyche ins Spiel, die ein für alle Mal zu begreifen hat, dass alle Probleme ausnahmslos in ihr selbst verschlossen seien. Aber Körper und Geist aufzupolieren kostet nicht nur Anstrengung, sondern in erster Linie Geld. Lässt man sich beim Umbau filmen, ist er kostenlos; seitdem eine Regulierung der Zähne, wie Gesundheit überhaupt, wieder mehr als etwas kosten soll, keine Selbstverständlichkeit. So wird das Schönheits- zum Resozialisierungsprogramm. Das Fernsehen als moralische Anstalt, als Besserungsanstalt: Wie ich ein nützliches Mitglied des menschlichen Marktes werde. [...] Dergestalt erscheint der Mensch als heillos verlorenes Mängelwesen, das mit seiner Zeit nicht Schritt halten kann. Ist der alte Mensch zu schlecht für die neue Form des Kapitalismus? Nachdem der sich zu transformieren begonnen, seine Aufmerksamkeit von der industriellen auf die immaterielle Produktion verschoben hat, müssen sich die vielen transformieren. Die Widerspenstigen müssen sich eben transformieren lassen. Zu unflexibel, zu träge, zu wenig Selbstbeherrschung - der zeitgenössische Mensch scheint für sein Wirtschaftssystem immer ungeeigneter zu sein. Was man im Kalten Krieg gegen den sogenannten Kommunismus ins Treffen führte, dass der Mensch nicht für ihn geschaffen sei, kehrt sich heute gegen das, was mit Neoliberalismus unscharf umrissen ist. Unter den Augen der vielen sollen nichtfunktionierende Individuen zu neuen Menschen gemacht werden, um den Anforderungen der Jetztzeit gewachsen zu sein. Die Anrufung ergeht an die, die noch immer auf der Couch liegen: Auch ihr könnt es schaffen! Nur wenn ihr nicht bereit seid, euch so zu ändern, dass aus euch brauchbare Mitglieder des menschlichen Marktes werden, fallt ihr aus der virtuellen Gemeinschaft der Zählenden. [Clemens Berger, Suche nach neuen Menschen, Der Standard, 22./23. August 2009]
Dem ist eigentlich nur noch hinzuzufügen, dass dieses Phänomen auch in der „Hochkultur” seine Entsprechung findet; etwa in Form des Buches »Du mußt dein Leben ändern« des „Philosophen” (ein Rezensent nannte ihn zutreffender „Bundestrainer”) Peter S., der nur noch knapp davon entfernt ist, die Vernichtung der Unnötigen zu fordern. Natürlich ist die „hochkulturelle” Version der Anpassung der Unterschichten an die wechselnden Erfordernisse des Kapitalismus wesentlich anspruchsvoller - ein einfaches „Es ist halt so und da kann man nun mal leider Gottes nichts machen” reicht da nicht. Da braucht es einen nietzscheanischen Kapitalismus, zu dem im Falle des Peter S. noch - um die geplagten Leiber und Seelen der geneigten Damen und Herren Leistungsträger geschmeidig zu erhalten - die Techniken des Selbst des altindischen Bürgertums kommen. Zu den Techniken des Selbst des altindischen Bürgertums ist nicht viel zu sagen. Es sind die Praktiken und Ideologien eines Bürgertums, das - wie man früher gesagt hat - „historisch versagt” und sich ganz auf sich selbst zurückgezogen hat. Optional ist eine Kosmologie, die die bestehenden Eigentums- und Machtverhältnisse (und damit die - trotz der schmerzlich empfundenen individuellen Machtlosigkeit - privilegierte Stellung dieses Bürgertums gegenüber dem gewöhnlichen Volk) rechtfertigt und das nicht-Handeln zur obersten Tugend erklärt. Die Grundzüge des zunehmend beliebteren nietzscheanischen Kapitalismus sind schnell aufgezählt: Gleichheit und andere politische Ideale sind etwas für Schwächlinge, zeugen von der Sklavenmoral etc. erdrücken das wahre schaffende Individuum usw.; die wahre Schaffenskraft des (gewöhnlichen) Individuums erschöpft sich in der Lohnarbeit; jedes Einkommen egal wie hoch oder niedrig ist per Definition gerecht, weil durch gerechten Tausch zustandegekommen (ergo: die Reichen sind zu recht reich und die Armen sind zu recht arm); der Sozialstaat und diese widerlichen Gewerkschaften behindern diesen gerechten Tausch und stehen so der vollen Entfaltung des Kapitalismus entgegen, der an sich zu Stabilität und Vollbeschäftigung tendiert; die Förderung der eigenverantwortlichen Entwicklung der Individuen erfordert es daher, den Sozialstaat komplett abzubauen und die vom Kapitalismus produzierte menschliche Ausschussware (auch in deren eigenem Interesse) voll und ganz sich selbst und der Disziplinierung durch den Markt zu überlassen. -- Bei Bedarf (wie das anscheinend bei Peter S. hin und wieder der Fall ist) gibt man - wenn es unbedingt sein muss - auch zu, dass der Kapitalismus an sich nicht zur Vollbeschäftigung tendiert, und auch nicht allzu stabil ist, aber das ändert dann auch nicht mehr viel - Revolution der Besitzenden! Krieg gegen die Unproduktiven! //Wer es nicht glaubt, der Suchbegriff lautet: „Die Revolution der gebenden Hand” - aber Vorsicht! - das ist wirklich und ehrlich höherer Schwachsinn, nach dessen Lektüre man weniger weiß als vorher; was Herr S. da von der linken Theorie des Eigentums daherschwafelt, ist komplett an den Haaren herbeigezogen bzw. schlicht gelogen// Wer von diesem degenerierten Subjekt nicht genug bekommen kann, kann in der Jubiläumsausgabe der Zeitschrift »Das Argument« einen langen Artikel von Jan Rehmann und Thomas Wagner über „Sloterdijks Weg vom Zynismus-Kritiker zum Herrschaftszyniker” lesen. Einige Ausschnitte: Schon damals lassen sich jedoch Ansatzpunkte identifizieren, an denen sich der Umschlag von der Zynismuskritik zum zynischen Umgang mit Texten und Ideen andeutet. Einer davon ist ein Anti-Marxismus, der den sowjetischen Gulag nach dem Muster der ›Nouveaux Philosophes‹ auf das »marxsche Wissen« zurückzuführen versucht. Dieses sei trotz mancher emanzipierender Aspekte in seinem Streben nach »Herrschaft über die Dinge« von vornherein »Herrschaftswissen« gewesen (1983, 185). Hierzu macht Sloterdijk sich Althussers These von einem »Bruch« zwischen dem frühen (humanistischen) und dem späten (historisch-materialistischen) Marx zu eigen, re-interpretiert ihn aber als einen zwischen einer »kynisch-offensiven, humanistischen, emanzipatorischen Reflexion und einer objektivistischen herrenzynischen Reflexion« (187), einer »staatsmännischen« und »großtheoretischen« Seite, die die »linke«, »revoltische« Seite niederdrücke (190). Diese »Selbstverdinglichung« wird als eine Art exterminatorische Gewalt geschildert – in seiner Polemik gegen Stirner und Bakunin gehe Marx z.B. »über Leichen« (189) –, so dass der Leser nicht mehr verwundert ist, wenn Sloterdijk hier bereits die Moskauer Schauprozesse mit ihren falschen Geständnissen angelegt sieht (195f). In seinem Eifer, die Grenzen zwischen Polemik und physischer Vernichtung einzureißen, schreckt er auch nicht vor der vulgären Psychologisierung zurück, den Bruch bei Marx unmittelbar mit Althussers psychotischer Persönlichkeitsspaltung zu assoziieren und für den Mord an seiner Frau Hélène verantwortlich zu machen (186f), so dass er ihn als einen »Nachtrag zur Psychopathologie des Marxismus« allgemein deuten kann (197). Als einzige philologische Belegstelle für die »zynische Tendenz« bei Marx zitiert Sloterdijk einen Satz aus einem Brief von Marx an Ruge aus den Deutsch-Französischen Jahrbüchern: »›... der Kommunismus hat andere sozialistische Lehren ... nicht zufällig gegen sich entstehen sehen, weil er selbst nur eine besondre, einseitige Verwirklichung des sozialistischen Prinzips ist.‹ (MEW 1, S. 344)« (1983, 197). Sloterdijk schlussfolgert, dass ein Wissen, das bewusste Einseitigkeit als Wahrheit ausgebe, von einem »ungeheuren Willen zur Macht zerfressen« sei und damit sein eigenes »Pathos der Erkenntnis« dementiere (ebd.). Freilich beruht dieser Versuch, den ›wirklichen‹ Marx mit Hilfe des nietzscheschen »Willen zur Macht« zu verstehen, auf einer sinnverkehrenden Zitatmanipulation. Denn der als »einseitig« bezeichnete Kommunismus ist im Originalzitat der »Kommunismus, wie ihn Cabet, Dézamy, Weitling etc. lehren«, d.h. eine »dogmatische Abstraktion«, von der Marx sich gerade abgrenzt, weil er es ablehnt, »dass wir eine dogmatische Fahne aufpflanzen«. Stattdessen fordert er die »rücksichtslose Kritik alles Bestehenden« (MEW 1, 344): »Wir treten dann nicht der Welt doktrinär mit einem neuen Prinzip entgegen: Hier ist die Wahrheit, hier kniee nieder! Wir entwickeln der Welt aus den Prinzipien der Welt neue Prinzipien.« (345) Text und Interpretation stehen also in diametralem Gegensatz: Die »Einseitigkeit«, mit deren Hilfe Sloterdijk eine philosophische Gemeinsamkeit mit dem Faschismus zu belegen versucht (1983, 197), wird von Marx selbst als »Dogmatismus« abgelehnt, und zwar im Namen einer Kritik, die Sloterdijk soeben noch als »linke, revoltische, vitale, [...] ›kritizistische‹ Seite«, ja sogar als »letztlich ›weiblichen‹ Teil seiner Intelligenz« gerühmt hat (190). [...] Die Passagen zeigen exemplarisch, wie Sloterdijk es bewerkstelligt, den globalisierten Kapitalismus, den er im Gestus radikaler Illusionslosigkeit vorstellt, zugleich zu einer Schicksalsmacht zu erhöhen, die gegen jede theoretische und praktische Kritik abgesichert ist. Wie er selbst erklärt, ist die philosophische »Lagebesprechung«, die er zunächst als Ausstieg aus dem philosophischen Elfenbeinturm eingeführt hat, »an die Stelle der Kritik getreten« (218). Dies hängt mit seiner Entscheidung zusammen, den kapitalistischen »Kristallpalast« als Endzeit zu bestimmen. Tatsächlich hat er sich Fukuyamas triumphalistischer Ideologie eines »Endes der Geschichte« angeschlossen: Nur die »terrestrische Globalisierung« verdiene es, in einem philosophisch relevanten Sinn »Geschichte« oder »Weltgeschichte« genannt zu werden, denn nur hier vollziehe sich die Geburt des Weltsystems, das Drama der Erschließung der Erde, und zwar im Modus erfolgreicher kolonial-imperialistischer »Einseitigkeit« (28, 246ff). Mit der elektronischen Globalisierung seien wir in die »Nachspielzeit« der Posthistoire eingetreten. Die geschichtemachende Potenz der europäischen Expansionsträger sei erloschen (258), an die Stelle der einseitigen Erstschläge, Ausfahrten, Übergriffe seien die »Rückkoppelungen« und »Nebenwirkungen« getreten: jetzt gebe es nur noch Weltnahme als »Selbstzurücknahme«, ein Netzwerk wechselseitiger Hemmungen, die jede einseitige Aggression ausschließe (23f, 258, 296). Geschichte werde zum Schnee von gestern (259), weil das Weltsystem sich nun als »Komplex von rotierenden und oszillierenden Bewegungen« stabilisiere, »die sich aus eigenem Schwung erhalten« (217). Wer von Globalisierung spreche, könne daher »ebensogut vom ›Schicksal‹ reden« (218), und diesem könnten sich die Globalisierungskritiker ebenso wenig entziehen wie die Gegner der Erdrotation sich dagegen wehren könnten, »den täglichen Umlauf des Bodens unter ihren Füßen mitzumachen« (219). [...] Es ist ein zynischer Blick, der hier von oben auf die Bewegungen und Organisationen der Beherrschten geworfen wird. Schon Nietzsche hatte seinen Ressentimentbegriff so angelegt, dass er sich auf die verschiedensten Haltungen widerständiger oder ausharrender Handlungsfähigkeit von unten überhaupt ausdehnte. Nach dieser Vorlage führt auch Sloterdijk jedes Aufbegehren von unten, jede Hoffnung auf Erlösung, jeden Traum vom besseren Leben auf die Sublimierung von Hass und Rache zurück. Wenn er den Zornigen, der sich vorläufig zurückhält, für den ersten hält, »der weiß was es bedeutet, etwas vorzuhaben« (97), hat er die menschliche Antizipations- und Projektfähigkeit selbst ins zurückgestaute Ressentiment aufgelöst. Ein Engagement aus Lebensbejahung und Liebe ist für ihn von vorneherein undenkbar. Sobald er bei Engels, bei Rosa Luxemburg und anderen Revolutionären auf Haltungen einer »militanten Heiterkeit« stößt, muss er sie sofort zum bloßen Zorn-Mittel degradieren: Wenn die Heiterkeit ein Bündnis mit dem Aufruhr schließt, dann »um diesem sein Geschäft zu erleichtern« (175). Marx hatte wiederum eine »von Hass und Ressentiment geprägte Persönlichkeitsstruktur« und »Zorn genug, dass es für alle, die in seine Spuren treten wollten, reichen sollte« (205f). Nachdem Sloterdijk den Gerechtigkeitsbegriff aus der »jüdischen Zornschaftsbildung « abgeleitet hat (136), kann er schließen: »Wo der Neid das Gewand der sozialen Gerechtigkeit überstreift, kommt eine Lust an der Herabsetzung zum Zuge, die schon die Hälfte der Vernichtung ist.« (257) [...] Sloterdijk offenbart eine atemberaubende Fähigkeit, die geschichtlichen Zusammenhänge in ihr Gegenteil zu verkehren. Während er führende Intellektuelle der ›Konservativen Revolution‹, die sich im unmittelbarsten Sinne als ideologische Wegbereiter des Faschismus betätigt haben, als Vordenker für heutige Weltprobleme zu rehabilitieren versucht14, beschuldigt er die westliche Linke nach 1945, sie spielte das Spiel des Antifaschismus, um von ihrer Mitschuld an den Verbrechen des Stalinismus abzulenken (2006, 259). Aber während die Linken im globalisierten Kapitalismus über keine zentrale »Zornbank« mehr verfügen, hat er für die Projektion der eigenen Hasspotenziale schon die neuen Feindbilder ausgemacht: die »negative Grundsuppe«, die der Vandalismus der Pariser Banlieue Unruhen an die Oberfläche gebracht hätte (329), die »von zornigen jungen Männern überbevölkerten Staaten des Nahen und Mittleren Orients und anderswo« (71), die von dort in unseren ›Weltinnenraum‹ eindringenden »versteinerten Gaststudenten«, die sich in den Vorstädten »den Sprengstoffgürtel um[schnallen]« (75), die »Sammlungsbewegungen der kampfbereiten Unzufriedenen und der energischen Überflüssigen« (68f). Sloterdijk gibt zu verstehen, dass man angesichts dieser Bedrohungen auf militärische Lösungen wohl nicht verzichten können wird: »Selbst Kenner der Lage besitzen heute nicht die geringste Vorstellung davon, wie der machtvoll anrollende muslimische youth bulge, die umfangreichste Welle an genozidschwangeren Jungmännerüberschüssen in der Geschichte der Menschheit, mit friedlichen Mitteln einzudämmen wäre.« (347) Sloterdijk hat die pseudokritisch offengelegte soziale Apartheid des »Weltinnenraums « zu seinem eigenen Anliegen gemacht. Was Nietzsche als sozialen Träger der jüdisch-christlichen Ressentimentmoral ausgemacht hatte, nämlich eine internationale Tschandala in Gestalt »einer Gesamtbewegung der Ausschuss- und Abfalls-Elemente aller Art« (KSA 6, 231), findet der Nietzscheaner des 21. Jahrhunderts in der sozialen Basis des politischen Islams wieder: »ein aufgebrachtes Subproletariat [...], schlimmer: eine desperate Bewegung aus ökonomisch Überflüssigen und sozial Unverwendbaren« (2006, 347). [Jan Rehmann und Thomas Wagner, „Sloterdijks Weg vom Zynismus-Kritiker zum Herrschaftszyniker”, Das Argument 280]
Hoffentlich hat irgendwann demnächst jemand den Mut (und die Argumente), diesen Dreckssack hochöffentlich dorthin zu stellen, wo er hingehört. Herr Kehlmann? Herr Menasse? Herr Köhlmeier?
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Das bin nicht ich. Das ist Bruno Kreisky. Ich für meinen Teil bin 28 Jahre alt und ein kurzsichtiger, wenig- und langsamlesender, aufmerksamkeits- und noch vielgestalt andersgestörter, ungeschickter, linkshändiger, unausdauernder, übergewichtiger, un-unaufgeregter und unkonzentrierter stummer Schwätzer ohne Führerschein (sowie ohne Ehrgeiz, Ziel im Leben, eigene Wohnung, geregeltes oder sonstwie geartetes Geschlechtsleben, usw …), dafür mit unregelmäßigem Bartwuchs und Stoffwechsel sowie dem starken Wunsch, Drängen und Verlangen, der bürgerlichen Gesellschaft doch noch ein Ende zu bereiten (warum dennoch der Sonnenkönig dort oben hängt, darf jeder für sich selbst ausknobeln). In Ermangelung eines besseren ist mein Lebensmotto ‹wenn schon, denn schon›, was angesichts meiner Defizite im menschlichen, zwischenmenschlichen und übermenschlichen Bereich niemanden wundert, der mich kennt. Ich weiß nicht, was ich mit diesem Blog eigentlich will, aber ich schreibe es mit kleineren und größeren Unterbrechungen doch schon seit 2715 Tagen, und so lange es mich noch freut, wird weitergeschrieben. Das letzte Mal hat es hier am 11.12.2011 um 23:33 irgendetwas neues gegeben.
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Ich möchte mich an dieser Stelle ganz aufrichtig bei allen echten Science Fiction Autoren entschuldigen. Sie wissen schon wofür …
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