wenn ich groß bin, werde ich science fiction autor
Donnerstag, 27. August 2009
Mehrdeutiger Spruch des Tages: „Eine Welt, in der es Leute wie mich gibt, steht nicht mehr lange”

Die Krise schreitet weiter voran, und in den Medien wird Stimmung gemacht von wegen das Schlimmste sei bereits vorbei, ab jetzt könne es nur noch bergauf gehen ...

Dabei werden jedoch einige Dimensionen unterschätzt. Selbst wenn der Finanzsektor und andere Wirtschaftsbereiche zunächst stabilisiert werden, bleiben enorme Überkapazitäten in wichtigen Branchen. Das produktivistische Dogma - Produktion für den Weltmarkt als höchste Priorität - wird zum Strukturproblem, wenn die Verschuldungsspirale des Importweltmeisters USA nicht mehr in den Himmel wächst.

[...]

Übersehen wird meist der Kern der Krise, nämlich ihr multipler Charakter. Wir erleben eben nicht nur eine Finanz- und Wirtschaftskrise mit höchst unterschiedlichen Auswirkungen auf verschiedene Bevölkerungsgruppen, sondern die geht einher mit einer Energie- und Klimakrise sowie mit einer Ernährungskrise.

[...]

Ein Kennzeichen der Krisenregulierung ist, dass sie von den ökonomischen und politischen Eliten entworfen und vorgenommen wird. Die lassen sich ihre Interessen kaum infrage stellen. Die Kosten der Krise werden so ungleich verteilt werden, wie die gesellschaftlichen Machtverhältnisse sind. Deshalb sind alternative Krisendeutungen und weitergehende, der multiplen Krise angemessene Vorschläge kaum zu hören. Der Finanzmarktkapitalismus wird auch nach der Krise ein solcher sein. Wenn nicht die gesellschaftlichen Macht- und Kräfteverhältnisse und die damit verbundenen Interessenkonstellationen sich grundlegend ändern.

Die aktuellen Krisenpolitiken sind zudem strukturkonservativ und führen - wie immer in Krisen - zur Konzentration von Unternehmen und damit auch von Macht. Opel und Magna, Lufthansa und AUA lassen grüßen. Es gibt kaum Diskussionen und politische Initiativen für einen Umbau der Produktion und entsprechenden Konsum- und Lebensweisen. Bei einer jährlichen Überproduktion von weltweit etwa 20 Millionen Automobilen ist das - gelinde gesagt - Realitätsverweigerung. Die wird aus der Hoffnung gespeist, dass historisch aus jeder Krise einige Unternehmen gestärkt hervorgingen. Die politischen und ökonomischen Eliten aller Länder hoffen, dass "ihre" Firmen letztendlich zu den Gewinnern gehören.

Teil der Strukturkrise ist, dass die früheren Wachstumsraten nicht mehr erreicht werden, um den Produktivitätsanstieg auszugleichen. Sie sind auch nicht unbedingt wünschbar. Wir könnten uns gerade in der multiplen Krise daran machen, was ein Ziel effizienten Wirtschaftens und guten Lebens ist, nämlich die solidarische Verteilung mühseliger gesellschaftlicher Arbeit auf möglichst viele Schultern. Wir benötigen dafür eine radikale Umverteilung der Lohnarbeit, eine Abkehr vom Fetisch Lohnarbeit und eine Aufwertung nichtbezahlter, aber gesellschaftlich notwendiger Arbeiten. Hier ist die Diskussion um ein Grundeinkommen wichtig. Die aktuelle Kurzarbeit ist de facto eine Arbeitszeitverkürzung, sie hat nur keine Strukturwirkung. Chancen werden verschenkt.

[Ulrich Brand, Es wird nichts mehr, wie es einmal war, Der Standard, 26. August 2009]

[An dieser Stelle sei angemerkt, dass die Grünen inzwischen die 35 Stunden Woche fordern. - [Grüne für 35-Stunden-Woche]]

Dieser zutreffenden Analyse ist hinzuzufügen, dass einige größere Schocks noch bevorstehen. Der amerikanischen Immobilienmarkt, von dem der Auslöser für die aktuelle Krise kam, verschlechtert sich weiter; dazu kommt, dass eine riesige Zahl von Darlehen vergeben wurde, bei denen die Tilgungsraten in einer „Einstiegsphase” sehr niedrig sind und erst nach einiger Zeit auf die tatsächlichen Raten ansteigen - und bei einem Großteil dieser sogenannten ARMs (adjustable-rate mortgage) endet diese Einstiegsphase in den nächsten paar Jahren. Das wird die Ausfallsraten, die momentan bereits von Monat zu Monat auf neue Höchststände steigen, in bisher nicht gekannte Höhen treiben und einen großen Teil der amerikanischen Finanzinstitute (und mit ihnen erneut das weltweite Finanzsystem, da vielleicht hier und da aber aus dem letzten Mal ein paar Lektionen gezogen wurden, vielleicht nicht ganz im selben Ausmaß) ein zweites Mal in die Tiefe reißen. Aber diesmal wird es nicht mehr so leicht für die Zentralbanken, einfach so lange mit Geld um sich zu schmeißen bis alles wieder in Ordnung ist.

Dazu kommt der nächste Ölschock. Es dürfte noch eine Weile dauern, bis es so weit ist, aber er wird kommen. Momentan hat der hohe Ölpreis wenig Aussagekraft. Die starke Korrelation mit den Aktienmärkten legt nahe, dass nicht die Fundamentaldaten des Ölmarktes, sondern die Verfügbarkeit billigen Geldes die treibende Kraft hinter dem derzeit hohen Ölpreis und den relativen Höchstständen an den Aktienmärkten ist. Früher oder später werden aber die Kapazitäten durch den natürlichen Rückgang der Förderung wieder knapp werden (der weltweite Ölverbrach ist wegen der Krise um zwei bis drei Millionen Barrel pro Tag gefallen) - und da die meisten billig zu fördernden Lagerstätten bereits in Produktion sind, muss der Ölpreis entsprechend steigen, damit sich die Erschließung der neuen (teuer zu fördernden) Lagerstätten rechnet; da aber einige Zeit vergeht, bis ein Ölfeld produzieren kann usw. wie gesagt

[Dass Ölpreis und Aktienmärkte momentan ohne besonderen Grund nach oben gehen, heißt im Endeffekt, dass immer noch nicht genug Kapital vernichtet worden ist, was daran liegt, dass die Rettungsmaßnahmen der Regierungen vorallem darauf gezielt haben, den Kapitalisten das Kapital, das sie in den Sand gesetzt haben, zurückzugeben. Das wird beim nächsten Mal nicht mehr so leicht. Wenn die Linke einen Plan hätte, könnte sie die unvermeidlich daraus folgenden Reibungen zwischen Politik und Wirtschaft (d.h. eigentlich zwischen den Parteispitzen und der Finanzwelt) zu ihrem Vorteil nutzen. Aber das könnte sie jetzt auch schon ... //Wie so oft in revolutionären Zeiten hat die offizielle Linke keinen Plan, wird von den Ereignissen überrascht und ist weder fähig noch willens, das ganze Ausmaß der Situation theoretisch oder sonstwie zu erfassen//]

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Das bin nicht ich. Das ist Bruno Kreisky. Ich für meinen Teil bin 28 Jahre alt und ein kurzsichtiger, wenig- und langsamlesender, aufmerksamkeits- und noch vielgestalt andersgestörter, ungeschickter, linkshändiger, unausdauernder, übergewichtiger, un-unaufgeregter und unkonzentrierter stummer Schwätzer ohne Führerschein (sowie ohne Ehrgeiz, Ziel im Leben, eigene Wohnung, geregeltes oder sonstwie geartetes Geschlechtsleben, usw …), dafür mit unregelmäßigem Bartwuchs und Stoffwechsel sowie dem starken Wunsch, Drängen und Verlangen, der bürgerlichen Gesellschaft doch noch ein Ende zu bereiten (warum dennoch der Sonnenkönig dort oben hängt, darf jeder für sich selbst ausknobeln). In Ermangelung eines besseren ist mein Lebensmotto ‹wenn schon, denn schon›, was angesichts meiner Defizite im menschlichen, zwischenmenschlichen und übermenschlichen Bereich niemanden wundert, der mich kennt. Ich weiß nicht, was ich mit diesem Blog eigentlich will, aber ich schreibe es mit kleineren und größeren Unterbrechungen doch schon seit 2715 Tagen, und so lange es mich noch freut, wird weitergeschrieben. Das letzte Mal hat es hier am 11.12.2011 um 23:33 irgendetwas neues gegeben.
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Ich möchte mich an dieser Stelle ganz aufrichtig bei allen echten Science Fiction Autoren entschuldigen. Sie wissen schon wofür …
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