wenn ich groß bin, werde ich science fiction autor
Sonntag, 25. Oktober 2009
Freitag, 23. Oktober 2009

Endlich wäre ich so weit, aufzuschreiben, was an diesem Tag alles passiert ist (was ich in Echtzeit getan hätte, wenn nicht die Batterien meiner drahtlosen Tastatur den Geist aufgegeben hätten), aber es kommen nur rätselhafte Einsätzer heraus. Ich hätte einen ganzen Roman im Kopf. Und es war vielleicht auch genau die Art von Tag, die andere Leute dazu bringt, tatsächlich einen zu schreiben. Oder ähnlich große Dinge zu tun. Oder noch größere. (Und dabei habe ich immer noch nicht diesen Traum aufgeschrieben, den ich am Mittwoch hatte: ich war wieder einmal in diesem anderen wien unterwegs ...). Nicht einmal über das Politische könnte ich irgendetwas zusammenhängendes schreiben, obwohl ich mir, kurz nachdem alles passiert war, schon etwas zurechtgelegt hatte. Aber der mit großer Verspätung einsetzende (und immer noch nicht voll eingesetzt habende) Schock des ersten großen Ereignisses dieses Tages hat das alles inzwischen wieder über den Haufen geworfen. Es ist etwas absolut unwahrscheinliches passiert. Und zu allem Überfluss ist es nicht einfach so passiert, sondern ich habe es, genau so wie passiert ist, schon den ganzen Sommer über herbeigesehnt. Und da es nur an diesem Freitag passieren konnte, war ich so nervös, dass ich kaum geschlafen habe, obwohl ich wusste, dass es absurd war, wegen einer Sache, die mit fast absoluter Sicherheit nicht passieren würde, nervös zu sein. Und dann ist es tatsächlich passiert ist, und ich war so perplex, dass ich nur blöd gegrinst und weitergemacht habe, als ob nichts passiert wäre. Und erst jetzt wird mir langsam klar, was das jetzt eigentlich bedeutet, und dass ich mir überlegen sollte, wie es jetzt weitergehen soll.

Und dann hat mich ein Freund in der Menge von hinten erkannt; und dann bin ich ins besetzte AudiMax gegangen; und später (viel später) habe ich mich mit einem Kollegen unterhalten, der jetzt ein Genosse ist; und noch viel später habe ich auf dem Weg nach Hause noch eine Schulkollegin getroffen, die sich zu Recht darüber gewundert hat, dass wir einander noch erkannt haben; und später habe ich dann zum ersten Mal seit Jahren die Schnellbahn verpasst und mir dann (einen Tag vor der Zeitumstellung) die Uhr wieder richtig gestellt; und noch um einiges später war ich zu erschöpft um einschlafen zu können. Und wenn das ganze ein Roman wäre, würde ich neben ausführlichen Rückblenden auch Ausschnitte bringen aus dem einen Buch, das ich den ganzen Tag gelesen habe, und aus dem einen Buch, das ich in der Bibliothek zurückgebracht habe, und aus den zwei Büchern, die ich mir in der französischen Buchhandlung bestellt habe. Und aus dem einen Buch, aus dem wir im Seminar gelesen haben (und vielleicht auch aus dem einen Aufsatz, für den dann keine Zeit mehr war). Und aus dem einen Buch, von dem ich der Schulkollegin erzählt habe, weil unser Gespräch sehr schnell sehr weit abgedriftet ist, obwohl wir uns eigentlich nur gegenseitig erzählt haben, was in der Zwischenzeit bei uns so passiert ist. Auf jeden Fall aber würde ich ausbreiten, was das für ein Schock ist, wenn etwas, das so gut wie unmöglich ist, und das man sich trotzdem so fest erhofft hat, tatsächlich passiert; ich meine was soll man als vernünftiger erwachsener Mensch davon halten: man kann sich Dinge doch nicht einfach herbeiwünschen. Aber der größte Teil wäre wohl über Politik. Ich hoffe ich kann der Versuchung widerstehen, dieses Buch zu schreiben. Das würde sicher ziemlich schlecht werden.

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Das bin nicht ich. Das ist Bruno Kreisky. Ich für meinen Teil bin 28 Jahre alt und ein kurzsichtiger, wenig- und langsamlesender, aufmerksamkeits- und noch vielgestalt andersgestörter, ungeschickter, linkshändiger, unausdauernder, übergewichtiger, un-unaufgeregter und unkonzentrierter stummer Schwätzer ohne Führerschein (sowie ohne Ehrgeiz, Ziel im Leben, eigene Wohnung, geregeltes oder sonstwie geartetes Geschlechtsleben, usw …), dafür mit unregelmäßigem Bartwuchs und Stoffwechsel sowie dem starken Wunsch, Drängen und Verlangen, der bürgerlichen Gesellschaft doch noch ein Ende zu bereiten (warum dennoch der Sonnenkönig dort oben hängt, darf jeder für sich selbst ausknobeln). In Ermangelung eines besseren ist mein Lebensmotto ‹wenn schon, denn schon›, was angesichts meiner Defizite im menschlichen, zwischenmenschlichen und übermenschlichen Bereich niemanden wundert, der mich kennt. Ich weiß nicht, was ich mit diesem Blog eigentlich will, aber ich schreibe es mit kleineren und größeren Unterbrechungen doch schon seit 2716 Tagen, und so lange es mich noch freut, wird weitergeschrieben. Das letzte Mal hat es hier am 11.12.2011 um 23:33 irgendetwas neues gegeben.
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Ich möchte mich an dieser Stelle ganz aufrichtig bei allen echten Science Fiction Autoren entschuldigen. Sie wissen schon wofür …
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