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Wegen gestern noch
Es gibt eine wundersame Heilkraft der Natur, doch es gibt keine Heilkräfte der Geschichte. Es heißt zwar: "Darüber muß Gras wachsen", allein unter dem Gras liegen nach wie vor die Toten. Kaum ein heutiges Unglück im letzten Jahrzehnt des Jahrhunderts und Jahrtausends, so weit es von Menschen verursacht wurde, kann freigesprochen werden von dem Vorwurf, ursächlich verknüpft zu sein mit jenem Unheilstag des 30. Januar 1933. An jenem seit 1947 so erbittert und oft so töricht geführten Konflikt zwischen USA und UdSSR läßt es sich demonstrieren. Die Sowjetunion des Jahres 1933 war keine "richtige" Weltmacht, und J.W. Stalin war im eigenen Lande weit davon entfernt, durch Stirnrunzeln einen Tötungsbefehl erteilen zu können. Gesiegt hatte er über Bucharin und dessen Parteigänger zwar im Jahre 1928 auf dem VI. Weltkongreß der Kommunistischen Internationalen. Nun wurde die noch von Lenin sanktionierte Politik einer Planwirtschaft mit kapitalistischen Enklaven brutal beseitigt. "Sozialismus in einem Lande" hieß die Losung, noch dazu in einem rückständigen Lande. Trotzki hatte vom Exil her ebenso gewarnt wie der mit Trotzki verfeindete Bucharin. Stalin hat beide später umbringen lassen. Nun kam es zur "Liquidierung" des bäuerlichen Besitzes. Zwangsdeportationen in der Landwirtschaft und Mord an den "Kulaken". Michail Scholochow, der Lieblingsepiker des Mannes im Kreml, hat das in einem verlogenem Roman als "Neuland unterm Pflug" verherrlicht. Trotzdem: die sowjetische Opposition gegen Stalin war nach wie vor einflußreich, zumal der 30. Januar 1933 den Bankrott der stalinistischen Westpolitik besiegelt hatte. Stalins unsinnige These, der eigentliche Feind der Kommunisten sei die Sozialdemokratie, der sogenannte "Sozialfaschismus", er sei sogar im Augenblick die "Soziale Hauptstütze der Bourgeoisie", hätte die Arbeiterschaft gespalten. Sie hatte vor allem den Faschismus und seine Gefahren unterschätzt. Es war folgerichtig, daß Stalin, allen Warnungen zum Trotz, nichtt auf den Überfall vom Sommeranfang des Jahres 1941 gefaßt war. Er hatte, als ein Antisemit und Todfeind der Trotzki, Sinowjew oder Radek, dem Antisemiten in der Reichskanzlei geglaubt. Seltsame Konstellation: die unermeßliche Gefahr, die es seit jenem Januartag 1933 für sein Land und damit für ihn selbst gab, scheint der Georgier nicht erkannt zu haben. Hingegen wußte er, sorgsam und abscheulich, zu reagieren auf die innere Gefahr für ihn im eigenen Lande, weil man dort Rechenschaft verlangte für unbegreifliche Fehler in der Innen- und Außenpolitik. Hatte Stalin bis etwa 1928 vor allem mit dem Widerstand der alten Bolschewiki um Lenin rechnen müssen, so war ihm gegen das Ende der zwanziger Jahre in dem Bezirkssekretär (und Machthaber) S.M. Kirow in Leningrad ein ernsthafter Rivale erwachsen. Kirow war jünger, Jahrgang 1886. Als Stalins Mitarbeiter hatte er gewarnt und verhindert, das weiß man heute. Er wurde zum Hoffnungsträger der neuen Sowjetgeneration. Seit dem 30. Januar wurde von ihm die Abrechnung mit der stalinistischen Politik erwartet.
Am 1. Dezember 1934 wurde Kirow in Leningrad ermordet. Stalin spielte den trauernden Freund und den Racheengel, denn natürlich hätten die gemeinsamen gegner den Mord begangen. Nun wurden die Folterungen und Schauprozese vorbereitet. In seiner Geheimrede, die bewußt nicht geheimgehalten wurde, hat M.S. Chruschtschow vor dem XX. Parteitag der Bolschewiki dieses Doppelspiel des Diktators aus georgien recht offenherzig dargelegt. Er hat bereits damit wohl seine eigene spätere Absetzung besiegelt. Der Zusammenhang aber zwischen jener Intrige in der Berliner Wilhelmstraße, dem Mord an Kirow und den Justizmorden an Bucharin und seinen Freunden, an den sowjetischen Marschällen um Tuchatschewski ist unverkennbar. Trotzdem bleibt ein unerklärbarer Rest. Eben dieser Stalin, den der Beginn des Rußlandkrieges überrascht hatte, der neue Generäle einsetzen mußte, weil er die erfahrenen Militärs als Kirow-Mörder hatter erschießen lassen: eben er blieb Sieg in einem Weltkrieg. Die Sowjetflagge auf dem Brandenburger Tor. Die Sowjetunion als Weltmacht. Der Kalte Krieg, die Atommacht, das Wettrüsten. Undenkbar dies alles, bei der historischen Rückschau, ohne die Verwandlung der ersten deutschen demokratischen Republik in eine - scheinbar - "verschworene Gemeinschaft" von Welteroberern und Massenvernichtern. Undenkbar wohl auch ein Staat Israel im heutigen Sinne ohne die Abläufe des deutschorganisierten Holocaust. Die zionistischen Siedlungen in Palästina waren vor 1933 das Werk überzeugter nationaljüdischer, zumeist sozialistischer Pioniere. Der zionistische "Bund" gehörte zur Zweiten Internationale. Lenin und Stalin hatten ihn bekämpft. Seit dem 30. Januar gibt es den verzweifelten Notzionismus der Asylanten bis auf den heutigen Tag, und vor allem auch seit dem Zerfall des Stalinreiches. Auch der heutige Staat Israel als theoretisches und praktisches Asylland wäre undenkbar ohne die jüdische Erfahrung mit Pogromen, Rassegesetzen, mit der Gaskammer.Das neue Kabinett des 30. Januar unter dem neuen Reichskanzler beschließt die Gründung eines neuen Reichsministeriums. Für "Volksaufklärung und Propaganda": als wären das nicht Gegensätze. Auftritt Dr. Joseph Goebbels. Ein erfolgreicher Massenredner und verkrachter Schriftsteller. Sein Studentenroman über einen Musterdeutschen mit dem hebräischen Vornamen Michael liest sich wie eine Parodie von Robert Neumann. Das neue Ministerium organisierte die Lüge als Staatsdoktrin. Man wußte das in Deutschland. Davon zeugten viele staatsfeindliche Witze. Der "Schrumpfgermane" Goebbels, so die amtliche rassenkundliche Beurteilung, hinkte, wie man weiß. So ließ eine Leherin das Sprichwort "Lügen haben kurze Beine" in die Einzahl versetzen. "Die Lüge hat ein kurzes Bein". Seitdem kennt unser Jahrhundert die trommelnde Regierungspropaganda mit Hilfe der Medien und bei Ausschaltung aller Gegenstimmen. Auch hier wurde der 30. Januar zum Wendetag. Goebbels hat weitgehend überlebt: gerade auch bei jenen, die seinen Verlautbarungen neimals so recht trauten und die alte Wehrmachtsformeln ironisierten. Man weiß das bloß nicht mehr beim heutigen Sprechen. Ein Erschöpfter sagt: "Ich bin am Boden zerstört!" Ein Witzbold verabschiedet sich von einer Gesellschaft: "Ich möchte mich nun planmäßig absetzen!" Dazu kommen noch die absoluten Feindbilder. Vor 1933 waren die Theorien des Staatstheoretikers Carl Schmitt, der in Bonn, Köln und Berlin amtierte, im wesentlichen bloß interessanter Gesprächsstoff der Fachwelt. Was damals, wie gesagt, manche Soziologen in Deutschland als "tiefe antikapitalistische Sehnsucht" im Volk zu konstatieren glaubten, ergänzte Schmitt durch immer neue Angriffe auf den Rechtsstaat, den demokratischen Diskurs, den Parlamentarismus. Politik könne, so argumentierte er, nicht dem Kompromiß zum Thema haben. Der "Begriff des Politischen" entfalte sich umgekehrt in der Ablehnung aller Übereinkünfte innerhalb einer gesellschaftlich zersplitterten Gemeinschaft. Man müsse zwischen "Freund und Feind" unterscheiden können, um hart zu entscheiden: gegen die selbstgewählten Feinde. Schmitt nannte das den Dezisionismus, und er fand viele interessierte Leser. Auch heute noch. Ein so bedeutender (und jüdischer) Politologe wie Raymond Aron in Paris wollte sich seinen Carl Schmitt nicht verekeln lassen. Nach dem 30. Januar 1933 veränderte sich Schmitt, mit Ernst Bloch zu reden, "zur Kenntlichkeit". Er war bis dahin durchaus kein Antisemit gewesen, hatte jüdische Schüler, die er förderte. Auf den jüdischen Kollegen Hugo Preuss, den Schöpfer der Weimarer Verfassung, hielt Schmitt in Berlin seine Lobrede. Dann wurde er Staatsrat bei Hermann Göring, Fundamentalist des Antisemitismus. Man dürfe Juden nur noch mit ihren Judennamen zitieren. Fortan hieß bei Schmitt der konservative Jurist Friedrich Julius Stahl aus dem 19. Jahrhundert einfach Joel Joelsohn. Den Begriff "Mensch" müsse man aus den Gesetzbüchern verbannen. Es gäbe immer nur Volksgenossen, Reichsbürger, Ausländer, Juden. Im Nürnberger Gefängnis gab Schmitt zu Protokoll, er sei stets nichts anderes gewesen als ein Katholik. Aber doch wohl ein sonderbarer.Erinnert werden am 30. Januar muß auch dies, weil Schmitts Thesen virulent geblieben sind: im Zeichen der Kalten Kriege und sämtlicher Fundamentalismen mußte der Dezisionismus gleichsam die "idealtypische" Faustregel bedeuten. Das stets aggressive Entweder - Oder. Der "böhmische Gefreite" hat sich stets zum Dezisionismus bekannt. Sein heiser hervorgestoßenes "Sso oder Sso!" hat unsereiner noch im Ohr. Dankbar aber ist unsereiner auch dafür, daß gerade die "Neue Zürcher Zeitung" es war, die nach dem 30. Januar 1933, vor allem dank dem Ratgeber und Redaktor Hans Barth, entschieden auftrat gegen alles absolutistische Denken in bloßen Feindbildern. Denn es gibt keien Alternative zum Begriff Mensch in einer menschenwürdigen Gesellschaft. - [Hans Mayer, Der Widerruf, suhrkamp taschenbuch 2585, 1996, s.19-24]
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Das bin nicht ich. Das ist Bruno Kreisky. Ich für meinen Teil bin 28 Jahre alt und ein kurzsichtiger, wenig- und langsamlesender, aufmerksamkeits- und noch vielgestalt andersgestörter, ungeschickter, linkshändiger, unausdauernder, übergewichtiger, un-unaufgeregter und unkonzentrierter stummer Schwätzer ohne Führerschein (sowie ohne Ehrgeiz, Ziel im Leben, eigene Wohnung, geregeltes oder sonstwie geartetes Geschlechtsleben, usw …), dafür mit unregelmäßigem Bartwuchs und Stoffwechsel sowie dem starken Wunsch, Drängen und Verlangen, der bürgerlichen Gesellschaft doch noch ein Ende zu bereiten (warum dennoch der Sonnenkönig dort oben hängt, darf jeder für sich selbst ausknobeln). In Ermangelung eines besseren ist mein Lebensmotto ‹wenn schon, denn schon›, was angesichts meiner Defizite im menschlichen, zwischenmenschlichen und übermenschlichen Bereich niemanden wundert, der mich kennt. Ich weiß nicht, was ich mit diesem Blog eigentlich will, aber ich schreibe es mit kleineren und größeren Unterbrechungen doch schon seit 2819 Tagen, und so lange es mich noch freut, wird weitergeschrieben. Das letzte Mal hat es hier am 22.05.2012 um 20:29 irgendetwas neues gegeben.
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The personal loans are essential for guys, which want...
by laurelhowell26 (2012.05.22, 20:29)
Zusammenfassung der bisherigen...
Ich bin also fertig (und damit Magister der Philosophie)...
by flowo (2011.12.11, 23:33)
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by flowo (2011.12.08, 00:53)
Damit dürfte die...
Oh ja, ich bin ein Gewinner!
Teilweise war es nicht...
by flowo (2010.10.21, 02:21)
Jetzt wird es ernst
Sehr ernstIch meine richtig ernstAber ich bin bereit
by flowo (2010.10.20, 00:18)

Ich möchte mich an dieser Stelle ganz aufrichtig bei allen echten Science Fiction Autoren entschuldigen. Sie wissen schon wofür …
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