wenn ich groß bin, werde ich science fiction autor
Mittwoch, 8. September 2004
Tommy, we hardly knew you

Tagtäglich würden wir Zeugen dafür, "dass Ausdrücke aus dem Wörterbuch des Unmenschen keineswegs verschwunden" seien, sagte der Bundespräsident. "Schleichend werden Worte im Umlauf gebracht, die aus dem Geist des Ressentiments stammen und auch prompt Ressentiments erzeugen." Der Antisemitismus tarne sich heute oft als Antizionismus, warnte Klestil. Die Achtung des Anderen - Nachbarn, Minderheiten, Kranke, Behinderte -, aber auch die Achtung des Andersseins in der politischen Arena sei Prüfstein jeder funktionierenden Demokratie.
"Antisemitismus tarnt sich als Antizionismus"; Der Standard
Und die ganze Rede (übersetzt von Ruth Weinberger) abgedruckt im Forward:
At the turn of the last century, a wave of culture washed over Vienna, carrying Central European society into modernity. The contribution of Austrian Jewry to this heritage was significant, from enlightenment to liberalism to art nouveau. It was in this milieu that the modern Jewish state was envisioned by Theodor Herzl, the 100th anniversary of whose death we commemorate on July 3. (A Century After Herzl, Vienna Reimagines Zion)

Aus Anlass seines hundertsten Todestages wird Herzl endlich einen Platz bekommen (nicht nur wie bisher eine Stiege), sogar einen Teil der Ringstraße - den Teil an dem sich die Redaktion der Presse, für die er geschrieben hat, befindet; die FPÖ war naturgemäß dagegen, die Palästinensische Gemeinde ebenfalls - vergeblich, zum Glück. Die Zeremonie wird am 1. Juli stattfinden und die Antisemiten sind ein wenig spät dran. Vor einer Woche habe ich bei der Uni zum ersten Mal ein hübsches Plakat gesehen, auf dem sie sich bei der Stadt Wien herzlich für die Ausrichtung des 5. Herzl Symposions bedanken und ihre Meinung über die neuesten Schandtaten der Zionisten kundgetan haben. Oben auf dem Plakat sind in trauter Zweisamkeit Herzl und Sharon - beide in arroganter Pose - zu sehen, darunter ein Lehrstück der antisemitischen Klischees; es reicht nicht, mit dem Wort Vernichtungspolitik die Behauptung von wegen Israelis sind die neuen Nazis hinzustellen, es muss auch noch der spanische Faschismus sein, dessen Reinkarnation der Staat der Juden darstellen soll. Seit neuestem klebt ein kleiner Zettel daran mit dem Aufruf zur Demonstration gegen die Umbenennung. Auch wenn sie spät dran sind, lustig wird es trotzdem werden und diesmal wird wohl der ORF dabei sein und die antisemitischen Peinlichkeiten der Öffentlichkeit nahebringen - nicht wie letztes Jahr bei der Gedenkfeier anlässlich der Reichskristallnacht, deren Störung durch "anti-Zionisten" zwar durch die einschlägigen Kanäle gegangen, nicht aber an das Bewusstsein der Öffentlichkeit gedrungen war. Die Frage ist lediglich, ob sie gleich zu Anfang "Israel verrecke!" rufen werden oder erst gegen Ende der Veranstaltung.

Und weil ich mir mit all dem soviel Zeit gelassen habe, hat Samuel Laster in der Jüdischen schon was darüber: Antisemitische Demonstration in Wien /über die erwähnte Demo gibt es hier weiteres/, auch zum Herzl-Symposion (an dem auch Ass. Prof. Dethloff von unserem Institut teilgenommen hat). Wie gesagt, es wird ein Spaß.

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Das bin nicht ich. Das ist Bruno Kreisky. Ich für meinen Teil bin 28 Jahre alt und ein kurzsichtiger, wenig- und langsamlesender, aufmerksamkeits- und noch vielgestalt andersgestörter, ungeschickter, linkshändiger, unausdauernder, übergewichtiger, un-unaufgeregter und unkonzentrierter stummer Schwätzer ohne Führerschein (sowie ohne Ehrgeiz, Ziel im Leben, eigene Wohnung, geregeltes oder sonstwie geartetes Geschlechtsleben, usw …), dafür mit unregelmäßigem Bartwuchs und Stoffwechsel sowie dem starken Wunsch, Drängen und Verlangen, der bürgerlichen Gesellschaft doch noch ein Ende zu bereiten (warum dennoch der Sonnenkönig dort oben hängt, darf jeder für sich selbst ausknobeln). In Ermangelung eines besseren ist mein Lebensmotto ‹wenn schon, denn schon›, was angesichts meiner Defizite im menschlichen, zwischenmenschlichen und übermenschlichen Bereich niemanden wundert, der mich kennt. Ich weiß nicht, was ich mit diesem Blog eigentlich will, aber ich schreibe es mit kleineren und größeren Unterbrechungen doch schon seit 2711 Tagen, und so lange es mich noch freut, wird weitergeschrieben. Das letzte Mal hat es hier am 11.12.2011 um 23:33 irgendetwas neues gegeben.
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Ich möchte mich an dieser Stelle ganz aufrichtig bei allen echten Science Fiction Autoren entschuldigen. Sie wissen schon wofür …
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