wenn ich groß bin, werde ich science fiction autor
Freitag, 25. Februar 2005
Sucht es euch aus

Ich bin ausnehmend guter Stimmung. Das liegt hauptsächlich daran, dass ich ein paar lange verschollene Teile meiner Musiksammlung ausgegraben habe (Pizzicato Five, Devo, Trans Am, Tyro, Vangelis' Blade Runner Soundtrack /ist der Track für die Endtitel nicht das science-fictionste Stück Musik überhaupt?/ und noch ein wenig mehr) und dass endlich wieder die Uni beginnt und ich keine Zeit mehr haben werde, mir blödsinnige Fragen über Sinn und Zweck meines Studiums zu stellen. Die Fragen sind nicht prinzipiell blödsinnig, aber das Ergebnis ist jedes Mal, dass ich niedergeschlagen bis deprimiert den ganzen Tag im Bett liege und darauf warte, dass ich mir endlich einen runterholen und einschlafen kann. Und, dass ich jedes Mal zu der Ansicht komme, dass ich im falschen Studium bin, dass jedes andere Studium auch das falsche wäre, dass ich überhaupt auf der Universität nichts verloren habe, und auch sonst nicht hierher gehöre und dass ich eigentlich am liebsten den ganzen Tag im Bett liege und darauf warte, dass ich mir endlich einen runterholen und einschlafen kann. Es endet jedes Mal in der felsenfesten Gewissheit, dass ich der Welt nichts mitzuteilen, dass ich zum Fortschritt der Menschheit nichts beizutragen, dass ich für mich selbst nichts besseres machen kann, als mich still und heimlich aus dem Leben zu stehlen. Es endet jedes Mal in der Affirmation eines zynischen Hedonismus als Methode eines ausgedehnten, in jeder Phase kontrollierten Selbstmordes. Da ich das aber nicht möchte, auch wenn ich keine andere Möglichkeit sehe, mich auf Dauer vom Abstieg in den Wahnsinn abzuhalten, ist der einzige Ausweg, mich selbst um jede nur erdenkliche Form von Selbstreflektion zu bringen, mich um jeden Preis davon abzubringen, über meine gegenwärtige Lage nachzudenken. Zu diesem Zweck bin ich nun auf die Idee verfallen, es mit der absurden Übung zu probieren, zwei Sprache zu lernen - keine allzu leichten, gleichzeitig. Das hat im letzten Semester hervorragend funktioniert, also habe ich es auf mein eigentliches Studium ausgedehnt, was bedeutet, dass ich endlich angefangen habe, das Zeug tatsächlich zu lesen, und ich plane, nicht mehr damit aufzuhören; es war ein großer Fehler, jemals mit dem Lesen aufzuhören - mit dem Lesen von Büchern aufzuhören zugunsten des Lesens von Zeitungen, Nachrichten aller Art, Zeitschriften, blogs, was auch immer; diese nehmen zwar viel Zeit in Anspruch, aber es hat mich doch immer wieder zur Selbstreflektion geführt, weil es entweder unangenehm nahe an meiner eigenen Situation war, oder weil es nicht tiefgreifend genug war, um zu verhindern, dass meine Gedanken während der Lektüre abschweiften. Das Lesen wird also mit sofortiger Wirkung wiederaufgenommen, das Sprachenlernen fortgesetzt, die Konstellationen "ich mich" und "ich mir", und ganz besonders "ich mich meiner" und "ich mir meiner" werden aus dem Sprachgebrauch verbannt. Und weil das alles mit der Uni leichter geht, bin ich ausnehmend guter Stimmung.

Auf der anderen Seite: Ich bin ausnehmend guter Stimmung. Das liegt hauptsächlich daran, dass ich ein paar lange verschollene Teile meiner Musiksammlung ausgegraben habe (Pizzicato Five, Devo, Trans Am, Tyro, Vangelis' Blade Runner Soundtrack /ist der Track für die Endtitel nicht das science-fictionste Stück Musik überhaupt?/ und noch ein wenig mehr) und dass ich mir heute fast alles davon angesehen habe und dann gleich zu Sunshine Airlines 2.0 ("New York"), Six Feet Under ("Tante Sarahs Party") und den Sopranos ("Vater und Sohn") übergegangen bin und jetzt festgestellt habe, dass draußen eine wunderschöne schneeweiße Vollmondnacht ist, was bedeutet, dass hell genug ist, Farben zu unterscheiden. Ich wollte schon immer in so einer Nacht draußen spazieren gehen, aber ich habe Angst, dass es mir zu gut gefallen und ich es jede Nacht machen könnte. Genauso geht es mir mit vielem, das ich nicht mache. Es fällt mir leicher, Dinge zu tun, die mir egal sind, weil ich weiß, dass ich aufhören kann, sie zu tun, ohne das Gefühl zu haben, etwas zu verpassen. Bei Dingen, die mir wichtig sind, kann ich zwar auch aufhören - zum Beispiel durch äußere Umstände gewzungen sein, sie einmal nicht zu tun, und sie dann in weiterer Folge auch nicht wieder aufzunehmen; oder sie sich einfach verlieren lassen - aber irgendwann muss ich dann doch wieder anfangen und mich ewig mit dem abquälen, was ich versäumt habe; beim Radio hören ist es zum Beispiel so. Deshalb fange ich eine ganze Reihe von Dingen, die ich gerne tun würde, lieber erst gar nicht an. Auch wenn es mir schon jetzt leid tut, nie "alles probiert" zu haben werden. Aber ab nächster Woche wird das alles keine Rolle mehr spielen, denn dann habe ich die besten meiner Ausreden wieder: Ich muss auf die Uni / lernen / das jetzt lesen / mal wieder ausschlafen / in Ruhe überlegen, was ich als nächstes ansteht. Und weil das alles mit der Uni leichter geht, bin ich ausnehmend guter Stimmung.

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Das bin nicht ich. Das ist Bruno Kreisky. Ich für meinen Teil bin 28 Jahre alt und ein kurzsichtiger, wenig- und langsamlesender, aufmerksamkeits- und noch vielgestalt andersgestörter, ungeschickter, linkshändiger, unausdauernder, übergewichtiger, un-unaufgeregter und unkonzentrierter stummer Schwätzer ohne Führerschein (sowie ohne Ehrgeiz, Ziel im Leben, eigene Wohnung, geregeltes oder sonstwie geartetes Geschlechtsleben, usw …), dafür mit unregelmäßigem Bartwuchs und Stoffwechsel sowie dem starken Wunsch, Drängen und Verlangen, der bürgerlichen Gesellschaft doch noch ein Ende zu bereiten (warum dennoch der Sonnenkönig dort oben hängt, darf jeder für sich selbst ausknobeln). In Ermangelung eines besseren ist mein Lebensmotto ‹wenn schon, denn schon›, was angesichts meiner Defizite im menschlichen, zwischenmenschlichen und übermenschlichen Bereich niemanden wundert, der mich kennt. Ich weiß nicht, was ich mit diesem Blog eigentlich will, aber ich schreibe es mit kleineren und größeren Unterbrechungen doch schon seit 2715 Tagen, und so lange es mich noch freut, wird weitergeschrieben. Das letzte Mal hat es hier am 11.12.2011 um 23:33 irgendetwas neues gegeben.
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Ich möchte mich an dieser Stelle ganz aufrichtig bei allen echten Science Fiction Autoren entschuldigen. Sie wissen schon wofür …
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