wenn ich groß bin, werde ich science fiction autor
Montag, 28. Februar 2005
vita passiva, oder: I'm a fool, I've been had

Ich habe versucht, einen Lebenslauf zu verfassen. Zwanzig Sekunden später war ich fertig. Das ganze soll für einen Ferialjob sein, den mir meine Mutter dank ihrer Kontakte bei der Gemeinde Wien verschaffen möchte. Prinzipiell bin ich gegen solche Sachen, aber mein Gegenentwurf zu einem Leben auf Vitamin B besteht in guter alter proletarischer ehrlicher Arbeit bei minus achtzehn Grad in einem Lager für Tiefkühlkost, möglichst den ganzen Sommer, mit Überstunden bis tief in die Nacht hinein - Bruttosozialprodukt steigern und so.

Die Gründe sind mehrere, aber im Prinzip drei: Ich will nicht wieder so versumpfen wie letzten Sommer; mein Vater wird es mir dieses Jahr nicht mehr durchgehen lassen - er hat schon die ganzen Semesterferien über sehr mißtrauisch und die letzten Tage über auch offen feindselig gewirkt, aber ich kann mich da auch irren - bei solchen Sachen ist mein Gefühl äußerst unzuverlässig - aber durchgehen wird er es mir trotzdem nicht lassen: am Anfang des Sommers ist er zu mir ins Zimmer gekommen, hat gefragt, was ich diesen Sommer vor habe, ich habe ihm geantwortet, dass ich nichts vorhabe, worauf er mich daran erinnert hat, dass er mich bereits einige Zeit vorher angehalten hat, mir für den Sommer etwas zu suchen, und ist mit einem "Na gut" (das eher wie ein "Das wird Konsequenzen haben" geklungen hat) wieder gegangen; Ich brauche Geld!

Dass ich Geld brauche, war mir schon länger klar, aber es hat sich verschlimmert, denn ich bin auf den ältesten Trick der Welt hereingefallen: Man verspricht dir eine flat rate und vier Jahre und elf Monate später andert man den Vertrag und behauptet später, dir schon Monate vorher einen Brief deswegen geschickt zu haben (den Bekannte von dir auch tatsächlich erhalten haben), aber das merkst du erst, wenn du bereits GBs über dem Limit bist und dich von einem dreistelligem Eurobetrag verabschieden kannst. /Das erklärt auch meine Abwesenheit die letzten paar Tage über, falls die überhaupt jemandem aufgefallen ist./

Aber das ist nicht die einzige Regeländerung, die mir den Angstschweiß in alle Körperöffnungen treibt. Im neuen Studienplan Philosophie wurden die "freien Wahlfächer" eingeführt, von denen es ursprünglich geheißen hatte, sie ständen zur freien Disposition der Studierenden. Davon ist nicht mehr viel übrig, und schon im kommentierten Vorlesungsverzeichnis des letzten Semesters hieß es dazu:

An der Uni Wien musst du die freien Wahlfächer entweder als Module absolvieren oder deine individuelle Kombi von der StudienprogrammleiterIn (SPL) bewilligen lassen. Bei den Modulen hast du die Wahl ein solches zu 48 SSt., zwei zu 24 SSt. oder eines zu 32 SSt. mit 16 freien Stunden zu belegen. Was du machst, musst du bis zur Nachinskriptionsfrist des dritten Semesters deines Studiums der SPL bekanntgeben.

Wie das dann alles konkret ausschauen würde, welche Module mit welchem Inhalt es geben würde, wie das mit Übergangsfristen geregelt würde, ... wusste niemand. Formulare oder sonstiges dazu gibt es immer noch nicht, vielleicht ist es ja dieses Semester endlich so weit. /Wenn ich Arabisch und Hebräisch nicht genehmigt bekomme, sieht es äußerst schlecht für mich aus./

Ein weiteres betrifft die Leseliste für die Diplomprüfung, von der es ursprünglich geheißen hatte, sie bestünde aus mindestens 15 Hauptwerken - jeweils drei aus vier der sechs Epochen plus drei weitere - und wäre von dem Studierenden mit der Prüferin auszumachen. Der momentane Stand laut aktuellem KoVo:

Im neuen Studienplan ist eine Leseliste vorgesehen, die bei der Diplomprüfung geprüft wird. Die Liste ist noch nicht fix und wird wahrscheinlich dieses Semester festgelegt. Für Studierende die sich zum Zeitpunkt der Festlegung bereits im zweiten Abschnitt des neuen Studienplans befinden wird es eine Sonderregelung geben.

Arrrgh!

Anstatt einmal richtig nach langen und reiflichen Überlegungen und breiter Diskussion einen neuen Studienplan einzuführen, wird einfach alle paar Semester einmal ein großer Wurf gemacht, und dann noch einer; was sich konkret ändert, ist egal, Hauptsache "die Grundzüge der Reform stehen", auch wenn man sie später, wenn sie bereits beschlossen sind und heillose Verwirrung für alle Beteiligten gestiftet haben, wieder verwerfen muss.

[Ja, ich weiß, dass das alles abzusehen war, aber manchmal ist zuviel einfach zuviel. Und ich bin selbst schuld, wenn ich meine e-Mails nicht lese, und deshalb den Moment verpasst habe, als uns unsere liebe Telekom gewarnt hat, dass wir vier fünftel unseres Transferkontingents verbraucht hatten, und auch den Moment, als sie uns gewarnt hat, dass wir unser Transferkontiengt verbraucht hatten. Trotzdem wurmt es mich gewaltig, dass sie zu den Warn-e-Mails nicht verpflichtet sind und es egal ist, ob ich sie bekomme oder nicht, und dass die Onlinestatistik, die sie anbieten, keine rechtsverbindliche Auskunft ist, sondern nur ein grobe Schätzung, die sich /wenn ich das bis jetzt richtig mitbekommen habe/ auch nach einem anderen Zeitrahmen richtet als die tatsächliche Statistik. Und es ärgert mich ganz gewaltig, dass wir keine schriftliche Benachrichtigung über die Vertragsänderung bekommen haben, dass das unsere liebe Telekom aber wahrscheinlich nicht kümmern wird, ganz abgesehen von den Schwierigkeiten, das irgendwie zu belegen.]

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Das bin nicht ich. Das ist Bruno Kreisky. Ich für meinen Teil bin 28 Jahre alt und ein kurzsichtiger, wenig- und langsamlesender, aufmerksamkeits- und noch vielgestalt andersgestörter, ungeschickter, linkshändiger, unausdauernder, übergewichtiger, un-unaufgeregter und unkonzentrierter stummer Schwätzer ohne Führerschein (sowie ohne Ehrgeiz, Ziel im Leben, eigene Wohnung, geregeltes oder sonstwie geartetes Geschlechtsleben, usw …), dafür mit unregelmäßigem Bartwuchs und Stoffwechsel sowie dem starken Wunsch, Drängen und Verlangen, der bürgerlichen Gesellschaft doch noch ein Ende zu bereiten (warum dennoch der Sonnenkönig dort oben hängt, darf jeder für sich selbst ausknobeln). In Ermangelung eines besseren ist mein Lebensmotto ‹wenn schon, denn schon›, was angesichts meiner Defizite im menschlichen, zwischenmenschlichen und übermenschlichen Bereich niemanden wundert, der mich kennt. Ich weiß nicht, was ich mit diesem Blog eigentlich will, aber ich schreibe es mit kleineren und größeren Unterbrechungen doch schon seit 2715 Tagen, und so lange es mich noch freut, wird weitergeschrieben. Das letzte Mal hat es hier am 11.12.2011 um 23:33 irgendetwas neues gegeben.
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Ich möchte mich an dieser Stelle ganz aufrichtig bei allen echten Science Fiction Autoren entschuldigen. Sie wissen schon wofür …
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