| wenn ich groß bin, werde ich science fiction autor |
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Mittwoch, 8. September 2004
back issues: 13.12.2003: "Erster Eintrag"
17:53h — ‹vom vorigen blog›
Die ersten zwei Versuche (ausgestreckt über inzwischen mehr als zwei Jahre) sind grandios gescheitert; dermaßen, dass eine Archivierung zwecks Dokumentation unnötig erscheint. Der Grund dafür, dass es jetzt von neuem sein muss, ist wie immer politisch.
Heute auf der Uni: Übung "Probleme der marxistischen Theorie und Praxis"; es geht um den Irak; Bemerkung des Lehrveranstaltungsleiters, die Situation im Irak unterscheide sich von derjenigen damals in Vietnam. Antwort: "... aber es gibt positive Ansätze in die Richtung." Die Aussage bleibt nicht die einzige derartige. Immer wieder ist vom Widerstand die Rede. Dass der sein müsste, ist nicht einmal zu begründen; was passiert, wenn die Koalition scheitert, scheint egal, Hauptsache, das Imperium blutet. Am Anfang möchte ich noch alles mögliche einwerfen, provokante Fragen stellen, diese gefühllosen Sofarevolutionäre fragen, was sie sich davon erhoffen, aber (so meine Ausrede) ich bin zu müde und sinke immer weiter in mich zusammen. Später, als die ganze Geschichte immer abstruser wird, wache ich noch kurz auf, um den Universalismus (speziell der Menschenrechte und ihrer Durchsetzung) zu verteidigen, gegen die (mir verhasste) nationale Selbstbestimmung. Ich mache den Kollegen darauf aufmerksam, dass, wenn er den Universalismus aufgibt zugunsten einen kulturellen Relativismus, er sich vom Boden der Aufklärung entfernt. Er räumt freimütig ein, dass es so ist; trotzdem schafft er es, dass am Ende der Aufklärer ist und ich als der verknöcherte Ideologe und wahre Feind der Aufklärung dastehe. Nicht genug, dass ich meine Positionen nicht argumentieren kann und ich mir meine Aussagen im Munde umdrehen lasse, geschieht dasselbe auch mit solchen, die ich gar nicht getätigt habe. Wieder wird erfolgreich die bürgerliche Revolution mit Stalinismus gleichgesetzt (und mit ihr werde ich ein Stalinist) über die Rede vom stalinistischen Stufenmodell und wieder wird der direkte Gang zur sozialistischen Revolution gefordert, unter Hinweis, ein solcher sei bis jetzt noch nie erfolgt. Dass ich mich und meine Ansichten vor anderen Leuten blamiere, wäre gar nicht einmal so schlimm, wenn ich mich nicht vor mir selbst blamieren würde. Die ganze Zeit, als ich nicht auf der Uni war, wurde ich jedes Mal beim Gedanken an künftige Wortgefechte ganz kribbelig, wärmte mich an dem Gedanken, keinen Schritt von dem abzuweichen, was ich für richtig halten würde, immer den Mund aufzumachen, zu jedem Zeitpunkt bereit, noch ein Argument nachzuschieben, noch ein rhetorisches Manöver zu durchkreuzen. Ich dachte mir, ich würde mich bemühen müssen, stets einen kühlen Kopf zu bewahren und aufpassen, dass mir im linken Auge nicht eine Ader platzte. Stattdessen muss ich darauf schauen, dass mir die Schultern nicht zu weit herab sinken, dass mir das Gesicht nicht zu weit herunterfällt. Ich schäme mich und am meisten beschämt mich, dass es beim nächsten Mal nicht anders sein wird, dass es immer so sein wird. ... comment |
![]() Das bin nicht ich. Das ist Bruno Kreisky. Ich für meinen Teil bin 28 Jahre alt und ein kurzsichtiger, wenig- und langsamlesender, aufmerksamkeits- und noch vielgestalt andersgestörter, ungeschickter, linkshändiger, unausdauernder, übergewichtiger, un-unaufgeregter und unkonzentrierter stummer Schwätzer ohne Führerschein (sowie ohne Ehrgeiz, Ziel im Leben, eigene Wohnung, geregeltes oder sonstwie geartetes Geschlechtsleben, usw …), dafür mit unregelmäßigem Bartwuchs und Stoffwechsel sowie dem starken Wunsch, Drängen und Verlangen, der bürgerlichen Gesellschaft doch noch ein Ende zu bereiten (warum dennoch der Sonnenkönig dort oben hängt, darf jeder für sich selbst ausknobeln). In Ermangelung eines besseren ist mein Lebensmotto ‹wenn schon, denn schon›, was angesichts meiner Defizite im menschlichen, zwischenmenschlichen und übermenschlichen Bereich niemanden wundert, der mich kennt. Ich weiß nicht, was ich mit diesem Blog eigentlich will, aber ich schreibe es mit kleineren und größeren Unterbrechungen doch schon seit 2715 Tagen, und so lange es mich noch freut, wird weitergeschrieben. Das letzte Mal hat es hier am 11.12.2011 um 23:33 irgendetwas neues gegeben. status
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