wenn ich groß bin, werde ich science fiction autor
Mittwoch, 13. April 2005
Wahrlich, beim Ts-hoiß, o Sokrates, wie könnte es wohl anders sein?

Da es, wie sich gezeigt hat, drei Arten der Lust gibt, wovon die eine echt ist, zwei aber unecht, so ist der Tyrann in das Jenseits der unechten hinübergestiegen, indem er Gesetz und Vernunft geflohen hat, und lebt nun mit gewissen knechtischen und söldnerischen Lüsten; wieviel er aber dabei zu kurz kommt, ist gar nicht leicht zu sagen, außer etwa so. [...] Also wenn einer die Sache umkehrend von dem Könige sagen wollte, wie weit er vermöge der Wahrheit seiner Lust von dem Tyrannen entfernt ist: so wird er nach vollendeter Vervielfältigung finden, daß er siebenhundertundneunundzwanzigmal anmutiger lebt, der Tyrann also unseliger ist in demselben Maß und gleicher Entfernung.

[Platon, Politeia, Buch IX, 587c & e; Übersetzung Friedrich Schleiermacher]

Rezeptionstechnisch ist es eigentlich gar nicht ungeschickt, im einem Buch neben solch wahnwitzigem Unsinn auch unmissverständliche Passagen wie die folgende unterzubringen:

Zu behaupten aber, daß Gottt irgend jemandem Ursache des Bösen geworden ist, da er doch gut ist, dies muß man auf alle Weise durchfechten, daß es nicht jemand sage in seinem Staat, wenn er gut regiert werden soll, noch auch jemand höre, weder jung noch alt, und weder in gebundener Rede noch in ungebundener vorgetragen, weil es weder fromm wäre, wenn es einer sagte, noch uns zuträglich, noch auch mit sich selbst übereinstimmend. - Ich stimme mit dir, sagte er, für dieses Gesetz, und es gefällt mir. - Dies also, sprach ich, wäre eines von den Gesetzen und Vorschriften in bezug auf die Götter, kraft dessen nur so geredet und gedichtet werden darf, daß Gott nicht an allem Ursache ist, sondern nur an dem Guten. (Politeia, Buch II, 380 b & c)

Es gibt also nichts, um deswillen Gott lügen könnte. - Es gibt nichts. - In jeder Hinsicht also ist das Dämonische und Göttliche ohne Falsch. - Auf alle Weise gewiß, sagte er. - Offenbar also ist Gott einfach und wahr in Wort und Tat und verwandelt sich weder selbst, noch hintergeht er andere, weder in Erscheinungen noch in Reden, noch indem er ihnen Zeichen sendet, weder im Wachen, noch im Schlaf. (Politeia, Buch II, 382e)

Und wie mir zu Ohren kommt, ist es gerade die deutschsprachige Platon-Rezeption, die Passagen wie die erste poetisch oder allegorisch verstanden wissen möchte, die Platon als vor Witz und Ironie sprühenden großen Autor der Antike sehen möchte, und nicht etwa als den fanatischen Reaktionär, der er - neben Aristoteles gestellt - ist. Selbstverständlich kann man Platons Gleichstellung von Mann und Frau, die Aristoteles deutlich verneint, ebenso wie seine "Weiber- und Kindergemeinschaft" visionär, radikal, utopisch nennen, dagegen lässt sich aber (wie es beispielsweise Hegel in der Rechtsphilosophie angedeutet hat - wenn ich mich auf die Darstellung Günther Biens in Die Grundlegung der politischen Philosophie bei Aristoteles verlassen kann //Notiz an mich selbst: Hegel!!!//) einwenden, dass das alles bloß dazu dient, die Vielen zur Masse zu machen, die als eine solche dann das philosophische Leben der Wenigen stützt. Jetzt sollten noch ein paar Stellen von Platon kommen, wie abscheulich es ist, zu lügen und wie schwer Unwahrheit bestraft werden soll - schlimmstenfalls mit Ausschluss aus der polis, glaube ich - und wie großartig es ist, im Sinne des Staates zu lügen, und dass doch nichts über einen guten Mythos geht, der zwar immer Lüge ist, aber eben im Dienste des Guten, aber ich habe im ersten Durchgang durch die Politeia keine Notizen gemacht und der nächste und hoffentlich letzte Durchgang steht erst wieder im Sommer oder in den Weihnachtsferien an; dann käme vielleicht noch das eine oder andere darüber, dass man sich als guter Faschist ja immer für einen Mythos und ein wenig poetische Rede erwärmen kann, die man dann auch ernst genug nimmt, dafür ordentlich Blut fließen zu lassen.

Aber ich bin jetzt viel zu müde für irgendwas, deshalb fassen wir zusammen:
Platon = Faschist
alle, die über Politik philosophieren, wie Platon es getan hat = auch Faschisten oder auf dem Holzweg (oder mit einer cleveren, zu cleveren, Metatheorie unterwegs)
Aristoteles = um Welten besser, obwohl in einigen Fragen (Gleichstellung der Frau) hinter Platon, in anderen, damit zusammenhängenden (Sklaven), wenigstens ehrlich
Fußnotenschreiber zu Aristoteles' Politik = ehrbare Leute
sozialistische Fußnotenschreiber zu Aristoteles' Politik = Heldinnen und Helden
Hegel = zu lesen

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Das bin nicht ich. Das ist Bruno Kreisky. Ich für meinen Teil bin 28 Jahre alt und ein kurzsichtiger, wenig- und langsamlesender, aufmerksamkeits- und noch vielgestalt andersgestörter, ungeschickter, linkshändiger, unausdauernder, übergewichtiger, un-unaufgeregter und unkonzentrierter stummer Schwätzer ohne Führerschein (sowie ohne Ehrgeiz, Ziel im Leben, eigene Wohnung, geregeltes oder sonstwie geartetes Geschlechtsleben, usw …), dafür mit unregelmäßigem Bartwuchs und Stoffwechsel sowie dem starken Wunsch, Drängen und Verlangen, der bürgerlichen Gesellschaft doch noch ein Ende zu bereiten (warum dennoch der Sonnenkönig dort oben hängt, darf jeder für sich selbst ausknobeln). In Ermangelung eines besseren ist mein Lebensmotto ‹wenn schon, denn schon›, was angesichts meiner Defizite im menschlichen, zwischenmenschlichen und übermenschlichen Bereich niemanden wundert, der mich kennt. Ich weiß nicht, was ich mit diesem Blog eigentlich will, aber ich schreibe es mit kleineren und größeren Unterbrechungen doch schon seit 2715 Tagen, und so lange es mich noch freut, wird weitergeschrieben. Das letzte Mal hat es hier am 11.12.2011 um 23:33 irgendetwas neues gegeben.
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Ich möchte mich an dieser Stelle ganz aufrichtig bei allen echten Science Fiction Autoren entschuldigen. Sie wissen schon wofür …
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