wenn ich groß bin, werde ich science fiction autor
Donnerstag, 14. April 2005
Manchmal geht mir Philo echt am Oasch

Heute in der Früh, "Reading Wilfrid Sellars's 'Empiricism and the Philosophy of Mind", gehalten von Gastprofessor Willem DeVries.

In dieser Vorlesung sitzen zwei der von mir meistgehassten Leuten des ganzen Instituts (diese zwei und ein dritter sind eigentlich die einzig hassenswerten Dauergäste auf der Philosophie). Einer davon hat anscheinend seinen Popper nicht gelesen, denn er behauptete steif und fest, die Nutzbarmachung der Natur für den Menschen sei Gegenstand der Wissenschaft (und nicht etwa der Technik), denn wenn die Wissenschaft auf vollständige Erkenntnis der Welt ausgerichtet wäre, ginge das ja gar nicht, weil man die Welt nicht vollständig erkennen kann. Dabei benutzte er ständig die Wendungen "aber die Wissenschaft will doch", "aber die Wissenschaft ist doch" und "aber die Wissenschaft will doch beweisen" - und da traf er dann einen Nerv, weil DeVries ihm gleich mitteilte, dass man sich, wenn man von naturwissenschaftlichen Erkenntnissen die Strenge mathematischer Beweise fordern würde, sich den Blödsinnsargumenten (ich glaube er hat hier sogar ein Schimpfwort benutzt) der Kreationisten ausliefern würde. Anzumerken wäre hier noch, dass er hier episteme und techne durcheinanderbringt, was deshalb lustig ist, weil er in der ersten Stunde ständig gefragt hat "Ist [dieser englischsprachige Begriff hier] im Sinne von [diesem tollen griechischen Wort, das ich kenne] zu verstehen?" - "Tut mir wirklich, ehrlich, aufrichtig leid, aber ich will jetzt echt weitermachen" - [Aber ich kenne noch so viele schöne griechische Wörter!]

Nummer zwei ist ein ganz ein schlauer Bursch und hat schon letzte Woche (halberfolgreich) versucht, den armen Prof. DeVries darauf festzunageln, was Sellars denn für einer ist ("Würden sie sagen, Sellars ist ein [whatever]? Würden sie sagen, Sellars will den Empirismus psychoanalysieren? //Kein Scheiß!//). So auch diese Woche: "Würden sie sagen, Sellars ist ein scientific realist?" - "Ja, von mir aus ..." - "Aber hier im scientific realism Artikel der Stanford Encyclopedia of Philosophy steht, ein scientific realist glaubt [vollkommen wurscht]. Ist das nicht ein Widerspruch?" - [Weißt was, leck mich am Arsch. Wenn dich das hier nicht interessiert, tu uns allen einen Gefallen und schleich dich, aber schütt hier nicht deine untiefen Weisheiten über uns aus.]

Ja, so war das heute.

Nicht unerwähnt soll auch die heutige Sitzung des Lektüreseminars "Also sprach Zarathustra" bleiben. Lehrveranstaltungsleiter K.-P. L. war heute ausnahmsweise nicht anwesend - wird es auch nächste Woche nicht sein - und so wurde heute und wird nächste Woche das Seminar von der Tutorin geleitet. Da K.-P. L. üblicherweise relativ und absolut die meisten Wörter produziert, war abzusehen, dass es also diesmal ohne ihn zu einer etwas regeren Debatte als sonst kommen würde, was auch tatsächlich der Fall war. Obwohl es auch der sehr gut informierte (vorallem aber: sehr interessierte) Kollege nicht verhindern konnte, dass ein großer Teil der Zeit für den Austausch von bonmots draufging, war es doch besser als sonst. //Trotzdem war es insgesamt wie immer recht sinnlos, denn egal auf wie hohem Niveau man sich mit Nietzsche beschäftigt, wenn man sich nicht auch mit richtiger Philosophie beschäftigt, schaut im Endeffekt nichts bei der ganzen Sache heraus.// Interessant war das zweite Referat; dessen Referentin entschuldigte sich nämlich in aller Höflichkeit, dass sie nicht alles so parat hätte, sie würde nämlich gar nicht Philosophie studieren. Trotzdem hat sie das beste Referat bisher abgeliefert. Kein pseudotiefsinniger Scheiß, kein "Naja, wissts eh, bei Nietzsche is das alles nicht so einfach." und vorallem kein "Ich sag euch meine Interpretation, sagts ma ihr eure und wir gehen nach Haus".

Mehr gibt es dazu zum Glück nicht zu sagen.

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Das bin nicht ich. Das ist Bruno Kreisky. Ich für meinen Teil bin 28 Jahre alt und ein kurzsichtiger, wenig- und langsamlesender, aufmerksamkeits- und noch vielgestalt andersgestörter, ungeschickter, linkshändiger, unausdauernder, übergewichtiger, un-unaufgeregter und unkonzentrierter stummer Schwätzer ohne Führerschein (sowie ohne Ehrgeiz, Ziel im Leben, eigene Wohnung, geregeltes oder sonstwie geartetes Geschlechtsleben, usw …), dafür mit unregelmäßigem Bartwuchs und Stoffwechsel sowie dem starken Wunsch, Drängen und Verlangen, der bürgerlichen Gesellschaft doch noch ein Ende zu bereiten (warum dennoch der Sonnenkönig dort oben hängt, darf jeder für sich selbst ausknobeln). In Ermangelung eines besseren ist mein Lebensmotto ‹wenn schon, denn schon›, was angesichts meiner Defizite im menschlichen, zwischenmenschlichen und übermenschlichen Bereich niemanden wundert, der mich kennt. Ich weiß nicht, was ich mit diesem Blog eigentlich will, aber ich schreibe es mit kleineren und größeren Unterbrechungen doch schon seit 2715 Tagen, und so lange es mich noch freut, wird weitergeschrieben. Das letzte Mal hat es hier am 11.12.2011 um 23:33 irgendetwas neues gegeben.
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Ich möchte mich an dieser Stelle ganz aufrichtig bei allen echten Science Fiction Autoren entschuldigen. Sie wissen schon wofür …
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