wenn ich groß bin, werde ich science fiction autor
Freitag, 29. April 2005
Um es kurz zu machen:

Die Festplatte meines geliebten iBook ist gestorben. Um es genauer zu sagen: sie ist glücklicherweise immer noch nicht tot, sie gab mir genügend Zeit, mich um einen Ersatz umzusehen, und sie wird mir hoffentlich noch genug Zeit geben, auch die noch nicht gesicherten Daten ins Trockene zu bringen. Nachdem die Anschaffung des Ersatzes bereits am Dienstag geschehen war, musste ich allerdings feststellen, dass mein Glück an einer Schraube hing, einer einzigen. Also musste ich gestern, Mittwoch, noch ein Schraubenzieherset kaufen (so kleine, wie ich brauchte, bekommt man nicht einzeln) und konnte gegen Abend mit höchster Nervernanspannung die Platte tauschen. Das ist ein Vorgang, der ausschließlich von autorisierten, geschickten und abgehärteten Personen vorgenommen werden sollte (was mir aber zu teuer war), und der darin besteht, dem iBook bei lebendigem Leib die Haut abzuziehen, um danach in den Eingeweiden herumzuwühlen, bis die Festplatte freigelegt ist, anschließend den Körper wieder zuzunähen, und festzustellen, dass beim letzten Handgriff ein Fehler passiert ist: Die Akkufedern haben sich verkeilt und verunmöglichen es nun, den Akku wieder zu entfernen. Der nächste Fehler offenbart sich dann nach dem von unerträglicher Spannung begleiteten Einschalten: das Trackpad funktioniert nicht mehr - das lässt sich allerdings mit einer USB-Maus überbrücken, um den Akku kann man sich später auch noch kümmern, und zuerst muss einmal das Betriebssystem installiert und müssen die notwendigsten Dateien übertragen werden.

Das alles und noch etwas mehr hat mir einen unruhigen Schlaf und eine mittelschwere Verdauungsstörung eingebracht, und heute war wieder einmal Donnerstag. KPL feierte seine Rückkehr und einer der heutigen Referenten versuchte sich in freier Assoziation auf Zarathustra, was bedeutete, dass er das kleine einmal-eins der Psychoanalyse durchkonjugierte. Fast hätte man Untertitel einblenden können: "Phallus Alarm!" "Ödipuskomplex voraus!" Es ging von einer ganz starken Stelle zu einer ganz suggestiven Stelle zu einer ganz offensichtlichen Stelle zu ... Es war schon nicht einmal mehr lustig, obwohl KPL sich redlich bemühte, uns (das werte Publikum) zu unterhalten.

Der eine interssierte Kollege zeigte sich nachher etwas ärgerlich über all das, sagte, er überlege ernsthaft, nicht mehr hinzugehen, und ließ sich auch durch den von mir herausgestrichenen Unterhaltungswert der Lehrveranstaltung nicht trösten. Im nachfolgenden Seminar hielt er selbst dann ein Referat - ein sehr gutes - und als ich mich vorhin am U-Bahnsteig in den Überwachungsmonitoren selbst betrachtete, ekelte es mich wieder einmal vor mir selbst. Ich beneide den Kollegen sehr darum, dass er eine Vorstellung davon hat, was Philosophie ist, eigentlich hasse ich ihn dafür, dass sein Leben offensichtlich einen Sinn hat, und dass er sich nicht ständig fragt, ob er mit dem, was er da tut, an der richtigen Adresse ist.

Immerhin steht jetzt fest, dass ich nach diesem Semester nie wieder in einer Philo-LVA sitzen werde, die mich ankotzt. Andererseits will ich unbedingt fertig werden, denn das Bedürfnis, endlich etwas zu tun, wird von Tag zu Tag größer, und ehe ich es mich versehe, komme ich dem Wunsch unseres Sonnenkönigs nach und trete in die Partei ein, oder schreibe dem Standard einen bösen Leserbrief, wenn sie wieder einmal KPL zu irgendetwas befragen oder ihn gar etwas schreiben lassen.

[Nachtrag 01:15: So schnell kann man gar nicht schauen ...]

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Das bin nicht ich. Das ist Bruno Kreisky. Ich für meinen Teil bin 28 Jahre alt und ein kurzsichtiger, wenig- und langsamlesender, aufmerksamkeits- und noch vielgestalt andersgestörter, ungeschickter, linkshändiger, unausdauernder, übergewichtiger, un-unaufgeregter und unkonzentrierter stummer Schwätzer ohne Führerschein (sowie ohne Ehrgeiz, Ziel im Leben, eigene Wohnung, geregeltes oder sonstwie geartetes Geschlechtsleben, usw …), dafür mit unregelmäßigem Bartwuchs und Stoffwechsel sowie dem starken Wunsch, Drängen und Verlangen, der bürgerlichen Gesellschaft doch noch ein Ende zu bereiten (warum dennoch der Sonnenkönig dort oben hängt, darf jeder für sich selbst ausknobeln). In Ermangelung eines besseren ist mein Lebensmotto ‹wenn schon, denn schon›, was angesichts meiner Defizite im menschlichen, zwischenmenschlichen und übermenschlichen Bereich niemanden wundert, der mich kennt. Ich weiß nicht, was ich mit diesem Blog eigentlich will, aber ich schreibe es mit kleineren und größeren Unterbrechungen doch schon seit 2715 Tagen, und so lange es mich noch freut, wird weitergeschrieben. Das letzte Mal hat es hier am 11.12.2011 um 23:33 irgendetwas neues gegeben.
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Ich möchte mich an dieser Stelle ganz aufrichtig bei allen echten Science Fiction Autoren entschuldigen. Sie wissen schon wofür …
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