wenn ich groß bin, werde ich science fiction autor
Sonntag, 19. September 2004
Der Untergeher
Zum Film "Der Untergang" gibt es - ohne ihn gesehen zu haben - nicht viel zu sagen; und das, was es prinzipiell zu sagen gibt, hat Rüdiger Suchsland auf telepolis schon geschrieben (Geburt einer Nation in der Illusionsmaschine) - Ist nicht schon der Titel falsch " war der eigentliche Untergang doch der, der den Millionen Juden in den Konzentrationslagern widerfahren ist. Aber da wären noch ein paar Aussagen des Regisseurs Hirschbiegel, die Suchslands Ausführungen (Möglicherweise ist Hirschbiegel einfach ein zu schlichtes Gemüt, um solche Überlegungen zu verstehen.) bestätigen und die ich bis jetzt sonst nirgendwo gefunden habe. Im Kurier vom Mittwoch, 14. September, ("Sie wussten, was sie taten") kann man Hirschbiegel im O-Ton lesen:

Nicht einen dämonisierten Hitler als „Sonderphänomen der Geschichte“ habe er auf die Leinwand bringen wollen. Im Gegenteil: „Das waren Menschen, die genau wussten, was sie taten.“ Stattdessen sei es ihm darum gegangen, die Informationen über diese Zeit „eins zu eins umzusetzen und mit klarer Haltung zu erzählen, ohne Position zu beziehen“. Selten habe man so viel Hitler auf der Leinwand gesehen und trotzdem so wenig gelernt, beschwerte sich ein deutscher Feuilletonist. „Es ist eine Kleinkinderidee, dass ein Film irgendetwas erklären kann“, erbost sich Hirschbiegel: „Meine Aufgabe als Geschichtenerzähler besteht darin, die Menschen so glaubwürdig wie möglich auf die Leinwand zu bringen. Denn nur so funktioniert Kino: Über Emotionen.“ Zwar sind die Spezialisten des Emotionskinos die Amerikaner, doch genau jenen wollten Hirschbiegel und Produzent Bernd Eichinger zuvorkommen: „Die deutsche Seele versteht niemand sonst als die Deutschen“, meint Hirschbiegel kryptisch: „Es gibt Dinge, die sind nationenspezifisch: Ich bezweifle, dass irgendein anderer Landsmann diese fast aufreizende Gleichgültigkeit gegenüber dem eigenen Tod nachvollziehen kann.“ Ein gutes Beispiel wäre auch das Töten der eigenen Kinder, wie im Fall der Goebbels-Kinder im Film, wo Corinna Harfouch als Magda Goebbels mechanisch ihre Kinder ermordet: „Das war symptomatisch für Zehntausend andere Fälle“, so Hirschbiegel: „Das sucht seinesgleichen, und ich muss davon ausgehen, dass das mit unserer Seele zu tun hat und wohl auch ein Stück weit genetisch ist.“ Anders, und noch ein wenig prekärer formuliert: „Wenn wir unsere Identität verstehen wollen, wenn wir wieder stolz darauf sein wollen, sagen zu können: ,Ich bin ein Deutscher’, dann müssen wir diese Strecke gehen. Und dieser Film ist jetzt der erste Anstoß.“

Man spürt das Unbehagen der Redakteurin (ihren Namen habe ich leider vergessen und online wird er nicht angegeben), aber die Aussage Die deutsche Seele versteht niemand sonst als die Deutschen ist alles andere als kryptisch. Hier hatte jemand sein Erweckungserlebnis und sieht es jetzt als seine Pflicht an, den Amerikanern (die das nie verstehen würden) im Erzählen dieser einmaligen Geschichte zuvorzukommen, damit man wieder stolz sein kann. Da muss man jetzt durch, dann geht das wieder. Der Regisseur als Therapeut der Nation.

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Das bin nicht ich. Das ist Bruno Kreisky. Ich für meinen Teil bin 28 Jahre alt und ein kurzsichtiger, wenig- und langsamlesender, aufmerksamkeits- und noch vielgestalt andersgestörter, ungeschickter, linkshändiger, unausdauernder, übergewichtiger, un-unaufgeregter und unkonzentrierter stummer Schwätzer ohne Führerschein (sowie ohne Ehrgeiz, Ziel im Leben, eigene Wohnung, geregeltes oder sonstwie geartetes Geschlechtsleben, usw …), dafür mit unregelmäßigem Bartwuchs und Stoffwechsel sowie dem starken Wunsch, Drängen und Verlangen, der bürgerlichen Gesellschaft doch noch ein Ende zu bereiten (warum dennoch der Sonnenkönig dort oben hängt, darf jeder für sich selbst ausknobeln). In Ermangelung eines besseren ist mein Lebensmotto ‹wenn schon, denn schon›, was angesichts meiner Defizite im menschlichen, zwischenmenschlichen und übermenschlichen Bereich niemanden wundert, der mich kennt. Ich weiß nicht, was ich mit diesem Blog eigentlich will, aber ich schreibe es mit kleineren und größeren Unterbrechungen doch schon seit 2819 Tagen, und so lange es mich noch freut, wird weitergeschrieben. Das letzte Mal hat es hier am 22.05.2012 um 20:29 irgendetwas neues gegeben.
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Ich möchte mich an dieser Stelle ganz aufrichtig bei allen echten Science Fiction Autoren entschuldigen. Sie wissen schon wofür …
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