wenn ich groß bin, werde ich science fiction autor
Mittwoch, 28. September 2005
Ich kann eh nicht schlafen, also versuche ich es gleich gar nicht //Eine Woche verspätet Alles Gute zum Geburtstag, Bill Murray//

Das ganze erinnert mich an eine kleine Episode, die sich irgendwann im Wintersemester 2004/2005 zugetragen hat. Irgendwie kam das Gespräch auf den Status der (damals noch ausschließlich) FPÖ als Nazipartei, wogegen mein Gesprächspartner strengen Einspruch einlegte; nicht, weil er selber einer ist, sondern weil er der denkwürdigen Ansicht anhängt, zu viel antifaschistisches Gedankengut wäre undemokratisch, man müsse immer die Mitte wahren, Extreme wären immer schlecht. Wie man aber bestimmt, was die Extreme, was die Mitte, ob die Mitte immer in der Mitte zwischen den Extremen, wie die Wegstrecke zwischen allen diesen Elementen zu bestimmen, was überhaupt als politische Ansicht anzusehen ist, konnte er mir nicht verraten (ich war allerdings auch zu wütend, danach zu fragen).

Als weiteren Grund, solche schlimmen Dinge über eine Partei und ihre Mitglieder nicht zu sagen, brachte er vor, es wäre eine unrechte Vorverurteilung konkreter Personen und eine unzulässige Verallgemeinerung. Worauf ich ihm etwas zitiert habe, das ungefähr dem Folgenden ähnelte:

1956 wurde Anton Reinthaller, Chef der VdU-Nachfolgepartei FPÖ. Reinthaller war 1928 (!) der NSDAP beigetreten , 1934 "Führer der NSDAP in Österreich". Im März 1938 war er Minister im kurzlebigen Kabinett Seyß-Inquart, das mit dem deutschen Einmarsch im Rücken Kanzler Schuschnigg ablöste. 1941 brachte es Reinthaller zum SS-Brigadeführer im "Rasse- und Siedlungshauptamt" (!). 1957 einigte sich Reinthaller mit Raab auf einen gemeinsamen Bundespräsidentschafts-Kandidaten. 1958 wurde er von Friedrich Peter als FPÖ-Obmann abgelöst.

Peter trat im Alter von knapp 20 Jahren freiwillig der Waffen-SS bei. Im Russlandkrieg 1941 diente er beim 10. Regiment der 1. SS Infanteriebrigade. Diese Einheit war im Sommer 1941 Teil der "Einsatzgruppen", die hinter der Front hunderttausende Juden systematisch erschossen. Peter hat jede Beteiligung und jedes Wissen geleugnet, obwohl seine Einheit damals nur solche Aktionen durchführte.

[Raab, Kamitz, Rheintaller, Peter, Hans Rauscher, Der Standard, 24.Jänner 2005]

Schließlich trat ein guter Bekannter von mir hinzu, und sagte, er hätte das Buch, das ich ihm geborgt hatte (Generation des Unbedingten von Michael Wildt), gelesen und seiner Einschätzung nach war das alles eine riesige unübersichtliche Bürokratie, ein einziges großes Chaos, deshalb könne man niemanden allein wegen der Mitgliedschaft moralisch verurteilen. Also stand ich vor meinem mittigen Demokraten als Schmähtandler da, der gerade von einem mehr der Wahrheit zugetanen Menschen entlarvt worden war. Meine Einwände, ich würde ja niemandem aus der Mitgliedschaft in der Partei ein Grab schaufeln wollen, sondern lediglich aus derjenigen in der SS, dass diese SS-Einrichtungen es trotz unübersichtlicher Strukturen und wilder Fluktuationen in ihren Zuständigkeitsbereichen sehr wohl fertig gebracht hätten, eine ganze Menge Leute umzubringen, und für den Tod vieler weiterer Millionen vorzuplanen, dass Peter in einer Einheit gewesen war, die den ganzen Tag nichts anderes gemacht hatte, als hinter der Front Leute umzubringen, dass es gerade darum ginge, es nicht zuzulassen, dass sich Mörder hinter irgendwelchen bürokratischen Apparaten verstecken könnten, dass ja die SS (Allgemeine und Waffen-) in Nürnberg zur verbrecherischen Organisation erklärt wurde und deshalb die Mitgliedschaft dort ...

Es war aussichtslos; ich war zu extremistisch, mein Gegenüber war sich sicher, seiner Demokratenpflicht nachzukommen, indem er mich eiskalt ignorierte und ich war völlig verzweifelt, dass dieser Mann Philosophie studiert und glaubt, mit einem so geistlosen Satz wie "die Mitte ist gut, die Extreme sind immer schlecht" bereits die höchste dem Menschen mögliche politische Einsicht bekommen zu haben; und ich war verzweifelt, dass mein guter Bekannter ebenfalls Philosophie studiert und der Meinung ist, komplexe und unübersichtliche Strukturen (die aber im Endeffekt trotzdem dazu führen, dass jemand entscheidet, wo sterben gemacht wird, jemand anderer einen Befehl erteilt, und wieder jemand anderer schießt - so scheiß kompliziert kann das doch nicht sein, Personen für die Planung, Befehlserteilung und/oder Durchführung eines Massenmordes lebenslänglich einzusperren) entbinden die handelnden Personen von jeglicher rechtlicher oder moralischer Verantwortung. Und ich war natürlich verzweifelt, dass ich Philosophie studiere und nicht bei ausreichend klarem Verstand war, diesen Menschen zu argumentieren, was für einen unsäglichen Scheißdreck sie da gesagt hatten.

Es wird spät, ich kann nicht mehr aufhören zu fluchen, es wird Zeit, einen Versuch zu wagen, vielleicht kann ich ja einschlafen. Gute Nacht.

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Ist wohl doch nicht so wünschenswert
auf die aristotelische Internationale zu warten...

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ich warte weiterhin
er hat es nicht aus der aristotelischen politik, sondern von popper.

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Das bin nicht ich. Das ist Bruno Kreisky. Ich für meinen Teil bin 28 Jahre alt und ein kurzsichtiger, wenig- und langsamlesender, aufmerksamkeits- und noch vielgestalt andersgestörter, ungeschickter, linkshändiger, unausdauernder, übergewichtiger, un-unaufgeregter und unkonzentrierter stummer Schwätzer ohne Führerschein (sowie ohne Ehrgeiz, Ziel im Leben, eigene Wohnung, geregeltes oder sonstwie geartetes Geschlechtsleben, usw …), dafür mit unregelmäßigem Bartwuchs und Stoffwechsel sowie dem starken Wunsch, Drängen und Verlangen, der bürgerlichen Gesellschaft doch noch ein Ende zu bereiten (warum dennoch der Sonnenkönig dort oben hängt, darf jeder für sich selbst ausknobeln). In Ermangelung eines besseren ist mein Lebensmotto ‹wenn schon, denn schon›, was angesichts meiner Defizite im menschlichen, zwischenmenschlichen und übermenschlichen Bereich niemanden wundert, der mich kennt. Ich weiß nicht, was ich mit diesem Blog eigentlich will, aber ich schreibe es mit kleineren und größeren Unterbrechungen doch schon seit 2715 Tagen, und so lange es mich noch freut, wird weitergeschrieben. Das letzte Mal hat es hier am 11.12.2011 um 23:33 irgendetwas neues gegeben.
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Ich möchte mich an dieser Stelle ganz aufrichtig bei allen echten Science Fiction Autoren entschuldigen. Sie wissen schon wofür …
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