| wenn ich groß bin, werde ich science fiction autor |
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Dienstag, 2. März 2010
Niccolò Machiavelli - Republikaner und Florentinischer Patriot
21:21h //wenn das marxismus ist ...//
Mit einiger Verspätung. Kurz und grob Principe, Kapitel IX:
Man beachte, dass Machiavelli (ganz entsprechend der klassischen politischen Philosophie) nicht von „Staat” oder „Nation” spricht, sondern von „Stadt”. Er schreibt zwar (an verschiedenen Stellen seiner Geschichte der Stadt Florenz) von einer französischen, einer deutschen, einer spanischen, einer englischen, sowie einer römischen und einer griechischen Nation, dann aber auch von einer ghibellinischen, einer sanesischen [sic] (d. i. Siena), einer venezianischen und einer florentinischen Nation. Italien ist für Machiavelli keine Nation, sondern eine „Provinz”. Weiters: die Form, die das städtische Gemeinwesen annimmt, ist ein Ergebnis der Kämpfe des Volkes mit den Mächtigen; (»Che la disunione della Plebe e del Senato romano fece libera e potente quella republica«, Discorsi, Buch I, Kapitel 4) und in diesen gibt Machiavelli eindeutig dem Volk den Vorrang. Das Interesse des Volkes ist zugleich das Gesamtinteresse der Stadt — nämlich die Freiheit, d. i.: die Republik. Das Volk regiert demnach auch besser als jeder Herrscher es könnte: La moltitudine è piú savia e piú costante che uno principe. (Discorsi, Buch I, Kapitel 58) [Man müsste noch hinzufügen, dass nicht jedes Volk für eine Republik geeignet ist. Das liegt aber nicht daran, dass es erst noch „zur Freiheit erzogen” werden müsste, sondern an mangelnder Gleichheit („wo es Gleichheit gibt, lässt sich keine Fürstenherrschaft machen; und wo es sie nicht gibt, lässt sich keine Republik machen” — »dove è equalità, non si può fare principato; e dove la non è, non si può fare republica«, Discorsi, Buch I, Kapitel 55), die (im Falle des Falles) auch gewalttätig herzustellen ist: „Ich zog aus dieser Erörterung also den folgenden Schluss: dass, wer eine Republik einrichten will, wo es viele Adelige gibt, das nicht machen kann, wenn er sie nicht vorher alle auslöscht.” (»Trassi adunque di questo discorso questa conclusione: che colui che vuole fare dove sono assai gentiluomini una republica, non la può fare se prima non gli spegne tutti;«)] [„Und um diesen Begriff ‚Adelige’ zu klären, sage ich, dass ‚Adelige’ diejenigen genannt werden, die in Muße und Überfluss von den Erträgen ihrer Besitzungen leben, ohne etwas mit deren Bewirtschaftung oder mit anderen lebensnotwendigen Tätigkeiten zu tun zu haben.” (»E per chiarire questo nome di gentiluomini quale e’ sia, dico che gentiluomini sono chiamati quelli che oziosi vivono delle rendite delle loro possessioni abbondantemente, sanza avere cura alcuna o di coltivazione o di altra necessaria fatica a vivere.«)] Soviel also zu Machiavelli dem angeblichen Vordenker des Absolutismus und der nationalen Einigung Italiens ... link (0 comments) ... comment Sonntag, 1. November 2009
Dieser Eintrag ist schon ein gutes halbes Jahr überfällig
03:43h //wenn das marxismus ist ...//
Die bisher größte Enttäuschung beim Schreiben meiner Diplomarbeit war Gramsci. Ich war in ein Seminar über Machiavelli hineingeraten und bald war klar: der Typ ist besser als sein Ruf, über den schreibe ich meine Diplomarbeit. Über die genaue Ausrichtung war ich mir nicht so im klaren, und ich war sehr froh, als ich erfahren habe, dass Gramsci (bei mir schon ewig auf der Liste) sich intensiv mit Machiavelli beschäftigt hatte. Thema der Arbeit also: Gramsci-Machiavelli Ich habe mir die italienische Ausgabe der »Gefängnishefte« («Quaderni del Carcere») besorgt und zu lesen angefangen. Ich war recht begeistert, habe mir viele Notizen gemacht und schließlich begonnen, die Diplomarbeit zu schreiben. Je genauer ich jedoch Machiavelli gelesen habe, und je mehr Gedanken ich mir darüber gemacht habe, desto unzufriedener wurde ich mit Gramscis Interpretation. Den letzten Anstoß gab dann die Lektüre von Althussers »Machiavelli und wir« («Machiavel et nous»), das Gramscis Ideen aufgreift und zuspitzt – mit erschreckendem Ergebnis. Der Grund ist, dass beide versuchen, Machiavelli zum Parteiphilosophen zu machen und ihn als einen (bzw. den) gedanklichen Vorläufer Lenins darzustellen – und zwar des staats- und parteioffiziell kanonisierten Lenin. Das heißt konkret: Machiavelli ist der Vordenker des nationalstaatlichen Absolutismus, der den Boden für den Kapitalismus bereitet – so wie Lenin der Begründer des Sozialismus in einem Land ist, der den Weg zum Kommunismus frei macht. – Unabhängig davon, wie sehr diese Ansicht eine Verunstaltung Lenins ist, und ob und wie und was an Lenin tatsächlich zu kritisieren wäre: Machiavelli ist kein Absolutist, und auch kein Nationalist im heutigen Sinne, sondern Republikaner und florentinischer Patriot. (Belegstellen folgen) Ein weiterer Punkt: Gramsci und Althusser meinen, dass Machiavelli im »Principe« einen neuen Typus des absolutistischen Herrschers beschreibt, der Italien einigen (und fit für den Kapitalismus machen) soll, und dass die revolutionäre Partei eine moderner, ein neuer principe ist. Marx und Engels bestehen darauf, dass die proletarische Revolution vom Proletariat selbst gemacht wird, der neue principe soll aber die Partei sein, die das Proletariat lenkt – und nicht das Proletariat selbst. Dazu kommt, dass Gramsci eingesteht, dass die Parteimitglieder selbst keine Proletarier sind, sondern Intellektuelle, die vor der Revolution die Partei (und damit das Proletariar) und nach der Revolution den neugegründeten (National-)Staat lenken sollen – auch das steht in direktem Widerspruch zu Marx und Engels (und hat wenig mit Machiavelli zu tun). Und wenn man böse sein möchte, weist man noch darauf hin, dass Gramsci diese Leute dirigenti nennt, und dass Marx im dritten Band des »Kapital« (23. Kapitel) Manager – also eine Gruppe (Schicht? Klasse?) von Leuten, die als „Funktionäre der Produktion” die Arbeiter befehligen und beaufsichtigen, und somit die Funktion der Kapitalisten ausüben, ohne selbst Kapitaleigentümer zu sein – als „Dirigenten” bezeichnet. Gramsci versichert, dass seine Intellektuellen keine eigene Klasse sind, sondern die berühmten „organischen Intellektuellen”, die in diesem Fall eben organisch mit der Arbeiterklasse verbunden sein sollen – aber was genau diese Intellektuellen mit „ihrer” Klasse verbunden halten und verhindern soll, dass sie den Staats- und Parteiapparat (den sie ja vollständig kontrollieren) gegen „ihre” Klasse einsetzen, das erklärt er nicht. Und was dann eigentlich eine solche Gesellschaft von einer bürgerlichen unterscheidet, auch nicht. (Denn es gibt ja nach wie vor eine herrschende und eine beherrschte Klasse, nur dass beide durch einen metaphysischen Trick identisch sein sollen – und wenn man wieder gemein sein möchte, dann erinnert man sich daran, dass Aristoteles in seiner »Politik« „organisch” das Verhältnis von Herr und Knecht nennt) [Was mich besonders wurmt, ist dass Gramsci und Althusser nicht nur behaupten, dass Machiavelli nicht das geschrieben hat, was er geschrieben hat, sondern dass er es gar nicht hätte schreiben können: Im frühneuzeitlichen Europa wurde der Feudalismus durch den Absolutismus abgelöst, Machiavelli war ein frühneuzeitlicher Denker, also war Machiavelli Absolutist – und so weiter. Machiavellis Republikanismus ist für Gramsci und Althusser eine Erfindung der französischen Enzyklopädisten, mit anderen Worten: ein Anachronismus. In ihrer Vorstellung gibt es in der Geschichte eine einzige objektive Entwicklungslinie, in Bezug auf die jemand entweder progressiv oder reaktionär ist, und Schluss. Machiavelli war progressiv, der Absolutismus hat gesiegt, also war Machiavelli Absolutist – Dass es historisch andere Wege zum Kapitalismus gegeben hat, die nicht absolutistisch und/oder nationalstaatlich waren , und dass auch nicht alle Wege zur klassenlosen Gesellschaft über den Kapitalismus führen müssen, kommt unter die Räder dieser durch und durch mechanistischen Geschichtsauffassung] [Auch nicht wenig verstörend ist, dass beide offensichtlich kein Problem darin sehen, die Sowjetunion in Analogie zu den absolutistischen Großmächten der frühen Neuzeit zu setzen (und damit die Russische Revolution ein zweites Mal zu begraben) – Und dass all das in der Linken vollkommen ignoriert und Gramsci (und in einigen Ecken auch Althusser) als der große marxistische Denker des zwanzigsten Jahrhunderts gefeiert wird] ... link (0 comments) ... comment Samstag, 8. August 2009
Verfemt und vergessen
23:30h //wenn das marxismus ist ...//
... link (0 comments) ... comment Mittwoch, 17. Juni 2009
Aus historischem Anlass
20:51h //wenn das marxismus ist ...//
Depp Ein Sittenbild des Staatssozialismus sowjetischen Typs: Ein allmächtiger Bürokrat, der jeden seiner Konkurrenten ans Messer geliefert hat (z.B. im sowjetischen Exil lebende Genossen an die Nazis übergeben hat lassen ...), und dahinter die Politbüroherde: „Walter, warum machst du es uns nur so schwer, dir zu gehorchen?” Auch nach dem 17. Juni wird jede Chance konsequent vertan, bis Ulbricht wieder fest im Sattel sitzt und auch diesmal wieder alle seine Feinde vernichten kann, und zwar mit deren tränenreichem aber vollen Einverständnis. Die übliche Selbstkritik und ein früher Tod folgen (wenn auch keine Ermordung oder Hinrichtung). Bezeichnend ist auch, wie die tatsächlichen Vorgänge (die SED verliert vollkommen die Kontrolle, die politische und militärische Bekämpfung des Aufstandes und die Rückgewinnung der Kontrolle bleiben der Sowjetunion überlassen) bloß den Hintergrund für ein politisches Kammerspiel bilden. Die Parteispitze und das Volk sind zwei verschiedene Welten. Und so lange das eine tut, was die andere sagt, ist alles in Ordnung. Die Forderungen der Arbeiter werden erst dann überhaupt zur Kenntnis genommen, als es schon längst nicht mehr um die Normerhöhungen, sondern bereits um die Existenz des Regimes an sich geht. Die dahinterstehende Mentalität ist bis heute aus der Linken nicht verschwunden. Nicht nur die ewigen KPler, auch viele andere finden an der Vorstellung einer Parteidiktatur nichts Schlechtes - sie unterscheiden sich lediglich darin, wie sie diese Parteidiktatur wegzuerklären versuchen;* so oder so bleibt es, was es ist: die Vertuschung eines Herrschaftsverhältnisses - mit einem Wort: Ideologie [Ich kann mich noch gut erinnern, dass jemand, der heute für die Grünen im Gemeinderat einer größeren österreichischen Stadt sitzt, mir erklären wollte, der Aufstand am 17. Juni 1953 sei „objektiv profaschistisch” gewesen.] * Ziemlich naheliegend ist zum Beispiel, sich gegen die traditionellen Strukturen und zugunsten „direkter Demokratie” auszusprechen; was dazu führt, dass die Machtstrukturen sich nur umso schneller ausbilden und festigen können und, solange sie informell bleiben, nur umso schwieriger zu kritisieren sind, weil sie noch leichter geleugnet oder wegerklärt werden können - die Grünen sind zwar nicht links, aber das beste Beispiel dafür ... link (0 comments) ... comment Donnerstag, 9. April 2009
NEW //Hoffentlich fällt ihnen rechtzeitig auf, dass man mit so einem Wirtschaftsprogramm Wahlen gewinnt//
03:27h //wenn das marxismus ist ...//
Teile der SPÖ erinnern sich mal wieder, was es mit dem ersten Buchstaben des Parteinamens auf sich hat, und schon glauben alle, dass da wieder wer mit dem Klassenkampf anfangen will und der Kommunismus vor der Haustür steht. Die üblichen Verdächtigen eilen also sofort zur Verteidigung der Ihren, und ein bekannter Zeitungsschreiber wirft sich ins Zeug für seine Leserschaft, also die, die halt etwas mehr verdienen, als man für ein Haus, ein oder zwei Autos, den einen oder anderen Großbildfernseher, das eine oder andere größere Haustier, und noch die eine oder andere unbedingte Lebensnotwendigkeit braucht; die sich halt ein bisschen etwas erspart haben, ein paar Hunderttausend Euro nur, nichts großes halt; eben die Leistungsträger, für die man die guten Zeitungen druckt; also nicht die parasitäre knappe Hälfte der Bevölkerung, die keine Einkommenssteuer zahlt; die Schnorrer und Wettbewerbsuntauglichen, die den unschicklichen Geschmack haben, und die unschicklichen Parteien wählen. Nein, die nicht. Die werden ja von den feigen Politikern umschmeichelt, was für eine Frechheit das ist! Deshalb muss sich also der bekannte Zeitungsschreiber für die einsetzen, für die sonst niemand ein Herz hat, nämlich die allseits ungeliebten Vermögenden. Es ist eine grausame und unverständliche Welt, in der der bekannte Zeitungsschreiber für Anstand und Vernunft eintritt. Er hat natürlich keine Ahnung, und in seiner vehementen Verteidigung der Begüterten gegen die (wollen wir es hoffen) wiedererwachende Sozialdemokratie leugnet er eine Eigenschaft, die dem Kapitalismus innewohnt und deren Auswirkungen wir jetzt gerade nach langer Abwesenheit mal wieder zu spüren bekommen. Ganz wichtig im Voraus zu sagen: Was hier mit Vermögen gemeint ist, was dieser Freund der Vermögenden für so wichtig und schützenswert erachtet, ist eine Form von Kapital, deren Erträge mehrheitlich weder in Konsum noch in Investitionen fließen, sondern zur Vermehrung derselben Art von Kapital dienen - Vermögen dient ja schließlich der weiteren Vermögensbildung, und wenn man glaubt, dass Vermögensbildung über die Bildung von Vermögen geht (und nicht etwa über produktive Investitionen in die sogenannte Realwirtschaft), dass also Geld nicht nur bildlich gesprochen sondern tatsächlich einfach so immer mehr Geld gebiert, dann gibt es ein Problem. Denn um Vermögen aufzubauen, muss zuallererst Einkommen abgezweigt werden, das sonst ausgegeben (d.h. verkonsumiert) oder investiert werden würde, was schon einmal die Nachfrage schwächt - das ist auch der Grund, warum es nicht nur gerecht, sondern auch vernünftig ist, hohe Einkommen hoch zu besteuern, und Leute mit wenig oder gar keinem Einkommen finanziell zu unterstützen. Wenn Vermögen aber erst einmal aufgebaut ist, beginnt es sich sehr schnell zu vermehren; wenn jedes Jahr die gleiche Summe für Vermögensbildung zur Verfügung steht, wächst das Vermögen (sofern nichts entnommen wird) um diesen Betrag plus die Erträge, die das bereits vorhandene Vermögen (auf mysteriösen Wegen) erwirtschaftet hat, und wenn besagte Vermögen mitsamt besagten Erträgen schneller wachsen als die Gesamtwirtschaft (was in den letzten Jahrzehnten die meiste Zeit der Fall war), muss auf verschiedenen Wegen immer mehr Einkommen zur Erhaltung und Mehrung dieser Vermögen abgezweigt werden, was die Nachfrage immer weiter schwächt. //Die vielen Wege, das Einkommen abzuzweigen, können hier nicht alle aufgezählt werden, aber im Großen und Ganzen läuft es auf immer höhere Verschuldung hinaus// Ein möglicher Weg, die Vermögen überdurchschnittlich wachsen zu lassen, ohne dass die Nachfrage wegbricht, ist der vermehrte Export. Das Problem dabei ist offensichtlich: wenn die Zielländer dieselbe Wirtschaftsstruktur haben, werden auch diese Länder auf den Export setzen; es gibt also einerseits ein Exportwettrennen, das die „wettbewerbsfähigsten” Länder gewinnen, und das bedeutet in erster Linie: niedrige Löhne, was die Inlandsnachfrage erst Recht nach unten treibt; andererseits gibt es einen großen Druck, neue Märkte zu öffnen, was durchaus auch mit Gewalt durchgesetzt werden kann (auch, aber nicht ausschließlich, mit militärischer Gewalt); eine weitere gute Möglichkeit, die Nachfrage aufrechtzuerhalten, ist die oben erwähnte immer höhere Verschuldung Irgendwann ist aber auch das ausgereizt, und da die Vermögen (und mit ihnen die Verschuldung) weiter steigen, kommt es irgendwann dazu, dass ein einzelnes Vermögen eine solche Größe erreicht hat, dass es aus den laufenden Einkommen nicht mehr bedient werden kann - welche Grenze hier genau erreicht wird, kommt ganz auf die Situation an; im konkreten Fall haben die Hauspreise in den USA eine solche Höhe erreicht, dass die zur Aufrechterhaltung dieses speziellen Vermögens erforderlichen Wachstumraten selbst mit aller Gewalt (d.h. mit allem Kreditbetrug) nicht mehr gehalten werden konnten (warum und inwiefern in den USA Einfamilienhäuser Vermögen sind, ist eine etwas längere Geschichte); es kommt dann im schlimmsten Fall (den wir gerade erleben) zu einer Kettenreaktion, da das Vermögen, das in den Einfamilienhäusern steckt, Einkommen generiert (nämlich Zinszahlungen), aus dem sich andere Vermögen speisen, die wiederum das Einkommen für andere Vermögen aufbringen, die wiederum usw. usw. Bricht also der unterste Einkommensstrom zusammen, d.h. werden die Hypotheken auf die Häuser in ausreichendem Maß nicht mehr bedient, werden Wertpapiere, die auf diesen Zinszahlungen basieren, praktisch wertlos, was wiederum Papiere wertlos macht, die auf diesne Papieren basieren, usw. usw. Sind diese Vermögen schließlich irgendwann alle in ausreichendem Maße vernichtet worden, und sind weiterhin die (gigantischen) Schulden, über die diese Vermögen im Endeffekt gespeist wurden, abgetragen, kann die sogenannte Realwirtschaft (die, wie wir sehen können, von dieser Vermögensvernichtung nicht unbeeindruckt geblieben ist) wieder wachsen, die ganze Sache geht wieder von vorne los und die Vermögensbildung kann munter weiter gehen - wenn nicht die anstehende Explosion des Ölpreises die ganze Sache durcheinanderbringen würde (und da nicht noch ein paar andere dem Kapitalismus innewohnende Entwicklungen wären, die alles noch weiter verkomplizieren) Kurz gesagt: eine vernünftige Wirtschaftspolitik verhindert so gut es geht das Wachstum von Vermögen, bekämpft die Armut, indem sie Einkommen umverteilt, steuert den Großteil der Investitionstätigkeit, und macht noch ein paar andere Dinge im Interesse der Allgemeinheit Und eine vernünftige linke Bewegung arbeitet weiterhin dafür, den Kapitalismus, der nur mit einem solchen Maß staatlicher Kontrolle vor sich selbst gerettet werden kann, und dann immer noch die Gesellschaft mehr und mehr auseinanderreißt, endlich zu überwinden ... link (0 comments) ... comment Montag, 30. März 2009
Die Krise
02:28h //wenn das marxismus ist ...//
Ein kleiner Teil eines aktuellen Interviews der südkoreanischen Tageszeitung Hankyoreh mit Robert Brenner - [Seongjing Jeong, The Economy in a World of Trouble - Interview with Bob Brenner, Against the Current 139, März-April 2009] Ich hoffe, dass ich die Fachausdrücke nicht allzu falsch übersetzt habe. //Amazon.de meint, dass Verso am 1. Mai eine zweite Auflage seines Buches The Economics of Global Turbulence herausbringen wird. Sollte dem tatsächlich so sein, wird es ausführliche Exzerpte daraus geben//
... link (0 comments) ... comment Dienstag, 24. März 2009
G - G'
18:50h //wenn das marxismus ist ...//
Eine einfache und nur ein wenig unfaire Methode, die „Wirtschaftskompetenz” von jemandem oder etwas zu testen, ist, zu schauen, ob dieser jemand oder dieses etwas einen Sinn für Größenordnungen hat und/oder Rechnen kann. Negativbeispiel Der Standard:
1-2-3! In einem Absatz zwei Mal um drei Größenordnungen daneben! Dem Redaktionskürzel kann man entnehmen, dass Leo Szemeliker dafür verantwortlich zeichnet, und aus seinem Kommentar in der selben Ausgabe [„Die Bad Bank, die gut sein will”] geht hervor, dass der diesen Eine-Billion-Dollar Plan auch gar nicht verstanden hat. Die Essenz des Ganzen ist, dass der amerikanische Staat privaten Investoren eine knappe Billion Dollar in die Hand drückt, um damit den Banken unverkäufliche Papiere abzukaufen. Stellt sich heraus, dass ein Papier mehr wert ist als der Preis, den es dabei erzielt hat, streichen die Investoren den Großteil des Gewinnes ein - stellt sich der tatsächliche Wert als niedriger heraus, verliert der Investor das wenige Geld, das er selbst aufgewendet hat und der Steuerzahler bleibt auf dem Rest sitzen, so oder so ist die Bank ihr Papier zu einem guten Preis losgeworden. Um den Schein aufrechtzuerhalten, dass dem nicht so ist, wurde rundherum eine elaborierte Fassade errichtet, der Herr Szemeliker prompt bescheingt, »marktwirtschaftlich« zu sein, und sieht es auch nicht als Widerspruch an, später noch hinzuzufügen, dass »ein künstlich geschaffener Markt besser als gar kein Markt ist«. Der Staat schafft also unter Aufbringung eigener Geldmittel Märkte (die eigentlich keine Märkte sind, denn da die Investoren kaum eigenes Geld zu verlieren und viel Steuerzahlergeld zu gewinnen haben, haben sie jeden Anreiz, den Preis in die Höhe zu treiben) zu dem ausschließlichen Zweck, zu verschleiern, dass er eigentlich insolventen Banken ihre wertlosen Papiere in gutes Geld tauscht, und in Not geratenen Kapitalisten ihre verlorengegangenen Profite ersetzt - Prädikat: „marktwirtschaftlich” [Herr Szemeliker hat natürlich ganz Recht. Die Sache ist „marktwirtschaftlich”. Genau so funktioniert die Heilige Marktwirtschaft. Lediglich die Summen werden immer größer, die handelnden Personen unverschämter, die wahren Gläubigen rarer, und die Verteidiger wie Herr Szemeliker verzweifelter]
... link (0 comments) ... comment Dienstag, 18. November 2008
Blast from the Past
03:03h //wenn das marxismus ist ...//
In den Gefängnisheften exzerpiert Gramsci einen Artikel aus der Nuova Antologia über Öl (Quaderno 2 (XXIV), § 54 (=Band I, 210-212)). Darin erwähnt er dieses Buch: Karl Hoffmann, Ölpolitik und angelsächsischer Imperialismus, Ring-Verlag, Berlin 1927 Google sagt, dass es u.A. auf Seite 245 des dritten Bandes der Gesammelten Schriften des Staatsrechtlers Hermann Heller zitiert wird. (Heller ist bekannt als Gegenspieler Carl Schmitts im Prozess Preußen contra Reich um die Absetzung der sozialdemokratischen preußischen Landesregierung und die Einsetzung des Reichskanzlers Franz von Papen als Reichskommissar per Notverordnung des Reichspräsidenten Paul von Hindenburg (bekannt als "Preußenschlag" oder "Papenstreich"). Er wurde 1891 im damals österreichischen Teschen geboren, das nach - vorsichtig ausgedrückt - wechselvoller Geschichte heute geteilt ist zwischen Polen und Tschechien als Cieszyn und Český Těšín). Dort heißt es:
Das Zitat stammt übrigens aus Hellers von ihm selbst nicht mehr fertiggestellter und 1934 in den Niederlanden posthum erschienener Staatslehre, ist also ungefähr so alt wie meine Großväter. Was würde sich Heller wohl denken, wenn er wüsste, dass diese ihm recht selbstverständliche Einsicht nach all den Jahren nicht nur immer noch richtig ist, sondern als kontrovers und als große Entdeckung und Demaskierung gilt, wenn sie in dieser Deutlichkeit ausgesprochen wird? ... link (0 comments) ... comment Samstag, 12. Juli 2008
Obscene Solidarity könnte der Titel des nächsten Albums von Trans Am sein (oder des nächsten Albums von Stereolab wenn das nicht schon Chemical Chords heißen würde)
01:58h //wenn das marxismus ist ...//
A kind of litmus test is - this always works on all my friends - "How do you stand toward Fight Club, the movie?" Es ist schon eine Weile her, aber: Herr M. hat mich getestet und ich habe bestanden!
Das ist mir in meinem Fieberwahn bei der Beackerung von Aristoteles' Politik auch aufgefallen: Der Staat ist nicht der Staat aller, die mit ihm verbunden sind (Aristoteles sagt das ganz offen und gibt sich vergeblich einige Mühe, es auch zu rechtfertigen), aber irgendwas ist da doch. Die Form ist nie ganz leer.
Ein sehr interessantes und lesenswertes Beispiel (über das eigentlich noch viel mehr zu sagen wäre) dafür ist [Chris Harman, Theorising neoliberalism, International Socialism Journal, 18. Dezember 2007] - Harman zeigt u.a. die diversen ideologischen Funktionen des Begriffes "Neoliberalismus" (auch innerhalb der Linken) auf und argumentiert, dass viele, die vom Neoliberalismus sprechen, dessen "Erfolge" bei Weitem überbewerten, um sich kopflos in die neuen sozialen Bewegungen zu stürzen - in diesem Sinne kritisiert er auch die Rifondazione Comunista, die ihre Regierungsbeteiligung mit den Verwüstungen begründet hat, die die zunehmende Prekarität der Arbeiterklasse zugefügt haben soll: Social movements were seen as the only way forward, and when they went into decline the only hope seemed to be entering a government which might make at least a little turn away from “neoliberalism”. Er meint daher aber auch, dass sich am Kapitalismus (und damit an den Methoden, ihm zu begegnen) eigentlich nichts geändert hat. Und da hat Žižek auf jeden Fall Recht: Irgendetwas hat sich aber verändert. Jedenfalls: Worum geht es also?
[Bemerkenswerte Sache: Žižek eignet sich hervorragend für cut-ups; ich habe vorhin eine halbe Stunde mit einem Freund diskutiert und dabei nur Passagen aus diesem Interview aneinandergereiht -- ich sehe das schon vor mir, angelehnt an ELIZA: SLAVOJ] ... link (0 comments) ... comment Donnerstag, 8. Mai 2008
Ich hätte so viel zu tun, aber es geht einfach nicht
18:36h //wenn das marxismus ist ...//
In der Gewerkschaftsbuchhandlung neben dem NIG liegt in der Auslage gerade der Bildband Kuba. Bilder einer Revolution. Auf dem Cover sieht man Fidel beim Baseballspielen. Sieht ein bisschen aus wie ein Setfoto von den Dreharbeiten zu Bananas:
[Ich kann mich nicht einmal dazu aufraffen, mir endlich eine weitere der vielen DVDs anzuschauen, die mir das Osterschnabeltier gebracht hat] Das hier ist auch nett; hier sieht er eher Liam Neeson ähnlich:
Manche Leute kommen auf sehr merkwürdige Ideen: conky - a light-weight system monitor - demnächst: "ricky - a full-featured dictionary and thesaurus" ("Get some book-learning! It's not rocket appliances!") ... link (0 comments) ... comment ... next page
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![]() Das bin nicht ich. Das ist Bruno Kreisky. Ich für meinen Teil bin 25 Jahre alt und ein kurzsichtiger, leseschwacher, besserwisserischer, aufmerksamkeitsdefizitärer, ungeschickter, linkshändiger, unausdauernder, übergewichtiger, un-unaufgeregter, unkonzentrierter Schwätzer ohne Führerschein (sowie ohne Ehrgeiz, Handy, Ziel im Leben, Job, eigene Wohnung, ...), dafür mit unregelmäßigem Bartwuchs, schlechter Verdauung und dem Wunsch, dem Kapitalismus ein Ende zu bereiten (der Sonnenkönig hängt dort oben wegen seines Gesichtsausdrucks und weil er mein erster und bisher bester Kanzler war - sollte sich aber ein gutes Photo finden, könnte er unter Umständen von Lenin ersetzt werden). Mein Lebensmotto ist 'wenn schon, denn schon', was angesichts meiner Defizite im menschlichen, zwischenmenschlichen und übermenschlichen Bereich sicher nicht weiter verwundert. Ich tue was ich hier tue schon 2016 Tage. Das letzte Mal hat es hier am 07.03.2010 um 22:27 irgendetwas neues gegeben. status
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Mit einiger Verspätung. Kurz und grob Principe,... by flowo (2010-03-02 21:29) Freitag, 23. Oktober...
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